Unverständlich: Stadtbus Herford eingestellt wegen Schnee

Am 26. Januar 2026 hat der Stadtbus Herford seinen Betrieb vollständig eingestellt. Vorangegangen war, dass für den 26. Januar starker Schneefall angekündigt war, der auch gegen 2 Uhr in der Nacht einsetzte,

Beim Stadtbus Herford kapituliert man offenbar schon vor gewöhnlichen Schneeflocken. Dafür hat der Fahrgastverband PRO BAHN kein Verständnis. Dass der Stadtbus Herford am 26.1. seinen Betrieb vollständig eingestellt hatte und am Mittag noch keine andere Information verfügbar war, steht in OWL ziemlich einmalig da. Die Stadtbusse in Bielefeld, Bad Salzuflen und Detmold waren im Einsatz, wenn auch mit einigen Verspätungen und einzelnen Ausfällen. Der Stadtbus Detmold hat sogar angekündigt, dass Busse, die nicht fahren können, den Fahrgästen als Wärmebus zur Verfügung stehen.
Der Bahnverkehr in Ostwestfalen-Lippe war ebenfalls nicht vollständig zusammengebrochen, wenngleich es im Regionalverkehr einige Verspätungen und im Fernverkehr Verspätungen bis zu 90 Minuten gab.
Über die Betriebseinstellung gab es am Busbahnhof Herford keinerlei Information.

Einen wesentlichen Beitrag hat, nach Presseberichten zu urteilen, zu diesem Problem die mangelhafte Abstimmung des Winterdienstes mit dem Busverkehr und insbesondere mit der Umgestaltung des Busnetzes geleistet.

 

 

 

Neubaustrecke ist das kleinere Übel

Pressemitteilung
19. Januar 2026

Mehr Züge brauchen mehr Gleise:
Neubaustrecke ist das kleinere Übel

Die vorhandenen Gleise durch den Kreis Herford genügen für die Verkehrsnachfrage der Zukunft nicht mehr. Die Frage der Kapazität der Bahnverbindung rückt in den Vordergrund, die heftig kritisierte Fahrzeit von 31 Minuten ist nicht mehr das einzige Argument für eine Neubaustrecke. Das folgert der Fahrgastverband PRO BAHN aus der neuen Verkehrsprognose 2040.

Die zu erwartenden steigenden Zugzahlen erfordern zwei zusätzliche Gleise. Diese zusätzlichen Gleise sind an der Bestandsstrecke nicht ohne gravierende Eingriffe in die angrenzenden Grundstücke in Herford, Schweicheln und Bad Oeynhausen unterzubringen. PRO BAHN plädiert daher für eine zweigleisige Neubaustrecke, wie sie zur Zeit von den Planern der DB InfraGO im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums untersucht wird. Diese Entwicklung findet auch in der Verkehrsprognose 2040 ihren Niederschlag, den die Bundesregierung im Jahr 2025 veröffentlicht hat.

„Ein geordneter Regionalverkehr wir schon in wenigen Jahren rund um Herford nicht mehr möglich sein,“ erläutert Rainer Engel, Vorsitzender des PRO-BAHN-Regionalverbands OWL und stellvertretender Landesvorsitzender, die Situation. „Internationale Züge haben nach EU-Recht Vorrang vor dem Regionalverkehr. Auch der Regionalexpress von Hannover nach Bielefeld und der Rhein-Ruhr-Express von Minden nach Köln werden sich mit Fahrplanlücken zufrieden geben müssen und langsamer ihre Ziele erreichen als heute. Fahrgäste, die in Herford umsteigen oder mit dem Stadtbus weiter wollen, müssen dann mehr Zeit einplanen als heute.“

Warum mehr Züge?

Der nachfragestarke Fernverkehr zwischen Rhein/Ruhr und Berlin wird weiter zunehmen. Neben dem Fernverkehr der DB drängen Mitbewerber auf den Verkehrsmarkt: Flixtrain verdoppelt seine Zugflotte mit Neubaugarnituren und ausländische Bahnen, z.B. aus Italien (Trenitalia und Italo) zeigen sehr konkretes Interesse. Im Nahverkehr ist das Projekt „S-Bahn OWL“ des Zweckverbands Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) zu nennen. Der Güterverkehr aus Belgien und Niederlanden über Osnabrück erfordert ab Löhne in Richtung Hannover weitere Fahrplantrassen.

Warum Neubaustrecke statt Ausbau der Bestandsstrecke?

Sechs anstelle von vier Gleisen sind auf der Bestandstrasse nicht unterzubringen. PRO BAHN weist darauf hin, dass die zusätzlich erforderlichen zwei Gleise in Hiddenhausen-Schweicheln und in Bad Oeynhausen erhebliche Eingriffe in die angrenzenden Grundstücke und den Gebäudebestand erforderlich machen und zu zeit- und kostenaufwändigen Baustellen führen würden.

Eine zweigleisige Neubaustrecke, würde weitgehend siedlungsfern und in großen Teilen unterirdisch verlaufen – das zeigen die im Planungsprozess verbliebenen Streckenvarianten V3 und V4. In der Planung werden zahlreiche Kriterien für die Bewertung berücksichtigt. „Die Planer haben es sich dabei nicht leicht gemacht“ meint der Fahrgastverband PRO BAHN nach der Auswertung der veröffentlichten Bewertungen aller untersuchten zwölf Streckenvarianten.

Bei der Abwägung der Vor- und Nachteile der verschiedenen Planungskorridore wurde der Faktor „Auswirkungen der Planung auf die Menschen“ am höchsten bewertet. Es wird also versucht, die Auswirkungen auf die Lebensqualität der direkt von den Plänen betroffenen Menschen zu minimieren, wo immer es möglich ist.
Ganz ohne Betroffenheit wird es nicht gehen. „Im Vergleich mit einem anforderungsgerechten Ausbau der Bestandsstrecke ist ein Neubau aber das kleinere Übel“ meint PRO BAHN.

Wie geht es weiter?

Die beiden Planungsvarianten V3 (Führung östlich der Herforder Innenstadt an der Autobahn 2) und V4 (Führung durch die Herforder Innenstadt) bedürfen vertiefter Untersuchungen, um die sogenannte Vorzugsvariante zu bestimmen, die dann Grundlage der der weiteren Planungen und Beschlüsse ist.

PRO BAHN erkennt an, dass die DB-Planer systematisch und transparent vorgehen und die Öffentlichkeit teilhaben lassen. So hat die DB InfraGO für Mittwoch, den 21. Januar, in der Zeit von 17:00 h bis 20:00 h, in das MARTa eingeladen, um der Öffentlichkeit die in der Planung verbliebenen Streckenvarianten V3 und V4 in OWL vorzustellen und Hinweise und Vorschläge aus der Einwohnerschaft entgegenzunehmen.

 

Stellungnahme dritte Herforder Erklärung

Amtsträger aus dem Raum zwischen Herford und Schaumburg haben am 10. Dezember 2025 eine „Dritte gemeinsame Herforder Erklärung“ angekündigt.

In dieser Erklärung werden drei Kernforderungen aufgestellt. Zu diesen Kernforderungen nimmt der Fahrgastverband PRO BAHN Stellung:

Kernforderung der dritten Herforder Erklärung:
„Wir fordern, dass die weiteren Planungen ohne Vorfestlegung auf eine Fahrzeit zwischen Bielefeld und Hannover von 31 Minuten und ohne Vorfestlegung auf eine Höchstgeschwindigkeit von 300 km/h erfolgen.“

Kommentar:
Der Fahrgastverband PRO BAHN empfiehlt der Bundesregierung, der Forderung zu entsprechen, eine Planung vorzulegen, die nur die Anforderungen des Deutschlandtakts an die Kapazität erfüllt, nicht aber die Vorgaben an die Fahrzeit. Allein aus den Anforderungen für die Kapazität des Schienennetzes gemäß der Fortschreibung Deutschlandtakt ergibt sich, dass auch dann zwischen Bielefeld und Minden sechs statt bisher vier Gleise erforderlich sind. Diese zusätzlichen zwei Gleise erfordern Eingriffe in die Anliegergemeinden der Bestandsstrecke, die weitaus gravierender sind als die Eingriffe durch eine Neubaustrecke. Genauso wie schon beim Projekt Hamburg – Hannover ist die Bewertung des Ausbaues der Bestandsstrecke auf die notwendige Kapazität wesentlich ungünstiger.

Die ausführliche Begründung ist in Arbeit und wird hier demnächst zur Verfügung stehen.

Kernforderung der dritten Herforder Erklärung:
„Wir fordern eine transparente und vollumfängliche Darstellung und Abwägung aller entstehenden Kosten und Nutzen sowie belastbare Aussagen zur finanziellen Realisierbarkeit.“

Kommentar:
Der Fahrgastverband PRO BAHN unterstützt die Forderung nach Transparenz bei Kosten und Nutzen. PRO BAHN geht aber davon aus, dass die Bundesregierung dieser Forderung im Rahmen der Vorlage des Projekts an den Deutschen Bundestag genauso nachkommen wird, wie sie es zum Projekt Hamburg – Hannover handhabt.

Die ausführliche Begründung ist in Arbeit und wird hier demnächst zur Verfügung stehen. Bis dahin verweisen wir auf die Bundestagsdrucksache zum Projekt Hamburg – Hannover.

Kernforderung der dritten Herforder Erklärung:
„Wir fordern weiterhin, die für den bisherigen Ausbau geplanten Ressourcen insbesondere für einen wirtschaftlichen Ausbau und die Instandhaltung der Bestandsstrecke zu verwenden.“

Kommentar:
Der Fahrgastverband PRO BAHN sieht keinen Konflikt zwischen den Anforderungen an die Finanzierung der Instandhaltung des Schienennetzes und der Finanzierung der Neubaustrecke. Die Generalsanierungen sollen bis 2035 abgeschlossen sein, der Bau einer Neubaustrecke kann frühestens 2035 beginnen.

Die ausführliche Begründung ist in Arbeit und wird hier demnächst zur Verfügung stehen.