Erkenntnisse zur Streckensperrung Wunstorf – Minden

Die Streckensperrung Wunstorf – Minden vom 8. bis 20. August 2026 liefert wichtige Erkenntnisse für die Gestaltung eines Angebotskonzepts für die von der DB beabsichtigte Korridorsanierung Wunstorf – Minden im Jahr 2035.
Die wesentlichen Erkenntnisse:

  • Ohne Verstärkung der Kapazität auf der Weserbahn RB 77 wäre es zu massiven Problemen gekommen.

    Mangelhafte Reserven haben zu Problemen geführt.

  • Der Bus-Ersatzverkehr ist nur lokal von Bedeutung. Hierzu wurden Fehlentscheidungen getroffen.

  • Ein Fernverkehrskonzept mit durchgehenden Zügen bis / ab Hannover und Zwischenhalten ist unerlässlich. Andernfalls wird die Region Ostwestfalen-Lippe massiv benachteiligt.

Fahrplan und Fahrgastnachfrage 2026

Der größte Anteil der Fahrgäste zwischen Löhne und Hannover wird aufgrund der kürzeren Fahrzeiten auf die Verbindung RB 77 Herford – Hildesheim geleitet. Nur für einen geringen Teil der Fahrgäste werden die Busverbindungen zwischen Minden und Wunstorf in der Fahrplanauskunft angezeigt.
Dem haben DB als Betreiber der Linie und die Aufgabenträger NWL und LNVG Rechnung getragen: Die erforderliche Kapazität wurde zutreffend eingeschätzt.
Auf der RB 77 wurden eingesetzt
* zwei Kurse Lint 41 in Doppeltraktion,
* ein Dieselzug BR 218 mit Doppelstockwagen und Doppelstock-Steuerwagen,
* ein Dieselzug BR 218 mit n-Wagen (Silberlinge).
Die Verstärkung der Kapazität war für die Gesamtstrecke erforderlich, da die Fahrplanauskunft in vielen Fällen die Fahrt bis Elze oder Hildesheim empfahl.
Diese waren in der Lage, die erhöhte Fahrgastnachfrage zu bewältigen, wenn auch zeitweise mit deutlich hoher Auslastung der Stehplätze, klar herabgesetzter Qualität und fehlender Barrierefreiheit.
Auf der RB 78 Bielefeld – Nienburg wurden keine Überbesetzungen festgestellt.

Zuverlässigkeit Regionalverkehr: Mangelhaft

Mängel im Betriebskonzept: Bei Verspätungen wurden vielfach Züge in Löhne gewendet. Benachteiligt wurden dadurch vor allem Fahrgäste aus Herford und Bielefeld, die eine Stunde Verzögerung hinnehmen und in der nächsten Stunde einen überfüllten Zug nutzen mussten. Die Durchführung des Betriebes ohne Reservegarnitur und mit Wendezeiten von nur 13 Minuten in Herford und 17 Minuten in Hildesheim ist nicht akzeptabel, weil die auflaufenden Fahrgäste im Folgetakt nicht befördert werden können!

Daneben kam es aufgrund von Vandalismus, aber auch aufgrund von Störungen von Stellwerken sowie Schäden an Fahrzeugen zu Zugausfällen. Dies führte zwangsläufig zur Überlastung der jeweils nächsten Fahrt. Hierfür muss in dieser Sondersitaiton Vorsorge getroffen werden.

Schienenersatzverkehr: Fragwürdiges Vorgehen

Der Schienenersatzverkehr zwischen Minden und Wunstorf bzw. Hannover Hauptbahnhof bestand aus zwei Linien;
Minden – Wunstorf mit Halt an allen Stationen, eingerichtet von der S-Bahn Hannover und
Minden – Hanno er Hbf ohne Zwischenhalt, eingerichtet von der Westfalenbahn.
Der Ersatzverkehr der S-Bahn Hannover war eindeutig so eingerichtet, dass er für Durchreisende uninteressant war.
Die Abfahrt und Ankunft war in Minden exakt auf Minute 30 gelegt, sodass Fahrgäste des Regionalexpress 6 (RRX) Köln – Minden diese Verbindung nicht angezeigt bekamen und auf die _RB 77 über Hameln geleitet wurden. Eine weitere Ersatzverbindung der S-Bahn Hannover von Minden direkt nach Hannover mit Halt in Bückeburg und Stadthagen stand ursprünglich im Fahrplan, wurde aber entfernt, nachdem die Westfalenbahn ihren Ersatzbus publiziert hatte. Man kann diese Vorgehensweise kritisieren, sie war aber letztlich sinnvoll, da die Verbindung über Hameln für weiträumige Reiseende die bessere Alternative war. Zu kritisieren ist über, dass Stadthagen und Bückeburg so nur noch eine stündliche Verbindung hatte. Für die örtlichen Bedürfnisse wäre es sinnvoller gewesen, die Linie der Westfalenbahn auch in Stadthagen und Bückeburg halten zu lassen.

Konsequenzen für eine Korridorsanierung:
Einsatz ausschließlich von barrierefreien Batterietriebwagen
Vorhaltung einer Ersatzgarnitur in Hildesheim für überschlagender Wende
Führung der Linie bis / ab Bielefeld

Bis zum Jahr 2035 ist der Einsatz von Batterie-elektrischen Fahrzeugen auf der RB 77 zu erwarten. Statt der planmäßig Eingesetzen 4 Stück würden 12 Stück erforderlich, die von anderen Linien abzuziehen wären. Dieser Bedarf wäre langfristig zu planen.

Fernverkehr: Überproportionale Benachteiligung der Region

Umgeleitet wurde die ICE-Linie Köln/Düsseldorf – Berlin mit einer Fahrzeitverlängerung von 60 Minuten und ohne Halt in Bielefeld.
Umgeleitet wurde die ICE-Linie Amsterdam – Berlin mit einer Fahrzeitverlängerung von 75 Minuten und ohne Halt in Osnabrück und Bünde. Diese Linie wurde teilweise nicht bis / ab Berlin gefahren.
Alle anderen Fernverkehrszüge wurden gestrichen.
Fernverkehrszüge von Wettbewerbern wurden teils gestrichen, teils ohne Fahrplanänderung und mit Verspätung umgeleitet.
Damit waren Bielefeld, Bünde, Minden, Bad Oeynhausen und Herford ohne Fernverkehr.

Durch die Streichung der Fernverkehrshalte wurde die Region Ostwestfalen-Lippe massiv benachteiligt: Fahrzeitverlängerungen ab/bis Bielefeld betrugen weit mehr als eine Stunde.

Foto oben:
Während die RB 77 – einen Ersatzzug mit Diesellok – aus Hildesheim verspätetet in Löhne eintrifft, warten schon viele Fahrgäste am Bahnsteig auf genau diesen Zug, um in die Gegenrichtung fahren zu können.