Ab 27. März: Bahn-Chaos für Pendler aus Detmold

Presseinformation vom 25.3. – ergänzt

Ab 28. März werden Fahrgäste aus Detmold von der Eurobahn wieder systematisch benachteiligt. Bauarbeiten sind dafür verantwortlich – und Detmold hat weder bei der Eurobahn noch beim zuständigen Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) einen Stellenwert. Der Fahrgastverband PRO BAHN ist entsetzt über die Behandlung der Bürger aus der Residenzstadt. Arbeitnehmer können ihren Arbeitsplatz in Bielefeld frühmorgens nicht mehr erreichen.

Fahrgäste viel zu spät informiert

Ab 27. März (abends) bis zum 11. Mai ist die Bahnstrecke von Lage bis Herford wegen Bauarbeiten gesperrt. Die Folgen für Fahrgäste von und nach Detmold am Morgen und am späten Abend sind übel,
Die Daten sind erst seit Mittwoch, 25. März, in der Fahrplanauskunft zu finden: Vorher waren die Fahrpläne auf der Website der Eurobahn und auf zuginfo.nrw zu sehen, im DB-Navigator waren Warnhinweise angebracht. Die gravierenden Auswirkungen waren aber nicht erkennbar.

Arbeitsplätze nicht mehr erreichbar

Bielefeld ist an Werktagen frühestens um 6.35 Uhr erreichbar und damit eine Stunde später als normal. Der Grund: Der Zug, der normal um 4.58 Detmold verlässt, wird ab Lage durch einen Bus ersetzt, der entsprechend länger braucht. Erste Anrufe bei PRO BAHN bestätigen: Das ist für viele Arbeitnehmer aus dem Kreis Lippe existenzgefährdend: Sie können ihren Arbeitsplatz nicht mehr erreichen!
PRO BAHN meint: Der erste Zug muss so ersetzt werden, dass man rechtzeitig ankommt.
Der Zug um 5.58 Uhr ab Detmold fährt zwar bis Lage, hat aber keinen Anschluss nach Bielefeld, sodass Fahrgäste den Ersatzbus nach Herford nehmen müssen und auch rund eine Stunde später nach Bielefeld kommen als normal.
Hier wäre ein Extra-Bus mit Anschluss an die Regionalbahn von Lemgo hilfreich, die um 6.05 Uhr in Lage abfährt.
Der Express RE 82 (ab Detmold um 6.36 Uhr) und die RB 72 (Detmold ab um 7.01 Uhr) mit Anschluss nach Bielefeld fahren weiterhin.

Ein Fahrplan, der gar nicht funktionieren kann!

Der Express RE 82 (Detmold ab um 7.40 Uhr) nach Bielefeld, der besonders stark nachgefragt ist, soll erst um 8.11 Uhr abfahren. „Dieser Zug wird leer fahren, denn um 8.01 Uhr fährt schon ein Zug nach Lage mit Anschluss nach Bielefeld“, erklärt Rainer Engel, Vorsitzender des Fahrgastverbands PRO BAHN in Ostwestfalen-Lippe. „Wir haben den Fahrplan überprüft und sind auf eine groteske Fehlleistung gestoßen: Auf eingleisiger Strecke sollen gleichzeitig zwei Züge zwischen Lage und Detmold in entgegengesetzter Richtung fahren:  ab Detmold um 8.11 Uhr nach Lage, um 8.13 Uhr von Lage nach Detmold. Um 8.19 Uhr – also zwei Minuten später – soll der Express auf dem gleichen Gleis nach Bielefeld fahren, die Regionalbahn überholen und fünf Minuten früher in Bielefeld ankommen. Wer diesen Fahrplan gemacht hat, hat offenbar nicht verstanden, dass keine zwei Züge zur gleichen Zeit auf dem gleichen Gleis fahren können. Das Chaos am Montag, wenn der Fahrplan in Kraft tritt, ist also vorprogrammiert.“
Der groteske Fahrplan gilt aber auch zwischen Horn-Bad Meinberg und Detmold: Der Regionalexpress könnte ganz normal um 7.40 Uhr nach Bielefeld fahren. Die Eurobahn schickt den Zug aber erst nach Horn, damit dort gewendet wird. Von Horn fährt der Zug um 7.46 Uhr ab, kommt aber nur bis Remmighausen. Dort muss erst die Regionalbahn von Paderborn vorbeigelassen werden, die in Horn um 7.51 Uhr abfährt, und dann die Regionalbahn nach Paderborn, Detmold ab 8.02 Uhr. Erst danach geht es weiter, Ankunft ist in Detmold um 8.10 Uhr.
Es ist nicht bekannt, ob DB InfraGo diesen Fahrplan so erstellt hat, oder ob die Eurobahn diesen Fahrplan so beantragt hat.

Ausschnitt Fahrplan

Abends zumutbare Wartezeiten in Lage

„De letzte gescheite Verbindung besteht von Bielefeld nach Detmold um 20.49 Uhr. Danach fährt zwar, wie immer, die Regionalbahn 73 nach Lage, hat aber keinen Anschluss nach Detmold. Normal kommt nach wenigen Minuten der Regionalzug von Herford, aber der wird durch einen Bus ersetzt. Erst nach geschlagenen 48 Minuten soll der Ersatzbus von Herford kommen. Diese Zeit müssen Fahrgäste, die sich nicht abholen lassen, in Dunkelheit, Kälte und Wind an der Bushaltestelle in Lage verbringen.“
PRO BAHN fordert: Ein zumutbarer Anschluss ist herstellbar. Das können auch örtliche Taxiunternehmen organisieren.

Keine Reaktion von NWL und Eurobahn

Empört ist der Fahrgastverband PRO BAHN über die fehlende Reaktion von NWL und Eurobahn: „Wir haben NWL und Eurobahn bereits am 19. März auf die Missstände aufmerksam gemacht. Vom NWL gibt es keinerlei Reaktion, von der Eurobahn nur eine freundliche Antwort ohne wirklich sachlichen Inhalt“, so Engel. Das ist der Stand am 26. März um 13 Uhr.

Stellwerk-Ausfall mit offenen Fragen

Seit dem 25. März fährt der Regionalexpress RE 82 nicht. Begründet wird dies mit dem Ausfall des Stellwerks in Oerlinghausen. Tatsächlich funktioniert das Stellwerk in Oerlinghausen aber immer zur halben Stunde, wenn in beiden Richtungen die Züge der Linie 73 von Bielefeld nach Lemgo und umgekehrt fahren. Es ist zu vermuten, dass das Problem tatsächlich im Stellwerk Lage auftritt. In den vergangenen Wochen gab es gleichartige Störungen, damals wurde Lage als Störungsquelle angegeben.

Detmold ganz besonders benachteiligt:
Keine andere Stadt dieser Größe und Bedeutung in NRW wird so behandelt!

Die Stadt Detmold mit rund 75.000 Einwohnern wird ganz besonders benachteiligt, indem die Stadt mit Sitz eines Regierungspräsidenten und mit Ausbildungsstätten von drei Hochschulen vom Oberzentrum Bielefeld und dem ICE-Anschluss abgeschnitten wird. Zweckverband NWL und Eurobahn denken nur in Linien wie „Bielefeld – Lemgo“ und „Detmold – Herford“ und nehmen nicht zur Kenntnis, das die stärkste Verkehrsbeziehung die zwischen Detmold und Bielefeld ist.

Gesamtbewertung:
* Einfallslosigkeit der Mitarbeiter auf allen Ebenen.
* Überforderung durch zu viele Baustellen.
* Fehlende Flexibilität bei DB InfraGo.
* Zu bürokratische Arbeitsweise von DB InfraGo.

 

 

 

Unverständlich: Stadtbus Herford eingestellt wegen Schnee

Am 26. Januar 2026 hat der Stadtbus Herford seinen Betrieb vollständig eingestellt. Vorangegangen war, dass für den 26. Januar starker Schneefall angekündigt war, der auch gegen 2 Uhr in der Nacht einsetzte,

Beim Stadtbus Herford kapituliert man offenbar schon vor gewöhnlichen Schneeflocken. Dafür hat der Fahrgastverband PRO BAHN kein Verständnis. Dass der Stadtbus Herford am 26.1. seinen Betrieb vollständig eingestellt hatte und am Mittag noch keine andere Information verfügbar war, steht in OWL ziemlich einmalig da. Die Stadtbusse in Bielefeld, Bad Salzuflen und Detmold waren im Einsatz, wenn auch mit einigen Verspätungen und einzelnen Ausfällen. Der Stadtbus Detmold hat sogar angekündigt, dass Busse, die nicht fahren können, den Fahrgästen als Wärmebus zur Verfügung stehen.
Der Bahnverkehr in Ostwestfalen-Lippe war ebenfalls nicht vollständig zusammengebrochen, wenngleich es im Regionalverkehr einige Verspätungen und im Fernverkehr Verspätungen bis zu 90 Minuten gab.
Über die Betriebseinstellung gab es am Busbahnhof Herford keinerlei Information.

Einen wesentlichen Beitrag hat, nach Presseberichten zu urteilen, zu diesem Problem die mangelhafte Abstimmung des Winterdienstes mit dem Busverkehr und insbesondere mit der Umgestaltung des Busnetzes geleistet.

 

 

 

Ostwestfalen-Lippe: Streckensperrungen 2026

Überblick:


Bis Herbst 2026 Sperrungen Kreis Lippe
Neu: Von Mai bis Juni Sperrungen Hamm – Kassel und rund um Altenbeken
Bis Ende 2026 Sperrungen Hamm – Rhein/Ruhr – Mittelrhein und Sieg

Die meisten Fahrpläne sind noch nicht angepasst. Fahrplanänderungen sind erst wenige Tage vor Baubeginn zu erwarten.
Fahrpläne werden oft geändert, ohne dass darüber informiert wird.

Stand 11. April 2026. Alle Angaben ohne Gewähr.
Auf 2 Monate im Voraus können Sperrungen auf https://strecken-info.de/ ermittelt werden. Diese Angaben sind aber nicht vollständig und nicht immer zuverlässig.

Nächtliche Sperrungen auf allen Strecken

Auf allen Strecken sind ab etwa 21 Uhr kurzfristig Streckensperrungen nicht ausgeschlossen. Bus-Ersatzfahrpläne werden nicht frühzeitig veröffentlicht, sondern erst wenige Tage vorher in die Auskünfte eingepflegt. Verantwortlich für die späte Information ist in der Regel DB InfraGo.

Details

Kreis Lippe

27.03. – 11.05.2026
46 Tage Sperrung Bad Salzuflen – Lage
Mehr Details hier

Kreis Lippe: Sommer

Laut Angaben einer Vorlage des NWL:
25.07. bis 03.08.2026 Sperrung Herford – Detmold und Oerlinghausen – Lemgo für Inbetriebnahme Stellwerk Lage.

Kreis Lippe / Kreis Paderborn / Kreis Höxter

03.06.2026 – 19.06.2026 Leopoldstal – Altenbeken
Altenbeken – Steinheim
Altenbeken – Höxter-Ottbergen

Neu: Hamm – Paderborn – Altenbeken – Kassel

Totalsperrungen – Während dieser Zeit fallen Fernverkehrszüge aus oder verkehren nur zwischen Gotha und Gera.
16. bis 25.06. Hamm – Lippstadt
29.05. – 02.06. Paderborn – Altenbeken
03.06. – 08.06. und 12. – 24.06. Hamm – Soest.

Laut Vorankündigung in Fahrplänen:
Teilsperrung, vielleicht auch Vollsperrung:

22.5. bis 19.6. Paderborn – Altenbeken.
Näheres ist derzeit nicht zu ermitteln.

Ostwestfalen-Lippe

24.07.- 10.08.2026 Bünde – Rahden
15.10.- 23.10. 2026 Wellendorf – Osnabrück (Haller Willem)
26.09. – 27.10.2026 Löhne – Vlotho (- Hameln)
30.10.- 03.11.2026 Bünde – Herford / Löhne
30.10.- 13.11.2026 Altenbeken – Höxter-Ottbergen
11.10. –  26.10.2026 Kreiensen – Holzminden.

Quelle: Vorlage des NWL
Hinweis: Der Schienenersatzverkehr betrifft in der Regel längere Strecken als die Sperrung selbst!
Weitere Quellen sind Presseberichte.

Sperrungen auf Zulaufstrecken

14.05.2026 – 24.05.2026 Holzminden – Kreiensen
09.01. – 10.02. Essen – Duisburg – Düsseldorf
09.10. – 30.10. Essen – Duisburg – Düsseldorf
04.02. – 07.07.2028 Hagen – Unna – Hamm
06.02. – 10.07.2026 Hagen – Wuppertal – Köln
Hagen bleibt mit S-Bahn und RE 4 über Dortmund erreichbar.
S-Bahn und RE 4 Dortmund – Wuppertal stehen zeitweise zur Verfügung.
26.09. – 17.10.2026 Soest – Unna
Ganzes Jahr in wechselnden Abschnitten und Zeiträumen Hagen – Siegen.
Ganzes Jahr in verschiedenen Abschnitte und Zeiträumen Köln – Bonn – Koblenz – Mainz.

Streckensperrungen im Rheinland

Eine Übersicht finden Sie hier.

Streckensperrungen 2027 im Ruhrgebiet

Vorlage des NWL:
Informationen des VRR.

Herford – Minden: Wieder extrem späte Baustellen-Information

Von Freitagabend, 28. Februar 2025 bis 24. März gelten abweichende Fahrpläne zwischen Bielefeld und Minden. Informiert wurde hierüber erst mit einer Pressemitteilung vom Vortag (27. Februar). Erneut werden Bahnpendler in Ostwestfrauen vor den Kopf gestoßen. Der Fahrgastverband PRO BAHN ist entrüstet über die viel zu späte Information.

Vom 28. Februar, 21 Uhr bis zum 24. März fallen Züge von Bielefeld bis Minden aus ganz aus oder es wird in Bad Oeynhausen und Porta nicht gehalten. Es gelten vier Bauphasen mit unterschielidhen Abweichungen:
Vom 28. Februar bis 6. März, 5:00 Uhr fallen aus:
RB 78 Bielefeld – Minden vollständig
RRX 6 Löhne – Minden vollständig
RE 60/70 Halt in Porta in beiden Richtungen
RE 60/70 Halt Bad Oeynhausen in Richtung Bielefeld / Osnabrück
RE 60/70 Halt Löhne in Richtung Bielefeld / Osnabrück
Anschluss RE 70/62 Hannover – Osnabrück wegen Hautausfall Löhne des RE 70.

Vom 6. März 2025 (5:00) bis 11.03.2025 (21:00) fällt aus
RB 78 Bielefeld – Minden

Vom 11. März 2025 (21:00) bis Fr, 14.03.2025 (7:00) fällt aus
RB 78 Bielefeld – Minden– jeweils nachts zwischen 21 Uhr und 7 Uhr
ebenfalls einige Fahrten RE 6, 60, 70

Vom 14. bis 17. März und 21. bis 24. März, jeweils zwischen 21:00 und 7:00 fallen aus
einzelne Züge RE 60, 70, 78 Minden – Kirchlengern / Bielefeld

Der Fernverkehr ist von den Zugausfällen nicht betroffen. Diese Züge können über die sogenannten „Gütergleise“ an der Baustelle vorbeifahren.

Informiert wurde hierüber in einer Pressemitteilung der Westfalenbahn vom 27. Februar 2025. die die Ausfälle der Eurobahn nicht nennt.

„Bauarbeiten sind unvermeidlich, und die Deutsche Bahn als Eigentümer der Schienen versucht, die Beeinträchtigungen so gering wie möglich zu halten“, kommentiert Rainer Engel für den Fahrgastverband PRO BAHN die Situation. „Aber die Information darüber findet oft erst statt, wenn Fahrgäste auf dem Bahnsteig stehen. Es ist nicht hinnehmbar, dass die Fahrpläne zwei oder drei Tage vor der Abfahrt geändert werden und die Pressemitteilung der Bahnunternehmen erst 24 Stunden vor Baubeginn geschrieben wird. Verantwortlich für die späte Information ist die Deutsche Bahn“, stellt Rainer Engel fest. „Wir bedauern sehr, dass Westfalenbahn und Eurobahn das nicht mitteilen. Die viel zu späte Information ist kein Einzelfall, sondern ein bundesweiter Flächenbrand, der durch die neue Bundesregierung abgestellt werden muss. Schon mehrfach wurden Fahrgäste gerader und um Herford wenige Tage vorher vor vollendete Tatsachen gestellt, und das wird angesichts weiterer Baustellen, von denen wir wissen, auch wieder passieren. Vom 7. bis 13. Juni wird in und durch Herford kein einziger Zug fahren, das sollten sich die Bürger jetzt schon in den Kalender eintragen, weil es in den Fahrplänen noch nicht steht.“

 

Eurobahn-Chaos durch Personalmangel Kreis Lippe: Wie geht es weiter?

Die Personalsituation bei der Eurobahn scheint sich konsolidieren. Seit Anfang März 2025 sind Personalausfälle die Ausnahme. Ausfälle und Verspätungen durch Probleme an der Infrastruktur, aber auch an Fahrzeugen, nehmen zu.

Die bisherige Liste der Personalausfälle wird daher einstweilen nicht weitergeführt.

Zwischenzeitlich hat die Übernahme der Eurobahn durch den Zweckverband NWL stattgefunden. Die Auswirkungen werden erst in geraumer Zeit bekannt sein.

>> Zum Archiv Zugausfälle und Störungen Juli 2024 bis März 2025

 

Zukunft der Eurobahn

Eine Übernahme der Eurobahn durch den SPNV-Aufgabenträger Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) wird vom Fahrgastverband PRO BAHN befürwortet. Dafür gibt es viele Gründe, die wir hier nennen. Insbesondere die Diskussion über finanzielle Risiken einer solchen Übernahme beachtet nicht, dass der Schienenverkehr eine öffentliche Dienstleistung der Daseinsvorsorge ist, zu der es in aller Regel keine ernsthafte Alternative gibt. Die Provokation eines Stillstandes des Schienenverkehrs durch Insolvenz eines Unternehmens ist keine verantwortbare Option.

Die Lage zur Jahreswende 2024/2025

Die finanzielle Situation der Eurobahn kann von außen nicht eingeschätzt werden. Die Situation ist aber nach den äußeren Anzeichen zu schließen, prekär. Nicht ohne Grund hat der NWL die Handlungsmöglichkeiten untersuchen lassen. Zur Pressemitteilung hierzu.
Ein Bericht des WDR gibt Aufschluss über die Lage.

Laufende Verträge der Eurobahn:
Maas-Rhein-Lippe-Netz: RE 3 Hamm – Düsseldorf, RE 13 Hamm – Venlo, Auftraggeber VRR
Laufzeit ursprünglich bis Ende 2025, verlängert bis Ende 2026.  Danach steht die Übernahme des Verkehrs durch die DB-Tochter Start mit Zweisystemfahrzeugen für den Einsatz bis Eindhoven an.
Dieselnetz OWL Nord (RE 82 Bielefeld – Detmold – Altenbeken, RB 67 Bielefeld – Warendorf – Münster, RB 71 Bielefeld – Rahden, RB, 73 Bielefeld – Lemgo-​Lüttfeld, Auftraggeber NWL)
Der Auftrag lief ursprünglich bis Ende 2025 und wurde zweimal um verlängert und gilt jetzt bis Ende 2029.
Hellweg-Netz (RB 50 Münster – Lünen – Dortmund, RB 59 Dortmund –Soest, RB 69 / 89 Münster – Hamm – Bielefeld/Paderborn, Auftraggeber NWL)
Der Vertrag läuft noch bis 2030, die Neuausschreibung steht an.
Teutoburger-Wald-Netz (RB 61 Bielefeld – Bad Bentheim – Hengelo, RB 65 Münster – Rheine, RB 66 Münster – Osnabrück, RB 72Herford  – Paderborn, RE 78 Bielefeld – Nienburg, Auftraggeber NWL)
Der Vertrag läuft noch bis 2032. Die Ausschreibung steht in absehbarer Zeit an.

Wer ist für die Misere verantwortlich?

Ein Grund ist der Grundsatz der Vergabe von Betriebsleistungen durch Ausschreibungen: „Der billigste Anbieter gewinnt.“ So gesehen liegt die Antwort nahe, dass sich das Unternehmen Eurobahn verkalkuliert hat. Es dürfte nach den von Anfang an bestehenden Problemen (siehe Wikipedia) davon auszugehen sein, dass eine solche generelle Fehlkalkulation der Ausgangspunkt der Probleme ist, die letztlich dazu geführt hat, dass sich der hinter der Eurobahn stehende Keolis-Konzern entschlossen hat, die Geschäftstätigkeit in Deutschland einzustellen und die Eurobahn an eine Finanz-Holding zu verkaufen. Diese sollte das Unternehmen an ein anderes Eisenbahn-Unternehmen weiterverkaufen, was bisher nicht realisiert werden konnte.
Die Geschäftsführer, die die vor etwa 10 Jahren und früher geschlossenen Verträge zu verantworten haben, sind nicht mehr im Amt, die heutigen Verantwortlichen müssen mit der Lage zurechtkommen.
Die Situation wurde aber durch Ereignisse verschärft, die zur Zeit des Abschlusses der Verträge so nicht absehbar waren:
* Massiv steigende Personalkosten,
* Verknappung des verfügbaren Personals sowohl aufgrund der demografischen Entwicklung als auch aufgrund der geringen Attraktivität des Schichtdienstes,
* Eine massiv erhöhte Bautätigkeit bei DB Netz / DB InfraGo mit einem nicht vorhergesehenen Aufwand für Umorganisation und Ersatzverkehr.
Unter diesen Bedingungen gerät jedes Unternehmen an die Grenzen seiner finanziellen Stabilität. Andere Unternehmen sind aus solchen Gründen in ähnliche Schieflagen geraten (Abellio, Metronom, GoAhead), mit sehr unterschiedlichen Folgen, die aber letztlich immer finanziell zulasten der Besteller gingen.
Aufgrund der schon anfänglichen Probleme ist die Eurobahn im Bereich Personal von Abgängen in besonderem Ausmaß betroffen. Anders ausgedrückt: Die Ursachen sind vielfältig, die Suche nach einem persönlich Verantwortlichen ist nicht sinnvoll und hilft nicht bei der Bewältigung des Problems.

Was geschieht, wenn nichts geschieht? Stillstand!

Letztlich muss ein Unternehmen früher oder später Insolvenz anmelden, wenn die Einnahmen nicht ausreichen. Da auch für die Zukunft die profitable Führung des Unternehmens nicht zu erwarten ist, würde eine Durchführung eines Schutzschirmverfahrens in Eigenverantwortung fraglich sein, sodass die Bestellung eines Insolvenzverwalters erforderlich würde. Letztlich ist im Fall Abellio Rail die Bestellung des Insolvenzverwalter mit dem Zeitpunkt zusammengefallen, zu dem die Betriebsleistung eingestellt wurde. Ob ein Insolvenzverwalters den Betrieb noch weiterführen könnte, ist eine Frage, die vorab nicht einzuschätzen ist. Letztlich muss der Insolvenzverwalter so handeln, dass keine weiteren Verluste entstehen, und das kann auch die sofortige Betriebseinstellung bedeuten. Die Arbeitnehmer würden vorübergehend Konkursausfallgeld beziehen, aber es würden keine Züge fahren.
Damit müsste der Betrieb so schnell wie möglich im Wege der Notvergabe an andere Unternehmen vergeben werden. Im Fall Abellio Rail konnte hierfür ein Zeitraum von etwa 7 Monaten genutzt werden, der zwischen der Anmeldung der Insolvenz und der Betriebsaufnahme durch andere Unternehmen lag. Ob diese Frist in Sachen Eurobahn überhaupt noch möglich ist, ist fraglich. In diesem Zeitraum müssen Unternehmen gefunden werden, die ein Angebot für die Betriebsübernahme machen und im Hintergrund enorm viele Verträge erneuert werden, mit Leasing-Unternehmen, Dienstleistern und DB InfraGo. Letztlich muss der SPNV-Aufgabenträger dem neuen Unternehmen zahlen, was gefordert wird. Dieses finanzielle Risiko ist nicht vorab kalkulierbar.

Die Übernahme des Unternehmens bietet mehr Optionen

Durch die Abwicklung der bisherigen Verträge im Unternehmen Eurobahn können die Risiken einer Insolvenz vermieden werden. Die Möglichkeiten einer Inhouse-Vergabe und die Möglichkeit, laufende Verkehrsverträge auf ein auskömmliches Niveau anzupassen, sind deutlich flexibler nutzbar als im Rahmen einer Notvergabe.

Besondere Bedingungen des Dieselnetzes Nord: Umstellung auf Batterie-Fahrzeuge

Für das Dieselnetz Nord und einige andere Strecken sind bereits neue Triebfahrzeuge ausgeschrieben worden. (Details siehe hier). Aufgrund der aktuell großen Nachfrage nach solchen Fahrzeugen und gleichzeitig einem zunehmenden Personalmangel bei den Herstellern kommt es zu erheblichen Verzögerungen der Lieferung. Eine Übernahme der Eurobahn durch den NWL und damit durch eine unmittelbare Verfügbarkeit über diverse Vertragsbedingungen kann ermöglicht werden, den Übergang von den Dieselfahrzeugen zu Elektrofahrzeugen deutlich flexibler zu gestalten und damit Risiken erheblich abzufedern. In der augenblicklichen Situation ist nicht absehbar, ob ein klassischer Übergang zu einem Stichtag X an einen neuen Betreiber funktionieren kann. Das Land Schleswig-Holstein hat mit einer Diesel-Übergangsflotte und einem schrittweisen Hochfahren des Einsatzes der neuen Fahrzeuge gute Erfahrungen gemacht.

Die finanziellen Risiken

Keine Teilnahme am Wirtschaftsleben ist ohne Risiko. Das gilt auch für die Ausschreibung von Schienenverkehrsleistungen. Diese Risiken werden nicht dadurch kleiner, wenn Verkehrsleistungen durch beauftragte Unternehmen ausgeführt werden – die Insolvenz der Abellio Rail hat dies unmissverständlich spürbar gemacht und gezeigt, dass das System Ausschreibung in der Praxis nicht frei von Risiken ist. Es kann sogar langfristig von Vorteil sein, wenn Aufgabenträger über eigene Unternehmen verfügen, in die sie deutlich tiefere Einblicke in die Geschäftstätigkeit haben als in die extern beauftragten Unternehmen. Der schienengebundene öffentliche Verkehr in den Städten wird in aller Regel in Deutschland bisher nicht ausgeschrieben, sondern als Inhouse-Vergabe dem eigenen Verkehrsunternehmen übertragen. Dass die Eigentümer dieser Unternehmen unkalkulierbare Risiken übernehmen würden, ist nicht bekannt. Vielmehr können die Risiken, die durch Fehleinschätzungen entstehen, in aller Regel durch einen besseren Einfluss auf das Leistungsangebot und Investitionen minimiert werden. Ein eigenes Verkehrsunternehmen hat darüber hinaus einen unschätzbaren Vorteil: die Kontinuität der Personalzugehörigkeit. Dieser Vorteil wird derzeit sehr deutlich: Nur in der allerersten Zeit funktionierten Betriebsübergaben von einem zu einem anderen Unternehmen ohne Probleme. Je knapper Arbeitskräfte werden, umso eher nutzen Arbeitnehmer die Möglichkeit, vorzeitig sich einen „besseren“ Arbeitgeber zu suchen. Genau das ist das gegenwärtige Problem der Eurobahn und seines Auftraggebers:  Das Verkehrsangebot für die Fahrgäste kann nicht mehr sichergestellt werden. Dabei ist der Schienenverkehr in aller Regel alternativlos, denn Busse brauchen die doppelte und dreifache Zeit für die gleiche Strecke und können nicht das Platzangebot sicherstellen, dass in den Triebwagen vorgehalten werden kann

Kommentar zur 2. Herforder Erklärung

Die zweite Herorder Erklärung fordert unter anderem einen Planungsstopp für die Neubaustrecke Bielefeld – Hannover.
Unwissen, Ignoranz, Verschleierung, Selbstgerechtigkeit und Narrative prägen diese Erklärung. Maximalforderungen werden aufgestellt, die darauf hinauslaufen, dass in Ostwestfalen-Lippe NICHTS neu gebaut werden darf. Für eine internationale Bahnverbindung ist das keine Basis für das Handeln der Bundesregierung. Solche Forderungen erhält die Bundesregierung von allen, die den Bau von Bahninfrastruktur verhindern wollen, überall, wo neu gebaut werden soll.
Den ausführlichen Kommentar finden Sie hier.

Neubaustrecke und Bad Salzuflen

Bad Salzuflen vor schwieriger Entscheidung: Mit Bedenken ins Abseits oder mit Mut und Vorsicht in die Zukunft?
Schneller nach Bielefeld oder Bahn-Anschluss bedeutungslos werden lassen?

Für die Stadt Bad Salzuflen steht mit der derzeitigen Planung einer Schnellfahrstrecke zwischen Bielefeld und Hannover eine sehr schwierige Entscheidung an. Eine der von der Deutschen Bahn vorgelegte Trasse ermöglicht, die Kurstadt in nur 10 Minuten mit dem Bielefelder Hauptbahnhof zu verbinden. Diese Trasse liegt sehr nah an der Autobahn A 2 und auf gleicher Höhe wie die Autobahn und kann daher den Lärmschutz verbessern. „Das ist unser eindeutiger Favorit“, erklärt Engel. „Die ersten fachlichen Ermittlungen zum anschließenden Tunnel durch den Obernberg lassen erkennen, dass diese Trasse ohne ernsthafte Gefährdung von Trinkwasser und Mineralquellen gebaut werden kann, denn die Trinkwasserquellen liegen weit darüber, die Mineralquellen weit darunter. Bei der Bahn ist das Problem präsent, deswegen wurde bereits ein qualifizierter Fachgutachtern berufen, wie wir erfahren haben. Mit genügend Vorsicht beim Bauverfahren können Schäden ausgeschlossen werden.“

Außer Bad Salzuflen würde der gesamte Kreis Lippe profitieren. „Der Rhein-Ruhr-Express könnte so nicht nur die Kurstadt, sondern auch Lage und Detmold mit Düsseldorf und Köln verbinden. Ohne Neubaustrecke wird diese Chance nicht bestehen“, so Engel. „Heute ist der Kreis Lippe die einzige bedeutende Region in Nordrhein-Westfalen, die in der landesweiten Planung des Express-Netzes gar nicht vorkommt. Das kann das Neubauprojekt ändern, und das ist ein großer Standortfaktor, gerade auch für eine Kurstadt. Das ist keine Fantasie, solche Aussagen klären wir mit Fachleuten ab, bevor wir damit in die Presse gehen.“

Alle anderen Trassen werden den Bahnverkehr für Bad Salzuflen bedeutungslos werden lassen, hat die Analyse ergeben,  „Eine vorgeschlagene Neubautrasse kann durch Herford führen und ist mit dem totalen Umbau des Bahnhofs verbunden, weil ICE-Züge mit 300 km/h durch den Bahnhof fahren sollen. Wenn dies realisiert wird, wird es nie mehr möglich sein, dass Züge über Herford hinaus fahren“, hat Engel festgestellt. „Eine weitere Trasse könnte die Werre auf einer 500 Meter langen Talbrücke überqueren, das finden wir überhaupt nicht schön und bringt der Stadt auch keine Vorteile. Die Vorstellung schließlich, dass zwischen Bielefeld und Herford gar nichts gebaut wird, wird dazu führen, dass die internationalen Züge dem heute leidlich funktionierenden Regionalverkehr den Platz wegnehmen und in Herford lange Umsteigezeiten entstehen. Der Stadtbus hat dafür schon die richtige Entscheidung getroffen, indem das Stadtbus-Netz an die Bielefelder Stadtbahn in Milse angeschlossen wurde.“

„Wir beneiden die Stadtpolitik vor dieser schweren Entscheidung nicht“, erklärt Engel. „Für Bad Salzuflen steht zur Wahl, ob die Stadt sich mit Bedenken ins Abseits katapultiert oder mit Mut und Vorsicht die einmalige Chance nutzt, die das Projekt bietet.“

Soweit vorgeschlagen wird, dass auf eine Neubaustrecke im Raum Herford / Bad Salzuflen ganz verzichtet werden könne, muss darauf hingewiesen werden, dass die Verkehrsprognose 2040 nahe legt, dass die Bundesregierung dafür keine Chance sehen wird. Mehr zur Verkehrsprognose 2040 und dem VCD-Vorschlag hier.

Generalsanierung Minden – Wunstorf: PRO BAHN fordert mehr als Busersatz

Generalsanierung Bahnlinie Minden – Wunstorf:
Ostwestfalen darf nicht abgehängt werden

Fahrgastverband fordert intelligente Lösungen für Ersatzverkehr auch auf der Schiene

Anlässlich der von der DB schon für 07.07.2028 – 08.12.2028 angekündigten Generalsanierung der Bahnstrecke zwischen Ostwestfalen und Hannover fordert der Fahrgastverband intelligente Lösungen: Bielefeld darf vom ICE-Verkehr nicht abgehängt werden. Für Fahrgäste aus der Region müssen Züge über Ersatzstrecken fahren. Busverkehr nach Hannover ist angesichts täglicher Staus auf den Autobahnen nicht akzeptabel.

Die Deutsche Bahn hat angekündigt, dass die ursprünglich für 2030 vorgesehene Totalsperrung der Bahnlinie nach Hannover schon im zweiten Halbjahr 2028 () stattfinden soll. „Mit Busverkehr als Ersatz können wir uns bei einer Sperrung für ein halbes Jahr nicht zufriedengeben“, erklärt Rainer Engel, Vorsitzender des Fahrgastverbands PRO BAHN in Ostwestfalen-Lippe. „Angesichts der bisherigen Arbeitsmethoden der DB müssen wir aber befürchten, dass nur Busse als Ersatz fahren und Bielefeld vom ICE-Verkehr abgehängt wird. „Bessere Angebote sind möglich, sind aber von der DB an anderer Stelle in Deutschland noch nicht ausprobiert worden.“
Die Generalsanierung bedeutet, dass zwischen Minden und Wunstorf kein Zug auf dem direkten Weg nach Hannover fahren kann. „Anders als bei der jetzt laufenden Sanierung der Riedbahn südlich von Frankfurt gibt es keine leistungsfähigen Umleitungen“, erklärt Engel. „Bei jeder Streckensperrung zwischen Hamm und Hannover werden ICE-Züge weiträumig umgeleitet, und Bielefeld ist vom Fernverkehr völlig abgehängt. Auch Fahrgäste aus Gütersloh, Herford und Minden schauen auf leere Abfahrtstafeln. Fahrgäste müssen sich in überfüllte Regionalbahnen und Busse zwängen, die gar nicht für Fernreisen bestimmt sind. Das ist uns gerade in den letzten Wochen bei Sperrungen in Gütersloh und Herford wieder besonders aufgefallen.“
Der Fahrgastverband hat sich bereits genau angesehen, was technisch und entsprechend dem Fahrplan möglich ist. „Jede Stunde kann ein ICE über eine Umleitung nach Nienburg und von dort nach Berlin fahren. Das dauert zwar eine Stunde länger als gegenwärtig, ist aber akzeptabel. Dass Fahrgäste nach Berlin mit Bussen fahren müssen und dabei auf der ständig verstopften Autobahn hängen bleiben, ist hingegen nicht hinnehmbar.“
„Auch für Fahrgäste muss gesorgt werden, die sich keine Fernzug-Fahrkarten leisten können und mit dem Deutschlandticket unterwegs sind. Diese Fahrgäste suchen sich Wege über andere Strecken, und das führt regelmäßig zu chaotischen Zuständen, weil die Züge auf den Umleitungsstrecken viel zu kurz sind“, beobachtet Engel. „Bei Sperrungen nehmen Fahrgäste lieber Umwege in Kauf, um mit Zügen zu fahren, und meiden die Ersatzbusse. Das haben wir aktuell auch zwischen Frankfurt und Mannheim beobachtet, wo Ersatzbusse ziemlich leer fahren, die bei der Riedbahn-Sperrung S-Bahnen und Regionalbahnen ersetzen. Zwischen Herford und Hannover wird das auch geschehen: Fahrgäste werden sich in die viel zu kurzen Züge der Regionalbahn nach Hameln quetschen und den lokalen Pendlern der S-Bahn nach Hannover die Plätze streitig machen. Ich erinnere mich noch genau an eine solche Sperrung vor mehreren Jahren, bei der die Weserbahn hoffnungslos überfüllt war, während die Ersatzbusse auf dem normalen Weg reichlich Platz boten. Es genügt daher nicht, wenn die Bahn an Mindener Bahnhof Busse hinstellt. Die Logik der Fahrplanauskunft leitet Fahrgäste bei Umleitungen unweigerlich in Züge mit zu wenig Platz.“
Beim Fahrgastverband PRO BAHN unterschätzt man nicht den Aufwand, der für kluge Lösungen notwendig ist. „Einen ICE kann man nicht mit einer Diesellok über eine Strecke ohne Oberleitung schleppen“, weiß Engel. „Aber es muss möglich sein, geeignete Fahrzeuge aus anderen Teilen des Bundesgebiets zu beschaffen, damit Fahrgäste über die Weserbahn nach Hannover fahren können. Bisher hat die DB aber nur Ersatzbusse gekauft.“

Zur Pressemitteilung der DB

Auch PRO BAHN Niedersachsen warnt

Zur Pressemitteilung des PRO BAHN Landesverbandes

Hintergründe

Sperrung Riedbahn
Die schnellste Verbindung Frankfurt – Mannheim ist gegenwärtig gesperrt. Fahrgäste, die nicht zu einer der Stationen an der Strecke wollen, können auf den Umleitungsstrecken über Darmstadt und Worms daran vorbeifahren. Das dauert eine halbe Stunde länger. Die Züge dieser Linien sind sehr leistungsfähig und fahren elektrisch.
Ungenügende Umleitungen
Die Umleitungsstrecke Minden – Nienburg ist zwar elektrifiziert, sodass ICE dort fahren können. Die Strecke ist aber eingleisig, mit wenigen Ausweichen. Mit einem ICE je Stunde und Richtung bleibt nur Platz für einige Güterzüge. Die Westfalenbahn kann dort nicht umgeleitet werden.
Die zweite Umleitung führt über Vlotho nach Hameln. Diese Strecke ist eingleisig und hat eine geringe Kapazität. Da keine Oberleitung vorhanden ist, können ICE nicht fahren. Die kleinen Dieseltriebwagen sind auf den recht schwachen Regionalverkehr ausgelegt.
Problem ist kein Einzelfall:
Die Streckensperrung Minden – Wunstorf ist hinsichtlich der beschriebenen Folgen kein Einzelfall. Auch zwischen Frankfurt und Saarbrücken wird die ICE-Strecke gesperrt, die schnellste Verbindung führt dann über Bad Kreuznach. Dort fahren kleine Triebwagen wie auf der Weserbahn.
Fahrplanauskunft

Die Fahrplanauskunft zeigt in der Grundeinstellung immer die schnellste Verbindung. Wenn die Fahrt von Bielefeld oder Herford mit der Weserbahn über Hameln schneller ist als der Ersatzbus ab Minden, wird diese angezeigt und nicht der Ersatzverkehr.

RE-82-Aushilfe durch Deutsche Bahn geht weiter

Eine Erleichterung für Fahrgäste, aber keine Problemlösung!

Vom 26. August 2024 bis 31. Juli 2025 wird DB Regio Ersatzfahrten für den Regionalexpress 82 „Der Leineweber“ anbieten. Der Fahrgastverband PRO Bahn begrüßt dies und respektiert den organisatorischen Einsatz, der dies möglich gemacht hat. Aber es darf nicht vergessen werden, dass erst der massive Protest aus dem Kreis Lippe dieses Engagement in Gang gesetzt hat. Das Vertrauen in die Zuverlässigkeit des Bahnverkehrs ist im Kreis Lippe nachhaltig verspielt. Es wird Jahre dauern, bis Vertrauen wieder aufgebaut ist. Das Krisenmanagement des NWL ist und bleibt sehr mangelhaft, sichtbar aktuellen Zugausfällen.
Der NWL hat sich vorbehalten, diese Aushilfe bis Fahrplanwechsel am 13. Dezember 2025 zu verlängern.

Fahrplan suboptimal, aber notwendig

Der Fahrplan sieht vor, dass die RE 82-Ersatzfahrten eine längere Fahrzeit haben als der Stammfahrplan. Ursache ist, dass in Bielefeld nur Gleis 1 zur Verfügung steht. Die Eurobahn konnte das gleiche Fahrzeug, das von Lemgo kam, nach wenigen Minuten nach Detmold – Altenbeken zurückfahren. Beim RE 82-Ersatzverkehr müssen die Fahrzeug getauscht werden. Daher ist es notwendig, dass das DB-Fahrzeug später ankommt und früher abfährt, um in Bielefeld Ost die Züge der Eurobahn passieren zu lassen.

Fernverkehrs-Anschlüsse: nicht ganz optimal

Anschluss auf diese Linie besteht weitgehend sicher Anschluss an einen ICE von und nach Berlin sowie den Anschluss an den Intercity nach Köln, teilweise weiter nach Koblenz nach Stuttgart.
Der Anschluss an den ICE nach von / nach und von Düsseldorf wird nicht erreicht.

Verschiebung des Personalproblems woanders hin

Der Einsatz von Lokführern und Fahrzeugen der DB reißt an anderer Stelle Lücken auf. Offiziell wird das nicht bestätigt, aber Einträge in Foren lassen erkennen, dass Lokführer nun an anderer Stelle fehlen. So wird in einschlägigen Foren berichtet, dass Lokführer der DB bisher bei anderen Unternehmen als „Leiharbeiter“ gefahren sind. Solche Verschiebungen werden auch aus anderen Teilen von NRW berichtet.

Fahrzeug

Eingesetzt wird ein Triebwagen der Baureihe 644. Dieses wird elektrisch angetrieben. Der Strom wird in Dieselgeneratoren erzeugt.

Weitere Perspektive

Nach Mutmaßungen von Insidern ist eine Verlängerung des Einsatzes über den Fahrplanwechsel im Dezember 2024 nicht möglich. Die DB leidet durchaus auch unter Personalmangel, sodass das auf dem RE 82 Lücken in anderen Regionen aufreißen dürfte und nach dem Fahrplanwechsel wieder in andere Regionen abgezogen wird, in denen DB Regio neue Verträge übernimmt.

Die eigentlichen Mängel liegen in der Arbeit des Zweckverbands Nahverkehr Westfalen-Lippe.

Das zeigt sich an den Versäumnissen in der Vergangenheit:
* Monatelange Zugausfälle, wie wir sie hier dokumentieren mussten, haben viel zu spät zu einer Reaktion mit Notfahrplänen geführt.
* Die Einführung der Notfahrpläne am 8. April 2024 erfolgte ohne jede Kompensation durch ergänzenden Busverkehr. Lediglich zwischen Nienburg und Minden wurden Busse eingesetzt, weil alle Züge gestrichen wurden. Im Kreis Lippe musste erst ein regelrecht politischer Aufstand notwendig werden, damit nachgebessert wurde.
* Nicht einmal die Mitglieder der Zweckverbandsversammlung des NWL beaufsichtigen soll, wurden informiert und erfuhren erst aus der Presse von den Veränderungen.

Die Arbeit des NWL in Sachen Krisenmanagement ist auch weiterhin mangelhaft.

* Was der NWL tut, ist nicht falsch. Entscheidend ist, was er nicht getan hat und weiterhin nicht tut und nicht kommuniziert.
* Der NWL beruft sich weiterhin auf Verträge mit den Verkehrsunternehmen und auf Strafzahlungen. Das hilft Fahrgästen überhaupt nichts. Im Gegenteil: Die Strafzahlungen treiben Unternehmen in eine finanzielle Krise und letztlich in den Konkurs. Die Verträge wurden im Wettbewerb ausgeschrieben, und im Grundsatz gilt: Den Wettbewerb gewinnt der, der sich am meisten zu seinen Ungunsten verkalkuliert.

Die Kommunikation des NWL ist sehr mangelhaft und zeigt ein Selbstverständnis, das nicht fahrgastorientiert ist.

* Der NWL macht geltend, dass eine öffentliche Auseinandersetzung über die Qualität des Schienenverkehrs nicht hilfreich sei. Dabei übersieht der NWL, dass die Qualität des Schienenverkehrs bereits so schlecht ist, dass der Unmut über „Die Bahn“ im Allgemeinen sehr hoch ist. Fahrgäste kehren der Bahn nicht den Rücken, weil PRO BAHN die Mängel öffentlich macht, sondern weil die Bürger am Bahnsteig die Mängel am eigenen Leib erleben.
* Der NWL hat sich von jeder institutionellen Mitwirkung von Interessenvertretern verabschiedet.
* Der NWL scheut davor zurück, die Interessen der Fahrgäste öffentlich wahrnehmbar gegenüber anderen Akteuren, insbesondere der DB InfraGo, wahrzunehmen. Andere Aufgabenträger des Schienenverkehrs tun die sehr wohl.
* Bei alledem ist anzuerkennen, dass der NWL in der langfristigen Planung hervorragendes leistet. Nur nützt das den Fahrgästen im Jahr 2024 nichts.

Der Personalmangel und die Konsequenzen werden immer noch kleingeredet.

* Lokführer, die die Deutsche Bahn im Kreis Lippe einsetzen wird, werden woanders fehlen.
* Neu ausgebildete Lokführer der Eurobahn werden erst im April 2025 zur Verfügung stehen. Das Berichten meist gut informierte Insider in öffentlich zugänglichen Foren.
* Die Anzahl der in Ausbildung befindlichen Personale wird nicht reichen, um den Personalmangel zu beenden. Auch das ist in den Foren zu lesen.
Quelle: Drehscheibe online

Personalprobleme werden noch lange ein Dauerproblem bleiben.

Nach Informationen aus Insider-Kreisen werden der Eurobahn erst im April 2025 mehr Lokführer zur Verfügung stehen. Ihre Anzahl wird so gering sein, dass nur etwa 6 Fahrzeuge damit zusätzlich bestückt werden können. Derzeit fehlt aber Personal für weitaus mehr Fahrzeuge.

Daher muss auf die derzeitige Lage umfassender reagiert werden. Die dafür notwendigen Maßnahmen werden mindestens zum Teil unpopulär sein. Die derzeitige Lage ist aber deutlich unpopulärer.

Foto: DB Regio verfügt über ausreichend Fahrzeuge, die aushelfen können (Foto aus Salzgitter-Lebenstedt) und Personal, das dafür ausgebildet ist. Doch beim Personal heißt das nicht, dass die DB einen Überfluss an Personal hätte.