In einem überregional verbreiteten Pressebericht heißt es:
„Der Hauptbahnhof Paderborn war im vergangenen Jahr der unpünktlichste Fernverkehrsbahnhof Deutschlands. Das Portal „zugfinder.net“ hat im Auftrag von
„reisereporter.de“ Daten vom 1. Januar bis 31. Dezember 2025 ausgewertet. Demnach waren in
Paderborn nur 26,9 Prozent der Fernzüge pünktlich. Bundesweit haben rund 60 Prozent der
ICE und IC pünktlich erreicht. Als pünktlich gilt bei der Deutschen Bahn weniger als sechs
Minuten Verspätung.“
Was steckt dahinter?
In Paderborn haben nur 6 Fernzüge je Stunde pro Tag gehalten:
einmal ICE Dortmund – München und zurück, wobei der Laufweg westlich Dortmund aufgrund von Baustellen wechselte, aber in der Regel über die Schnellfahrstrecke Köln – Frankfurt führte.
zweimal IC Köln – Dortmund – Dortmund – Gera.
Nur besondere Problem-Linien durch Paderborn
Die Linie von und nach München wurde zum Fahrplanwechsel Ende 2025 eingestellt. Mehr dazu hier.
Diese Linie besorgte südlich von Köln den Pendlerverkehr für die Zwischenhalte Limburg und Montabaur und hatte bei der Durchfahrt auf der überlasteten Strecke Köln – Dortmund keine allgemeine Takttrasse, sondern war als Zusatzleistung mit besonders engen Abständen zu anderen Zügen. Das führt mehr als normal zur Übertragung von Verspätungen. Aus Richtung München wurde der Zug in Würzburg geflügelt, das heißt, von einem anderen Zugteil nach Essen abgetrennt, was gelegentlich zu technischen Problemen führte. Hinzu kam ein sehr komplexer Personaleinsatz, der immer wieder dazu führte, das auf Personal gewertet werden musste.
Die Linie von und nach Gera lief mit alten IC-Wagen, die inzwischen am Ende ihrer Nutzungszeit standen und häufiger technische Störungen hatten. Dieser Zug musste von Gera bis Gotha mit Diesellok gefahren werden. Auch hier kam es immer wieder zu technischen Störungen. Auch war der Personaleinsatz komplex und störanfällig. Die Linie wird im September 2026 auf ICE umgestellt und verkehrt von und nach Leipzig.
Bauarbeiten führten bei grundsätzlicher Anfälligkeit für Verspätungen dazu, dass diese wenigen Züge regelmäßig nicht pünktlich waren.
Damit waren beide Linien von technischen und fahrplantechnischen Sonderbedingungen geprägt, die in dieser Ballung auf anderen Bahnhöfen nicht vorkommen.
Mehr Pünktlichkeit – die Weichen sind gestellt
Den ICE von und nach München mit seinen Sonderbedingungen gibt es nicht mehr.
Der IC nach Gera fährt bald nicht mehr und wird durch eine Verbindung ersetzt, die weitaus weniger Potenzial für Verspätungen bietet. Die Pünktlichkeitsrate wird daher verbessert werden können. Ob der Bundesdurchschnitt erreicht werden kann, ist aber fraglich, denn es bleiben einige Nachteile, die bei anderen Verbindungen so nicht auftreten.