Presseinformation vom 25.3. – ergänzt
Ab 28. März werden Fahrgäste aus Detmold von der Eurobahn wieder systematisch benachteiligt. Bauarbeiten sind dafür verantwortlich – und Detmold hat weder bei der Eurobahn noch beim zuständigen Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) einen Stellenwert. Der Fahrgastverband PRO BAHN ist entsetzt über die Behandlung der Bürger aus der Residenzstadt. Arbeitnehmer können ihren Arbeitsplatz in Bielefeld frühmorgens nicht mehr erreichen.
Fahrgäste viel zu spät informiert
Ab 27. März (abends) bis zum 11. Mai ist die Bahnstrecke von Lage bis Herford wegen Bauarbeiten gesperrt. Die Folgen für Fahrgäste von und nach Detmold am Morgen und am späten Abend sind übel,
Die Daten sind erst seit Mittwoch, 25. März, in der Fahrplanauskunft zu finden: Vorher waren die Fahrpläne auf der Website der Eurobahn und auf zuginfo.nrw zu sehen, im DB-Navigator waren Warnhinweise angebracht. Die gravierenden Auswirkungen waren aber nicht erkennbar.
Arbeitsplätze nicht mehr erreichbar
Bielefeld ist an Werktagen frühestens um 6.35 Uhr erreichbar und damit eine Stunde später als normal. Der Grund: Der Zug, der normal um 4.58 Detmold verlässt, wird durch einen Bus ersetzt, der entsprechend länger braucht. Erste Anrufe bei PRO BAHN bestätigen: Das ist für viele Arbeitnehmer aus dem Kreis Lippe existenzgefährdend: Sie können ihren Arbeitsplatz nicht mehr erreichen!
PRO BAHN meint: Der erste Zug muss so ersetzt werden, dass man rechtzeitig ankommt.
Der Zug um 5.58 Uhr ab Detmold fährt zwar bis Lage, hat aber keinen Anschluss nach Bielefeld, sodass Fahrgäste den Ersatzbus nach Herford nehmen müssen und auch rund eine Stunde später nach Bielefeld kommen als normal.
Hier wäre ein Extra-Bus mit Anschluss an die Regionalbahn von Lemgo hilfreich, die um 6.05 Uhr in Lage abfährt.
Der Express RE 82 (ab Detmold um 6.36 Uhr) und die RB 72 (Detmold ab um 7.01 Uhr) mit Anschluss nach Bielefeld fahren weiterhin.
Ein Fahrplan, der gar nicht funktionieren kann!
Der Express RE 82 (Detmold ab um 7.40 Uhr) nach Bielefeld, der besonders stark nachgefragt ist, soll erst um 8.11 Uhr abfahren. „Dieser Zug wird leer fahren, denn um 8.01 Uhr fährt schon ein Zug nach Lage mit Anschluss nach Bielefeld“, erklärt Rainer Engel, Vorsitzender des Fahrgastverbands PRO BAHN in Ostwestfalen-Lippe. „Wir haben den Fahrplan überprüft und sind auf eine groteske Fehlleistung gestoßen: Auf eingleisiger Strecke sollen gleichzeitig zwei Züge zwischen Lage und Detmold in entgegengesetzter Richtung fahren: ab Detmold um 8.11 Uhr nach Lage, um 8.13 Uhr von Lage nach Detmold. Um 8.19 Uhr – also zwei Minuten später – soll der Express auf dem gleichen Gleis nach Bielefeld fahren, die Regionalbahn überholen und fünf Minuten früher in Bielefeld ankommen. Wer diesen Fahrplan gemacht hat, hat offenbar nicht verstanden, dass keine zwei Züge zur gleichen Zeit auf dem gleichen Gleis fahren können. Das Chaos am Montag, wenn der Fahrplan in Kraft tritt, ist also vorprogrammiert.“
Der groteske Fahrplan gilt aber auch zwischen Horn-Bad Meinberg und Detmold: Der Regionalexpress könnte ganz normal um 7.40 Uhr nach Bielefeld fahren. Die Eurobahn schickt den Zug aber erst nach Horn, damit dort gewendet wird. Von Horn fährt der Zug um 7.46 Uhr ab, kommt aber nur bis Remmighausen. Dort muss erst die Regionalbahn von Paderborn vorbeigelassen werden, die in Horn um 7.51 Uhr abfährt, und dann die Regionalbahn nach Paderborn, Detmold ab 8.02 Uhr. Erst danach geht es weiter, Ankunft ist in Detmold um 8.10 Uhr.
Es ist nicht bekannt, ob DB InfraGo diesen Fahrplan so erstellt hat, oder ob die Eurobahn diesen Fahrplan so beantragt hat.

Abends zumutbare Wartezeiten in Lage
„De letzte gescheite Verbindung besteht von Bielefeld nach Detmold um 20.49 Uhr. Danach fährt zwar, wie immer, die Regionalbahn 73 nach Lage, hat aber keinen Anschluss nach Detmold. Normal kommt nach wenigen Minuten der Regionalzug von Herford, aber der wird durch einen Bus ersetzt. Erst nach geschlagenen 48 Minuten soll der Ersatzbus von Herford kommen. Diese Zeit müssen Fahrgäste, die sich nicht abholen lassen, in Dunkelheit, Kälte und Wind an der Bushaltestelle in Lage verbringen.“
PRO BAHN fordert: Ein zumutbarer Anschluss ist herstellbar. Das können auch örtliche Taxiunternehmen organisieren.
Keine Reaktion von NWL und Eurobahn
Empört ist der Fahrgastverband PRO BAHN über die fehlende Reaktion von NWL und Eurobahn: „Wir haben NWL und Eurobahn bereits am 19. März auf die Missstände aufmerksam gemacht. Vom NWL gibt es keinerlei Reaktion, von der Eurobahn nur eine freundliche Antwort ohne wirklich sachlichen Inhalt“, so Engel. Das ist der Stand am 26. März um 13 Uhr.
Stellwerk-Ausfall mit offenen Fragen
Seit dem 25. März fährt der Regionalexpress RE 82 nicht. Begründet wird dies mit dem Ausfall des Stellwerks in Oerlinghausen. Tatsächlich funktioniert das Stellwerk in Oerlinghausen aber immer zur halben Stunde, wenn in beiden Richtungen die Züge der Linie 73 von Bielefeld nach Lemgo und umgekehrt fahren. Es ist zu vermuten, dass das Problem tatsächlich im Stellwerk Lage auftritt. In den verganenen Wochen gab es gleichartige Störungen, damals wurde Lage als Störungsquelle angegeben.
Detmold ganz besonders benachteiligt
Die Stadt Detmold mit rund 75.000 Einwohnern wird ganz besonders benachteiligt, indem die Stadt mit Sitz eines Regierungspräsidenten und mit Ausbildungsstätten von drei Hochschulen vom Oberzentrum Bielefeld und dem ICE-Anschluss abgeschnitten wird. Zweckverband NWL und Eurobahn denken nur in Linien wie „Bielefeld – Lemgo“ und „Detmold – Herford“ und nehmen nicht zur Kenntnis, das die stärkste Verkehrsbeziehung die zwischen Detmold und Bielefeld ist.
Keine andere Stadt dieser Größe und Bedeutung in NRW wird so behandelt!