Bis 2. Dezember weiter Ersatzverkehr

Presseinformation vom 18. November 2025

Fahrplanauskünfte regelmäßig falsch

Deutsche Bahn mit Bauarbeiten offenbar überfordert.

Die Eurobahn muss den Ersatzverkehr von Detmold und Lemgo Richtung Bielefeld und Herford mindestens bis zum 1. Dezember weiterführen. Darauf weist der Fahrgastverband PRO BAHN in. Nur auf der Internetseite zuginfo.nrw gibt es zuverlässige Informationen, alle anderen Fahrplan -Medien haben in den letzten Tagen falsche Auskünfte gegeben. Eigentlich hätten die Züge schon am vergangenen Samstag (15. November) wieder rollen sollen.

„Wer sich im Kreis Lippe auf die Bahn verlässt, ist aktuell leider sehr verlassen“, beschreibt Rainer Engel vom Fahrgastverband PRO BAHN die aktuelle Situation. „Die Eurobahn ist selbst das Opfer und kann die Fahrgäste bedauerlicherweise nicht besser informieren. Informationen über den Zustand und die Befahrbarkeit des Streckennetzes kommen von der dafür zuständigen Deutschen Bahn zu spät, und die Auskunftssysteme arbeiten zu langsam. Daher konnte die Eurobahn bisher ausschließlich über die Internetseite zuginfo.nrw informieren.“

Über den Grund der Verlängerung der Bauarbeiten gibt es derzeit keinerlei Information. „Nicht einmal das eigene Informationsportal ‚Streckeninfo‘ der DB weiß heute, dass der Bahnhof Lage nicht befahrbar ist“, berichtet Engel. „Anscheinend ist die für das Schienennetz zuständige DB InfraGO derart personell ausgeblutet, dass die Informationssysteme zusammenbrechen. Wenn wir überhaupt irgendetwas erfahren, dann aus Diskussionsforen, in denen Insider weitergeben, was sie wissen oder beobachten. Aus solchen Quellen erfahren wir auch, dass in den vergangenen Wochen Schwellen und Gleise im Bereich Lemgo ausgewechselt wurden, die dort schon seit einem Jahrhundertdienst getan haben, und es wurden Sicherungen von Bahnübergängen ausgetauscht, die ein halbes Jahrhundert auf dem Buckel haben. Solche Insider mutmaßen schon, dass auch am 2. Dezember die Züge noch nicht fahren werden. Dass Bauarbeiten, wie die im Kreis Lippe kurzfristig von vier auf sechs Wochen verlängert werden, ist ein bundesweiter Einzelfall. „

Dass Fahrgäste diese Informationen erst auf dem Bahnsteig oder an der Haltestelle bekommen, liegt am unzulänglichen System der europäischen Fahrplanauskunft, von der die Fahrplaninformationen abhängen, die die Reisenden erhalten. „Auch auf der Seite der Eurobahn gibt es falsche Fahrplanauskünfte, daran kann die Eurobahn selbst aber gar nichts ändern. Das Europäische Fahrplanzentrum ändert die Fahrpläne nur mittwochs und freitags, wenn die Daten mit einigem Vorlauf eingegeben wurden. Die Eurobahn und ihre Fahrgäste sind schon mehrfach Opfer dieser langsamen Arbeitsweise geworden. Aktuellere Fahrplaninformationen können zwar kurzfristig eingegeben werden, aber das erfordert einen enormen personellen Mehraufwand. Angesichts der Unzahl an Baustellen im gesamten Betriebsbereich der Eurobahn gibt es auch hier Verzögerungen.“

Auch Mängel im Ersatzverkehr ergeben sich aus den viel zu späten Informationen der DB InfraGO. „Die Eurobahn muss sehr kurzfristig Busse und Fahrer beschaffen. Fahrzeuge und Personal stehen aber nicht auf Abruf bereit. Wir sind schon froh, dass die Eurobahn es schafft, ganz kurzfristig Ersatzverkehr zu organisieren. Da helfen viele aus, die eigentlich verdiente Freizeit oder Urlaub hätten. Dass das nicht ohne Ausfälle abgeht, kann, ist leicht nachzuvollziehen.“

„Wir können nur hoffen, dass die jetzigen Bauarbeiten so gründlich durchgeführt werden, dass irgendwann im nächsten Jahr ein Zustand erreicht wird, der dann wieder lange hält. Aber wir wissen auch, dass bei der DB das Personal knapp und überlastet ist, das die Bauarbeiten prüft und für einen sicheren Betrieb wieder freigibt.“

 

Ostwestfalen-Lippe: Streckensperrungen 2026

Überblick:


Bis Herbst 2026 Sperrungen Kreis Lippe
Neu: Von Mai bis Juni Sperrungen Hamm – Kassel und rund um Altenbeken
Bis Ende 2026 Sperrungen Hamm – Rhein/Ruhr – Mittelrhein und Sieg

Die meisten Fahrpläne sind noch nicht angepasst. Fahrplanänderungen sind erst wenige Tage vor Baubeginn zu erwarten.
Fahrpläne werden oft geändert, ohne dass darüber informiert wird.

Stand 14. Mai 2026. Alle Angaben ohne Gewähr.
Auf 2 Monate im Voraus können Sperrungen auf https://strecken-info.de/ ermittelt werden. Diese Angaben sind aber nicht vollständig und nicht immer zuverlässig.

Nächtliche Sperrungen auf allen Strecken

Auf allen Strecken sind ab etwa 21 Uhr kurzfristig Streckensperrungen nicht ausgeschlossen. Bus-Ersatzfahrpläne werden nicht frühzeitig veröffentlicht, sondern erst wenige Tage vorher in die Auskünfte eingepflegt. Verantwortlich für die späte Information ist in der Regel DB InfraGo.

Details

Kreis Lippe

Laut Angaben einer Vorlage des NWL:
25.07. bis 03.08.2026 Sperrung Herford – Detmold und Oerlinghausen – Lemgo für Inbetriebnahme Stellwerk Lage.

Kreis Lippe / Kreis Paderborn / Kreis Höxter

03.06.2026 – 19.06.2026 Leopoldstal – Altenbeken
Altenbeken – Steinheim
Altenbeken – Höxter-Ottbergen

Neu: Hamm – Paderborn – Altenbeken – Kassel

Totalsperrungen – Während dieser Zeit fallen Fernverkehrszüge aus oder verkehren nur zwischen Gotha und Gera.
16. bis 25.06. Hamm – Lippstadt
29.05. – 02.06. Paderborn – Altenbeken
03.06. – 08.06. und 12. – 24.06. Hamm – Soest.

Laut Vorankündigung in Fahrplänen:
Teilsperrung, vielleicht auch Vollsperrung:

22.5. bis 19.6. Paderborn – Altenbeken.
Näheres ist derzeit nicht zu ermitteln.

Ostwestfalen-Lippe

24.07.- 10.08.2026 Bünde – Rahden
15.10.- 23.10. 2026 Wellendorf – Osnabrück (Haller Willem)
26.09. – 27.10.2026 Löhne – Vlotho (- Hameln)
30.10.- 03.11.2026 Bünde – Herford / Löhne
30.10.- 13.11.2026 Altenbeken – Höxter-Ottbergen
11.10. –  26.10.2026 Kreiensen – Holzminden.

Quelle: Vorlage des NWL
Hinweis: Der Schienenersatzverkehr betrifft in der Regel längere Strecken als die Sperrung selbst!
Weitere Quellen sind Presseberichte.

Sperrungen auf Zulaufstrecken

14.05.2026 – 24.05.2026 Holzminden – Kreiensen

09.10. – 30.10. Essen – Duisburg – Düsseldorf
06.02. – 10.07.2026 Hagen – Wuppertal – Köln
Hagen bleibt mit S-Bahn und RE 4 über Dortmund erreichbar.
S-Bahn und RE 4 Dortmund – Wuppertal stehen zeitweise zur Verfügung.
26.09. – 17.10.2026 Soest – Unna
Ganzes Jahr in wechselnden Abschnitten und Zeiträumen Hagen – Siegen.
Ganzes Jahr in verschiedenen Abschnitte und Zeiträumen Köln – Bonn – Koblenz – Mainz.

Streckensperrungen 2026 im Rheinland

Eine Übersicht finden Sie hier.

Streckensperrungen 2027 im Ruhrgebiet

Vorlage des NWL:
Informationen des VRR.

Herford – Minden: Wieder extrem späte Baustellen-Information

Von Freitagabend, 28. Februar 2025 bis 24. März gelten abweichende Fahrpläne zwischen Bielefeld und Minden. Informiert wurde hierüber erst mit einer Pressemitteilung vom Vortag (27. Februar). Erneut werden Bahnpendler in Ostwestfrauen vor den Kopf gestoßen. Der Fahrgastverband PRO BAHN ist entrüstet über die viel zu späte Information.

Vom 28. Februar, 21 Uhr bis zum 24. März fallen Züge von Bielefeld bis Minden aus ganz aus oder es wird in Bad Oeynhausen und Porta nicht gehalten. Es gelten vier Bauphasen mit unterschielidhen Abweichungen:
Vom 28. Februar bis 6. März, 5:00 Uhr fallen aus:
RB 78 Bielefeld – Minden vollständig
RRX 6 Löhne – Minden vollständig
RE 60/70 Halt in Porta in beiden Richtungen
RE 60/70 Halt Bad Oeynhausen in Richtung Bielefeld / Osnabrück
RE 60/70 Halt Löhne in Richtung Bielefeld / Osnabrück
Anschluss RE 70/62 Hannover – Osnabrück wegen Hautausfall Löhne des RE 70.

Vom 6. März 2025 (5:00) bis 11.03.2025 (21:00) fällt aus
RB 78 Bielefeld – Minden

Vom 11. März 2025 (21:00) bis Fr, 14.03.2025 (7:00) fällt aus
RB 78 Bielefeld – Minden– jeweils nachts zwischen 21 Uhr und 7 Uhr
ebenfalls einige Fahrten RE 6, 60, 70

Vom 14. bis 17. März und 21. bis 24. März, jeweils zwischen 21:00 und 7:00 fallen aus
einzelne Züge RE 60, 70, 78 Minden – Kirchlengern / Bielefeld

Der Fernverkehr ist von den Zugausfällen nicht betroffen. Diese Züge können über die sogenannten „Gütergleise“ an der Baustelle vorbeifahren.

Informiert wurde hierüber in einer Pressemitteilung der Westfalenbahn vom 27. Februar 2025. die die Ausfälle der Eurobahn nicht nennt.

„Bauarbeiten sind unvermeidlich, und die Deutsche Bahn als Eigentümer der Schienen versucht, die Beeinträchtigungen so gering wie möglich zu halten“, kommentiert Rainer Engel für den Fahrgastverband PRO BAHN die Situation. „Aber die Information darüber findet oft erst statt, wenn Fahrgäste auf dem Bahnsteig stehen. Es ist nicht hinnehmbar, dass die Fahrpläne zwei oder drei Tage vor der Abfahrt geändert werden und die Pressemitteilung der Bahnunternehmen erst 24 Stunden vor Baubeginn geschrieben wird. Verantwortlich für die späte Information ist die Deutsche Bahn“, stellt Rainer Engel fest. „Wir bedauern sehr, dass Westfalenbahn und Eurobahn das nicht mitteilen. Die viel zu späte Information ist kein Einzelfall, sondern ein bundesweiter Flächenbrand, der durch die neue Bundesregierung abgestellt werden muss. Schon mehrfach wurden Fahrgäste gerader und um Herford wenige Tage vorher vor vollendete Tatsachen gestellt, und das wird angesichts weiterer Baustellen, von denen wir wissen, auch wieder passieren. Vom 7. bis 13. Juni wird in und durch Herford kein einziger Zug fahren, das sollten sich die Bürger jetzt schon in den Kalender eintragen, weil es in den Fahrplänen noch nicht steht.“

 

Eurobahn-Chaos durch Personalmangel Kreis Lippe: Wie geht es weiter?

Die Personalsituation bei der Eurobahn scheint sich konsolidieren. Seit Anfang März 2025 sind Personalausfälle die Ausnahme. Ausfälle und Verspätungen durch Probleme an der Infrastruktur, aber auch an Fahrzeugen, nehmen zu.

Die bisherige Liste der Personalausfälle wird daher einstweilen nicht weitergeführt.

Zwischenzeitlich hat die Übernahme der Eurobahn durch den Zweckverband NWL stattgefunden. Die Auswirkungen werden erst in geraumer Zeit bekannt sein.

>> Zum Archiv Zugausfälle und Störungen Juli 2024 bis März 2025

 

Kommentar zur 2. Herforder Erklärung

Die zweite Herorder Erklärung fordert unter anderem einen Planungsstopp für die Neubaustrecke Bielefeld – Hannover.
Unwissen, Ignoranz, Verschleierung, Selbstgerechtigkeit und Narrative prägen diese Erklärung. Maximalforderungen werden aufgestellt, die darauf hinauslaufen, dass in Ostwestfalen-Lippe NICHTS neu gebaut werden darf. Für eine internationale Bahnverbindung ist das keine Basis für das Handeln der Bundesregierung. Solche Forderungen erhält die Bundesregierung von allen, die den Bau von Bahninfrastruktur verhindern wollen, überall, wo neu gebaut werden soll.
Den ausführlichen Kommentar finden Sie hier.

Neubaustrecke und Bad Salzuflen

Bad Salzuflen vor schwieriger Entscheidung: Mit Bedenken ins Abseits oder mit Mut und Vorsicht in die Zukunft?
Schneller nach Bielefeld oder Bahn-Anschluss bedeutungslos werden lassen?

Für die Stadt Bad Salzuflen steht mit der derzeitigen Planung einer Schnellfahrstrecke zwischen Bielefeld und Hannover eine sehr schwierige Entscheidung an. Eine der von der Deutschen Bahn vorgelegte Trasse ermöglicht, die Kurstadt in nur 10 Minuten mit dem Bielefelder Hauptbahnhof zu verbinden. Diese Trasse liegt sehr nah an der Autobahn A 2 und auf gleicher Höhe wie die Autobahn und kann daher den Lärmschutz verbessern. „Das ist unser eindeutiger Favorit“, erklärt Engel. „Die ersten fachlichen Ermittlungen zum anschließenden Tunnel durch den Obernberg lassen erkennen, dass diese Trasse ohne ernsthafte Gefährdung von Trinkwasser und Mineralquellen gebaut werden kann, denn die Trinkwasserquellen liegen weit darüber, die Mineralquellen weit darunter. Bei der Bahn ist das Problem präsent, deswegen wurde bereits ein qualifizierter Fachgutachtern berufen, wie wir erfahren haben. Mit genügend Vorsicht beim Bauverfahren können Schäden ausgeschlossen werden.“

Außer Bad Salzuflen würde der gesamte Kreis Lippe profitieren. „Der Rhein-Ruhr-Express könnte so nicht nur die Kurstadt, sondern auch Lage und Detmold mit Düsseldorf und Köln verbinden. Ohne Neubaustrecke wird diese Chance nicht bestehen“, so Engel. „Heute ist der Kreis Lippe die einzige bedeutende Region in Nordrhein-Westfalen, die in der landesweiten Planung des Express-Netzes gar nicht vorkommt. Das kann das Neubauprojekt ändern, und das ist ein großer Standortfaktor, gerade auch für eine Kurstadt. Das ist keine Fantasie, solche Aussagen klären wir mit Fachleuten ab, bevor wir damit in die Presse gehen.“

Alle anderen Trassen werden den Bahnverkehr für Bad Salzuflen bedeutungslos werden lassen, hat die Analyse ergeben,  „Eine vorgeschlagene Neubautrasse kann durch Herford führen und ist mit dem totalen Umbau des Bahnhofs verbunden, weil ICE-Züge mit 300 km/h durch den Bahnhof fahren sollen. Wenn dies realisiert wird, wird es nie mehr möglich sein, dass Züge über Herford hinaus fahren“, hat Engel festgestellt. „Eine weitere Trasse könnte die Werre auf einer 500 Meter langen Talbrücke überqueren, das finden wir überhaupt nicht schön und bringt der Stadt auch keine Vorteile. Die Vorstellung schließlich, dass zwischen Bielefeld und Herford gar nichts gebaut wird, wird dazu führen, dass die internationalen Züge dem heute leidlich funktionierenden Regionalverkehr den Platz wegnehmen und in Herford lange Umsteigezeiten entstehen. Der Stadtbus hat dafür schon die richtige Entscheidung getroffen, indem das Stadtbus-Netz an die Bielefelder Stadtbahn in Milse angeschlossen wurde.“

„Wir beneiden die Stadtpolitik vor dieser schweren Entscheidung nicht“, erklärt Engel. „Für Bad Salzuflen steht zur Wahl, ob die Stadt sich mit Bedenken ins Abseits katapultiert oder mit Mut und Vorsicht die einmalige Chance nutzt, die das Projekt bietet.“

Soweit vorgeschlagen wird, dass auf eine Neubaustrecke im Raum Herford / Bad Salzuflen ganz verzichtet werden könne, muss darauf hingewiesen werden, dass die Verkehrsprognose 2040 nahe legt, dass die Bundesregierung dafür keine Chance sehen wird. Mehr zur Verkehrsprognose 2040 und dem VCD-Vorschlag hier.

Generalsanierung Minden – Wunstorf: PRO BAHN fordert mehr als Busersatz

Generalsanierung Bahnlinie Minden – Wunstorf:
Ostwestfalen darf nicht abgehängt werden

Fahrgastverband fordert intelligente Lösungen für Ersatzverkehr auch auf der Schiene

Anlässlich der von der DB schon für 07.07.2028 – 08.12.2028 angekündigten Generalsanierung der Bahnstrecke zwischen Ostwestfalen und Hannover fordert der Fahrgastverband intelligente Lösungen: Bielefeld darf vom ICE-Verkehr nicht abgehängt werden. Für Fahrgäste aus der Region müssen Züge über Ersatzstrecken fahren. Busverkehr nach Hannover ist angesichts täglicher Staus auf den Autobahnen nicht akzeptabel.

Die Deutsche Bahn hat angekündigt, dass die ursprünglich für 2030 vorgesehene Totalsperrung der Bahnlinie nach Hannover schon im zweiten Halbjahr 2028 () stattfinden soll. „Mit Busverkehr als Ersatz können wir uns bei einer Sperrung für ein halbes Jahr nicht zufriedengeben“, erklärt Rainer Engel, Vorsitzender des Fahrgastverbands PRO BAHN in Ostwestfalen-Lippe. „Angesichts der bisherigen Arbeitsmethoden der DB müssen wir aber befürchten, dass nur Busse als Ersatz fahren und Bielefeld vom ICE-Verkehr abgehängt wird. „Bessere Angebote sind möglich, sind aber von der DB an anderer Stelle in Deutschland noch nicht ausprobiert worden.“
Die Generalsanierung bedeutet, dass zwischen Minden und Wunstorf kein Zug auf dem direkten Weg nach Hannover fahren kann. „Anders als bei der jetzt laufenden Sanierung der Riedbahn südlich von Frankfurt gibt es keine leistungsfähigen Umleitungen“, erklärt Engel. „Bei jeder Streckensperrung zwischen Hamm und Hannover werden ICE-Züge weiträumig umgeleitet, und Bielefeld ist vom Fernverkehr völlig abgehängt. Auch Fahrgäste aus Gütersloh, Herford und Minden schauen auf leere Abfahrtstafeln. Fahrgäste müssen sich in überfüllte Regionalbahnen und Busse zwängen, die gar nicht für Fernreisen bestimmt sind. Das ist uns gerade in den letzten Wochen bei Sperrungen in Gütersloh und Herford wieder besonders aufgefallen.“
Der Fahrgastverband hat sich bereits genau angesehen, was technisch und entsprechend dem Fahrplan möglich ist. „Jede Stunde kann ein ICE über eine Umleitung nach Nienburg und von dort nach Berlin fahren. Das dauert zwar eine Stunde länger als gegenwärtig, ist aber akzeptabel. Dass Fahrgäste nach Berlin mit Bussen fahren müssen und dabei auf der ständig verstopften Autobahn hängen bleiben, ist hingegen nicht hinnehmbar.“
„Auch für Fahrgäste muss gesorgt werden, die sich keine Fernzug-Fahrkarten leisten können und mit dem Deutschlandticket unterwegs sind. Diese Fahrgäste suchen sich Wege über andere Strecken, und das führt regelmäßig zu chaotischen Zuständen, weil die Züge auf den Umleitungsstrecken viel zu kurz sind“, beobachtet Engel. „Bei Sperrungen nehmen Fahrgäste lieber Umwege in Kauf, um mit Zügen zu fahren, und meiden die Ersatzbusse. Das haben wir aktuell auch zwischen Frankfurt und Mannheim beobachtet, wo Ersatzbusse ziemlich leer fahren, die bei der Riedbahn-Sperrung S-Bahnen und Regionalbahnen ersetzen. Zwischen Herford und Hannover wird das auch geschehen: Fahrgäste werden sich in die viel zu kurzen Züge der Regionalbahn nach Hameln quetschen und den lokalen Pendlern der S-Bahn nach Hannover die Plätze streitig machen. Ich erinnere mich noch genau an eine solche Sperrung vor mehreren Jahren, bei der die Weserbahn hoffnungslos überfüllt war, während die Ersatzbusse auf dem normalen Weg reichlich Platz boten. Es genügt daher nicht, wenn die Bahn an Mindener Bahnhof Busse hinstellt. Die Logik der Fahrplanauskunft leitet Fahrgäste bei Umleitungen unweigerlich in Züge mit zu wenig Platz.“
Beim Fahrgastverband PRO BAHN unterschätzt man nicht den Aufwand, der für kluge Lösungen notwendig ist. „Einen ICE kann man nicht mit einer Diesellok über eine Strecke ohne Oberleitung schleppen“, weiß Engel. „Aber es muss möglich sein, geeignete Fahrzeuge aus anderen Teilen des Bundesgebiets zu beschaffen, damit Fahrgäste über die Weserbahn nach Hannover fahren können. Bisher hat die DB aber nur Ersatzbusse gekauft.“

Zur Pressemitteilung der DB

Auch PRO BAHN Niedersachsen warnt

Zur Pressemitteilung des PRO BAHN Landesverbandes

Hintergründe

Sperrung Riedbahn
Die schnellste Verbindung Frankfurt – Mannheim ist gegenwärtig gesperrt. Fahrgäste, die nicht zu einer der Stationen an der Strecke wollen, können auf den Umleitungsstrecken über Darmstadt und Worms daran vorbeifahren. Das dauert eine halbe Stunde länger. Die Züge dieser Linien sind sehr leistungsfähig und fahren elektrisch.
Ungenügende Umleitungen
Die Umleitungsstrecke Minden – Nienburg ist zwar elektrifiziert, sodass ICE dort fahren können. Die Strecke ist aber eingleisig, mit wenigen Ausweichen. Mit einem ICE je Stunde und Richtung bleibt nur Platz für einige Güterzüge. Die Westfalenbahn kann dort nicht umgeleitet werden.
Die zweite Umleitung führt über Vlotho nach Hameln. Diese Strecke ist eingleisig und hat eine geringe Kapazität. Da keine Oberleitung vorhanden ist, können ICE nicht fahren. Die kleinen Dieseltriebwagen sind auf den recht schwachen Regionalverkehr ausgelegt.
Problem ist kein Einzelfall:
Die Streckensperrung Minden – Wunstorf ist hinsichtlich der beschriebenen Folgen kein Einzelfall. Auch zwischen Frankfurt und Saarbrücken wird die ICE-Strecke gesperrt, die schnellste Verbindung führt dann über Bad Kreuznach. Dort fahren kleine Triebwagen wie auf der Weserbahn.
Fahrplanauskunft

Die Fahrplanauskunft zeigt in der Grundeinstellung immer die schnellste Verbindung. Wenn die Fahrt von Bielefeld oder Herford mit der Weserbahn über Hameln schneller ist als der Ersatzbus ab Minden, wird diese angezeigt und nicht der Ersatzverkehr.

RE-82-Aushilfe durch Deutsche Bahn geht weiter

Eine Erleichterung für Fahrgäste, aber keine Problemlösung!

Vom 26. August 2024 bis 31. Juli 2025 wird DB Regio Ersatzfahrten für den Regionalexpress 82 „Der Leineweber“ anbieten. Der Fahrgastverband PRO Bahn begrüßt dies und respektiert den organisatorischen Einsatz, der dies möglich gemacht hat. Aber es darf nicht vergessen werden, dass erst der massive Protest aus dem Kreis Lippe dieses Engagement in Gang gesetzt hat. Das Vertrauen in die Zuverlässigkeit des Bahnverkehrs ist im Kreis Lippe nachhaltig verspielt. Es wird Jahre dauern, bis Vertrauen wieder aufgebaut ist. Das Krisenmanagement des NWL ist und bleibt sehr mangelhaft, sichtbar aktuellen Zugausfällen.
Der NWL hat sich vorbehalten, diese Aushilfe bis Fahrplanwechsel am 13. Dezember 2025 zu verlängern.

Fahrplan suboptimal, aber notwendig

Der Fahrplan sieht vor, dass die RE 82-Ersatzfahrten eine längere Fahrzeit haben als der Stammfahrplan. Ursache ist, dass in Bielefeld nur Gleis 1 zur Verfügung steht. Die Eurobahn konnte das gleiche Fahrzeug, das von Lemgo kam, nach wenigen Minuten nach Detmold – Altenbeken zurückfahren. Beim RE 82-Ersatzverkehr müssen die Fahrzeug getauscht werden. Daher ist es notwendig, dass das DB-Fahrzeug später ankommt und früher abfährt, um in Bielefeld Ost die Züge der Eurobahn passieren zu lassen.

Fernverkehrs-Anschlüsse: nicht ganz optimal

Anschluss auf diese Linie besteht weitgehend sicher Anschluss an einen ICE von und nach Berlin sowie den Anschluss an den Intercity nach Köln, teilweise weiter nach Koblenz nach Stuttgart.
Der Anschluss an den ICE nach von / nach und von Düsseldorf wird nicht erreicht.

Verschiebung des Personalproblems woanders hin

Der Einsatz von Lokführern und Fahrzeugen der DB reißt an anderer Stelle Lücken auf. Offiziell wird das nicht bestätigt, aber Einträge in Foren lassen erkennen, dass Lokführer nun an anderer Stelle fehlen. So wird in einschlägigen Foren berichtet, dass Lokführer der DB bisher bei anderen Unternehmen als „Leiharbeiter“ gefahren sind. Solche Verschiebungen werden auch aus anderen Teilen von NRW berichtet.

Fahrzeug

Eingesetzt wird ein Triebwagen der Baureihe 644. Dieses wird elektrisch angetrieben. Der Strom wird in Dieselgeneratoren erzeugt.

Weitere Perspektive

Nach Mutmaßungen von Insidern ist eine Verlängerung des Einsatzes über den Fahrplanwechsel im Dezember 2024 nicht möglich. Die DB leidet durchaus auch unter Personalmangel, sodass das auf dem RE 82 Lücken in anderen Regionen aufreißen dürfte und nach dem Fahrplanwechsel wieder in andere Regionen abgezogen wird, in denen DB Regio neue Verträge übernimmt.

Die eigentlichen Mängel liegen in der Arbeit des Zweckverbands Nahverkehr Westfalen-Lippe.

Das zeigt sich an den Versäumnissen in der Vergangenheit:
* Monatelange Zugausfälle, wie wir sie hier dokumentieren mussten, haben viel zu spät zu einer Reaktion mit Notfahrplänen geführt.
* Die Einführung der Notfahrpläne am 8. April 2024 erfolgte ohne jede Kompensation durch ergänzenden Busverkehr. Lediglich zwischen Nienburg und Minden wurden Busse eingesetzt, weil alle Züge gestrichen wurden. Im Kreis Lippe musste erst ein regelrecht politischer Aufstand notwendig werden, damit nachgebessert wurde.
* Nicht einmal die Mitglieder der Zweckverbandsversammlung des NWL beaufsichtigen soll, wurden informiert und erfuhren erst aus der Presse von den Veränderungen.

Die Arbeit des NWL in Sachen Krisenmanagement ist auch weiterhin mangelhaft.

* Was der NWL tut, ist nicht falsch. Entscheidend ist, was er nicht getan hat und weiterhin nicht tut und nicht kommuniziert.
* Der NWL beruft sich weiterhin auf Verträge mit den Verkehrsunternehmen und auf Strafzahlungen. Das hilft Fahrgästen überhaupt nichts. Im Gegenteil: Die Strafzahlungen treiben Unternehmen in eine finanzielle Krise und letztlich in den Konkurs. Die Verträge wurden im Wettbewerb ausgeschrieben, und im Grundsatz gilt: Den Wettbewerb gewinnt der, der sich am meisten zu seinen Ungunsten verkalkuliert.

Die Kommunikation des NWL ist sehr mangelhaft und zeigt ein Selbstverständnis, das nicht fahrgastorientiert ist.

* Der NWL macht geltend, dass eine öffentliche Auseinandersetzung über die Qualität des Schienenverkehrs nicht hilfreich sei. Dabei übersieht der NWL, dass die Qualität des Schienenverkehrs bereits so schlecht ist, dass der Unmut über „Die Bahn“ im Allgemeinen sehr hoch ist. Fahrgäste kehren der Bahn nicht den Rücken, weil PRO BAHN die Mängel öffentlich macht, sondern weil die Bürger am Bahnsteig die Mängel am eigenen Leib erleben.
* Der NWL hat sich von jeder institutionellen Mitwirkung von Interessenvertretern verabschiedet.
* Der NWL scheut davor zurück, die Interessen der Fahrgäste öffentlich wahrnehmbar gegenüber anderen Akteuren, insbesondere der DB InfraGo, wahrzunehmen. Andere Aufgabenträger des Schienenverkehrs tun die sehr wohl.
* Bei alledem ist anzuerkennen, dass der NWL in der langfristigen Planung hervorragendes leistet. Nur nützt das den Fahrgästen im Jahr 2024 nichts.

Der Personalmangel und die Konsequenzen werden immer noch kleingeredet.

* Lokführer, die die Deutsche Bahn im Kreis Lippe einsetzen wird, werden woanders fehlen.
* Neu ausgebildete Lokführer der Eurobahn werden erst im April 2025 zur Verfügung stehen. Das Berichten meist gut informierte Insider in öffentlich zugänglichen Foren.
* Die Anzahl der in Ausbildung befindlichen Personale wird nicht reichen, um den Personalmangel zu beenden. Auch das ist in den Foren zu lesen.
Quelle: Drehscheibe online

Personalprobleme werden noch lange ein Dauerproblem bleiben.

Nach Informationen aus Insider-Kreisen werden der Eurobahn erst im April 2025 mehr Lokführer zur Verfügung stehen. Ihre Anzahl wird so gering sein, dass nur etwa 6 Fahrzeuge damit zusätzlich bestückt werden können. Derzeit fehlt aber Personal für weitaus mehr Fahrzeuge.

Daher muss auf die derzeitige Lage umfassender reagiert werden. Die dafür notwendigen Maßnahmen werden mindestens zum Teil unpopulär sein. Die derzeitige Lage ist aber deutlich unpopulärer.

Foto: DB Regio verfügt über ausreichend Fahrzeuge, die aushelfen können (Foto aus Salzgitter-Lebenstedt) und Personal, das dafür ausgebildet ist. Doch beim Personal heißt das nicht, dass die DB einen Überfluss an Personal hätte.

 

 

Eurobahn-Krise Analyse und Handlungsbedarf

Zur aktuellen Lage des Schienenverkehrs der Eurobahn informiert der Fahrgastverband PRO BAHN Entscheidungsträger im Kreis Lippe über Zusammenhänge, Verantwortlichkeiten, Bewertung der Zugstreichungen und der Ersatzmaßnahmen, insbesondere den „Schnellbus“ Bielefeld – Detmold.

Zusammengefasst:

• Personalmangel ist in der gesamten Eisenbahnbranche vorhanden. Vorwürfe an einzelne Unternehmen sind nicht gerechtfertigt.

• Personalmangel rechtfertigt aber allein nicht das Ausmaß der Zugstreichungen im Kreis Lippe. Der Aufgabenträger Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) ist den Bürgern und Steuerzahlern verantwortlich, das Angebot besser zu gestalten – auch über einzelne Verkehrsverträge hinaus.

• Der Kreis Lippe wird hinsichtoich der Erreichbarkeit durch die Zugstreichungen weit überproportional benachteiligt. Der NWL ist aufgrund seiner Aufgaben gehalten, als Ausbildung von Personal zu fördern.

• Schon bisher wird der Kreis Lippe durch den NWL strukturell beim Abendverkehr benachteiligt.Die Kreis Lippe hat daher einen berechtigten Anspruch, dass diese Benachteiligung beseitigt wird. Wir erwarten erste sichtbare Schritte zur Verbesserung des Abendverkehs zum Fahrplanwechsel im Dezember 2024.

• Auf Kritik hat die Eurobahn mit dem Einsatz eines „Schnellbusses“ Bielefeld – Detmold reagiert. Dies kann nur eine Übergangslösung sein, droht aber ein Dauerzustand zu werden, wenn nicht massiv politischer Druck aufgebaut wird.

• Wegen Bauarbeiten werden die Bahnstrecken Lage – Detmold und Oerlinghausen – Lemgo vom 5. Bis 28. Juli gesperrt. Dieses erfordert eine angepasste Beurteilung der aktuellen Lage.

• Noch vorhandene Anschlüsse zum Fernverkehr aus dem Kreis Lippe in Herford werden Mitte Juli 2024 stark reduziert und werden ab Mitte Oktober 2024 weiter drastisch reduziert.

• Darüber hinaus drohen konkret wiederholte Einstellungen nicht nur des RE 82 Detmold – Bielefeld, sondern auch der RB 73 Lemgo – Bielefeld auf Sicht von etwa 5 Jahren. Hintergrund dafür sind die besonderen Verhältnisse des Dieselnetzes mit Standort Bielefeld und des Unternehmens Eurobahn sowie Herausforderungen im Zusammenhang mit der Umstellung auf batterie-elektrische Fahrzeuge. Wir sehen noch nicht, dass der NWL diese Herausforderungen hinsichtlich des Bedarfs an Fahrpersonal meisert und sehen weiterhin konkret die Gefahr, dass der Kreis Lippe unter den Problemen üpberproportional meistert.

• Zwar ist eine Gesprächsebene zwischen PRO BAHN und dem NWL wiederhergestellt. Es gibt aber keine institutionelle Zusammenarbeit mit Interessenvertreter der Fahrgäste, und einzelne Akteure versuchen weiterhin, die Auseindersetzung mit gegebenen Problemen in der Verbandsversamnmlung zu verhindern.

• Erweiterte Handlungsmöglichkeiten bekommt der NWL nur, wenn die Eurobahn durch die öffentliche Hand übernommen wird. Wir halten eine solche Übernahme daher für richtig und zukunftsweisend.

• Der Versuch, einen anderen Betreiber für den Regionalexpress 82 zu finden, wird zwar begrüßt, die Erfolgschancen sind aber begrenzt.

Konkreten Forderungen:

• Wegen Bauarbeiten muss der „Schnellbus“ Bielefeld – Detmold bis Ende Juli erhalten bleiben.

• Nach dem 28. Juli muss der RE 82 Bielefeld – Detmold – Horn-Bad Meinberg wieder auf der Schiene verkehren. Dies erwarten wir zumindest für die nachfragestärkeren Zeiten an Nachmittagen von Montag bis Freitag und am Sonntag.

• Dafür muss der NWL gegebenenfalls Angebote an anderer Stelle streichen, damit Personal freigemacht werden kann. Wir können nicht erkennen, dass der NWL dazu bereit ist.

• Darüber hinaus ist eine Spätverbindung in den Kreis Lippe mit Abfahrt Bielefeld um 22.51 Uhr nach Detmold mit Anschluss nach Lemgo einzurichten. Dies ist im Rahmen einer Revision des Gesamtfahrplans mit Wirksamkeit zu Ende 2025 zu leisten, muss aber bis Ende 2024 festgelegt werden.

• Der NWL muss die Eurobahn in öffentliche Hand überführen. Nur so lässt sich ein geordneter Übergang des Dieselnetzes auf elektrischen (Batterie-)Betrieb und eine schnellere Reaktion auf Notlagen organisieren.

Die Details:

Personalmangel in der Eisenbahnbranche

Der Personalmangel trifft die gesamte Eisenbahnbranche und beschränkt sich nicht auf Lokführer, sondern betrifft auch Zugbegleiter, Werkstätten und Management. Es ist auch kein spezifisches Problem der Eurobahn. Bei den Lokführern wird der Mangel schonungslos sichtbar: Ohne Lokführer fährt kein Zug.
Aus unserer Sicht tun Unternehmen – auch die Eurobahn – sehr viel, um Personal auszubilden. Bei einer Durchfallquote von 50 % (bundesweiter Durchschnitt, die Eurobahn nennt bessere Zahlen) kann aber der natürliche Abgang (Alter und Krankheit, Fluktuation) nur knapp ersetzt werden. Es kommen aber jetzt besondere Probleme hinzu: Krankheitswellen, Abwerbung durch Leiharbeitsfirmen, Abwerbung durch Fern- und Güterverkehrsunternehmen, Wechsel des Personals zu anderen Unternehmen mit besseren Arbeitsbedingungen, neueren Fahrzeugen und viele andere Gründe, die viele Jahre nicht bestanden.
Das Problem wird seit etwa 3 Jahren sichtbar, verschärft sich aber zunehmend. Landesregierung und Besteller des Nahverkehrs, auch der NWL, steuern zwar gegen, und die Abwerbung innerhalb des Regional- und Nahverkehrs kann als gestoppt angesehen werden. Damit ist das Problem aber nicht beherrschbar.
Um ein zuverlässiges Angebot sicherzustellen, müsste das Verkehrsangebot um 10 bis 15 Prozent reduziert werden.
Der Aufgabe, diese Reduzierung geordnet und sachgerecht vorzubereiten, hat sich der NWL nicht rechtzeitig gestellt. Bereits seit Ende 2022 kennen wir in anderen Regionen Notfahrpläne, die eingerichtet wurden, ohne dass Fahrgäste monatelang durch unberechenbare Zugausfälle gequält wurden.

Keine Perspektive für Aufhebung der Notmaßnahmen

Alle Gespräche, die wir geführt haben, deuten darauf hin, dass die Verantwortlichen die Hoffnung haben, dass die Notmaßnahmen zurückgefahren werden können. Keines der Gespräche hat aber Aufschluss darüber gegeben, zu welchem Zeitpunkt und in welchem Ausmaß die Notfahrpläne der Eurobahn wieder zurückgefahren werden könnten. Die Verlängerung der Notfahrpläne bis Dezember lässt darauf schließen, dass bisherige Hoffnungen geplatzt sind und auch noch 2025 Notfahrpläne gelten werden.

Die Notmaßnahmen der Eurobahn und die spezifischen Bedürfnisse des Kreises Lippe

Für den Kreis Lippe ist die vollständige Einstellung des RE 82 ab morgens 9 Uhr nicht hinnehmbar.
Die spezifischen Bedingungen des Kreises Lippe sind auch nicht ansatzweise beachtet worden. Dies zu beachten, wäre in erster Linie Sache des NWL gewesen:
• Der Regionalexpress RE 82 dient nicht nur der örtlichen Erschließung, sondern ganz besonders der Anbindung an den überregionalen Fernverkehr mit den ICE-/IC-Halten Bielefeld und Altenbeken.
• Es besteht keine Alternative durch parallelen Fernverkehr.
• Für keine andere Stadt der Größe wie Detmold ist der direkte ICE-Anschluss gestrichen worden. Das Städtedreieck Lage – Lemgo – Detmold hat zusammen die Einwohnerzahl einer Großstadt, wird aber behandelt, als sei es der „ländliche Raum“ mit dünner Besiedlung!
• Kein Hochschulstandort ist derart abgehängt worden.
• Die Verlängerung der Fahrzeit beträgt von Lippe in weiter entfernte Ziele 40 Minuten – das wird auch durch den „Schnellbus“ nicht kompensiert. Streichungen an anderen Strecken verlängern die Fahrzeiten um maximal 30 Minuten.
• Am Bahnhof Oerlinghausen besteht ein eng koordiniertes Bahn-Bus-Angebot, wie es an keiner anderen betroffenen Linie besteht, das ohne Zuganschluss weitgehend sinnfrei ist.
Dieser markante Unterschied zu den übrigen Streichungen wird beim Vergleich sichtbar:
• RB 63 Münster – Rheine: Von 6 Zügen in 2 Stunden wird einer gestrichen, das ist eine Reduzierung um 16 %. Lediglich für die kleinen Stationen – u. a. Ortsteile von Münster und Rheine – wird das Angebot um 50 % reduziert.
• RB 66 Münster – Osnabrück: Das Angebot wird um 25 % reduziert, da parallel weiterhin RE 2 verkehrt: Es fahren je Richtung in 2 Stunden 3 statt bisher 4 Züge. Zusätzlich verkehren stündlich ICE/IC. Für Wochenenden wurde diese Streichung bereits wieder zurückgenommen.
• RB 67 Münster – Warendorf – Rheda – Bielefeld wird im Abschnitt Rheda – Bielefeld gestrichen. Anschluss von / nach Gütersloh Hbf und Bielefeld Hbf besteht mit einer Fahrzeitverlängerung von weniger als 15 Minuten. Zwischen Bielefeld und Münster bestehen weitere Verbindungen über Hamm. Zustzlich zu den Bahnverbindungen wurde nachträglich ein Busverkehr eingerichtet.
• RB 78 Bielefeld – Nienburg wird im Abschnitt Minden – Nienburg durch Bus ersetzt. Die Fahrgastnachfrage ist in diesem Abschnitt sehr gering, die Fahrzeitverlängerung beträgt 30 Minuten. Im überregionalen Verkehr bestehen weitere Fahrmöglichkeiten über Wunstorf und Osnabrück.

Erst aufgrund der massiven Proteste aus dem Kreis Lippe wurde die Plaztkapazität der RB 72 Herford – Paderborn heraufgesetzt, indem Fahrzeuge aus anderen Verkehrsverträgen umgesetzt wurden. Dass dies nicht sofort geschehen ist, zeigt, dassder NWL Bedürfnisse im Kreis Lippe nicht beachtet hat.

Damit ist die Reduzierung des Angebots von 45 % für Detmold, Lage und Lemgo unangemessen.

Strukturelle Benachteiligung des Kreises Lippe im Abendverkehr

Der letzte Zug in den Kreis Lippe fährt von Berlin fast eine Stunde früher, von Bielefeld mindestens eine Stunde früher und von Düsseldorf fast 2 Stunden früher als in alle anderen Städte Ostwestfalens.
Damit ist schon bisher der Kreis Lippe im Verhältnis zu anderen Kreisen mit gleich großer Bevölkerung im Schienenverkehr benachteiligt. Auf diese Benachteiligung kommt nun auch noch der Verlust der einzigen schnellen Verbindung zum Fernverkehr im Tagesverkehr „obendrauf“.

  • Die Städte des Kreises Lippe werden im Unterschied zu allen anderen größeren Städten in OWL nicht vom Fernverkehr bedient.
  • Die letzte Abfahrt in Bielefeld um 22.15 Uh lässt es nicht zu, Abendveranstaltungen zu besuchen, dies gilt auch für alle anderen Veranstaltungen. außerhalb des Kreises Lippe (ausgenommen am Freitagabend und Samstagabend).
  • Tagesreisen in relevante Städte wie Berlin oder Düsseldorf sind nur mit einem sehr viel kleineren Zeitfenster möglich.

Dies wird deutlich beim Vergleich der letzten Fahrmöglichkeit von Bielefeld, Düsseldorf und Berlin:
Letzte Abfahrt von Bielefeld
nach

Lage / Detmold, Lemgo 22.15 Uhr – mindestens 1 Stunde früher als nach
Gütersloh 0.07 Uhr
Herford 23.27 Uhr
Minden 23.27 Uhr
Bünde 23.12 Uhr
Paderborn 23.43 Uhr

Letzte Abfahrt von Berlin Hbf
nach

Lage / Detmold, Lemgo 18.56 – fast eine Stunde früher als nach
Gütersloh 19.45 Uhr
Herford 20.46 Uhr
Minden 19.45 Uhr
Bünde 20.46 Uhr
Paderborn 19.45 Uhr

Letzte Abfahrt von Düsseldorf
nach
Lage / Detmold, Lemgo 19.14 Uhr – fast 2 Stunden früher als nach
Gütersloh 21.27 Uhr
Herford 21.27 Uhr
Minden 21.27 Uhr
Bünde 20.43 Uhr
Paderborn 21.27 Uhr
(Alle Fahrpläne Montag bis Donnerstag, Ankunft bis kurz nach Mitternacht)

Der Kreis Lippe wird vom NWL schlechter behandelt als der Kreis Warendorf!

Hinzuweisen ist auch darauf, dass der Kreis Warendorf von Münster aus noch mit einer Abfahrt um 23.30 Uhr erreichbar ist. Es handelt sich um einen Zug der Eurobahn mit den gleichen Fahrzeugen und dem gleichen Personalmangel wie auf der Verbindung von Bielefeld in den Kreis Lippe.

Bewertung des „Schnellbusses“ Bielefeld – Detmold

Der „Schnellbus“ kann nur ein vorübergehender Zustand sein.
Zunächst ist die Umsetzung eine beachtliche Leistung angesichts der auch im Busverkehr bestehenden Personalknappheit.
Der Bus kann aber den Regionalexpress 82 auf der Schiene nicht ersetzen:
• Ausschließlich der Fernverkehrsanschluss von und nach Berlin ist mit dem Bus
• sichergestellt. Alle anderen Anschlüsse in Bielefeld werden verpasst.
• Die Fahrzeit ist gefühlt doppelt so lang wie mit dem Zug.
• Ein Zwischenhalt in Oerlinghausen-Leopoldshöhe mit
den wichtigen Anschlüssen in den Busverkehr ist nicht gegeben.
• Ein Zwischenhalt in Lage mit Anschluss von Lemgo ist nicht möglich.
Nur, weil aufgrund einer Streckensperrung vom 5. bis 28. Juli der RE 82 Detmold nicht erreichen kann, ist die Aufrechterhaltung dieses Angebots bis zum 28. Juli vertretbar. Die DB hat angekündigt, dass im Juli Weichen und Bahnübergänge im Abschnitt Lage – Detmold und Lage – Lemgo erneuert werden. Nach dem 28. Juli muss aber der RE 82 wieder auf der Schiene verkehren.

Dies muss selbst dann möglich gemacht werden, wenn ein Personalzuwachs nicht möglich ist:

Das Ungleichgewicht der Belastung mit den reduzierten Fahrplänen und die strukturelle Bedeutung des ICE-Anschlusses für den Kreis Lippe rechtfertigt weitergehende Eingriffe in die Fahrpläne an anderer Stelle des weiträumigen Netzes der Eurobahn:
• Der Nahverkehr im Hellweg-Netz (Paderborn – Hamm) wird ganztägig und auch am Wochenende halbstündlich zusätzlich zum Regionalexpress bedient.
• Weiter wird der RE 78 ganztags und auch am Wochenende zeitlich unmittelbar parallel zum RE 60 / RB 77 / RB 61 gefahren. Zusätzlich verkehrt der RRX 6 zwischen Bielefeld und Minden. Damit bestehen zwischen Bielefeld und Minden 3 Verbindungen, zwischen Bielefeld und Herford 4 Verbindungen in der Stunde.

Der NWL darf sich nicht – wie bisher – darauf beschränken, Verkehrsunternehmen innerhalb eines bestimmten Verkehrsangebotes sich selbst überlassen, sondern hat im Interesse der Gesamtheit der Fahrgäste das verantwortete Verkehrsangebot als Ganzes zu betrachten.

Eine Schwierigkeit besteht darin, dass Personale dieser Linien in der Regel weder Streckenkunde haben noch das Fahrzeug kennen, sodass eine geordnete Vorbereitung durch Ausbildung und gegebenenfalls entsprechenden Finanzausgleich für längere Anfahrten erfolgen muss. Das zeigt, dass die Eurobahn aus eigener Kompetenz das Problem nicht lösen kann, dass aber der NWL seiner Verantwortung nicht gerecht geworden ist.

Schließlich muss auch hinterfragt werden, inwieweit der erweiterte Nachtverkehr aufrechterhalten werden muss oder auf Bus umgestellt werden kann. Es kann nicht richtig sein, dass Schüler, Studenten, Geschäftsreisende und Arbeitnehmer von und zum Kreis Lippe lange Wartezeiten hinnehmen müssen, während Besucher von Discos auch nach Mitternacht weiterhin uneingeschränkt bedient werden.

Weitere Entwicklung 2024: Immer weniger Anschluss in Herford, Streckensperrungen Richtung Herford

Die Notwendigkeit einer schnellen Direktverbindung nach Bielefeld wird sich im Laufe des Jahres 2024 weiter verschärfen.

Entwicklung des Fernverkehrs in Herford

Die weitere Entwicklung des Fernverkehrs erfordert, dass das Angebot des RE 82 so schnell wie möglich wieder hergestellt wird.
Derzeit können Fahrgäste Fernverkehrszüge noch in Herford mit der Regionalbahn 72 erreichen. Jedoch wird die DB im Fernverkehr auf Personalmangel reagieren müssen. Daher ist – wie inoffiziell bekannt wurde – mit der Streichung der ICE Ruhrgebiet – Berlin mit Halt in Herford für Mitte Juli 2024 zu rechnen, wenn mehr Personal anlässlich der Streckensperrung Frankfurt – Mannheim benötigt wird. In den Fahrplänen ist dies noch nicht verzeichnet. Es fällt aber bereits auf, dass diese Züge recht oft wegen Personalmangel schon heute ausfallen, wobei dies erst am Verkehrstag selbst mitgeteilt wird.
Ab Mitte Oktober werden auch in Herford noch weniger Fernzüge halten. Wegen Brückenbauarbeiten steht für Züge Richtung Hannover nur noch Gleis 7 zur Verfügung. Das zeigen die bereits veröffentlichen Fernfahrpläne (zwar wird noch Gleis 4 angegeben, aber insoweit sind die Fahrpläne noch nicht korrigiert), während die Fahrpläne für den Nahverkehr noch nicht auf diese Bauarbeitern angepasst sind. Alle durchgehenden Züge der Richtung Hannover – Düsseldorf / Köln werden über die Gütergleise ohne Bahnsteig umgeleitet. Züge nach Osnabrück werden durch Busse ersetzt werden müssen, da sich die maßgebliche Baustelle an der Sofienstraße in Herford befindet und das benötigte Gleis nicht zur Verfügung steht.
Konkret reduzieren sich die Abfahrten von Fernverkehrszügen in Herford auf Ankünfte von Köln mit extrem knapper Umsteigezeit Richtung Lippe und Abfahrten in Richtung Hannover – Dresden mit einer Wartezeit von 62 Minuten aus Richtung Lippe. Außerdem werden zwei Flixtrain-Züge in dieser Richtung halten. Aus Richtung Berlin und in Richtung Ruhrgebiet bestehen keine Verbindungen. Für diese Reisenden ist der Umweg über Bielefeld zwingend.

Vollständige Sperrung der Strecke von Lippe nach Herford

Weiter ist damit zu rechnen, dass im Zuge dieser Bauarbeiten die Bahnverbindung von Detmold und Lage nach Herford ganz gesperrt wird. Für mindestens eine Woche ist dies bereits ausweislich einer Vorlage des NWL angekündigt. Personal kann die Eurobahn dadurch aber nicht einsparen.

„Schnellbus“ als Dauer-Notlösung für viele Jahre?

Den Schluss, dass sich der Einsatz von „Notfahrplänen“, wie sie am 8. April in Kraft gesetzt wurden, noch auf Jahre hinaus wiederholen wird (also nicht nur wiederholen kann), wenn nicht gezielt weitergehende Maßnahmen ergriffen werden, drängt sich aus bundesweiten Erfahrungen auf.
Die einfache Hoffnung, dass sich das gegenwärtige Personalproblem mit den heute laufenden Ausbildungsmaßnahmen lösen lässt, halten wir für nicht realistisch. Bundesweit sind die Personalprobleme gegeben. Die besonderen Bedingungen des „Dieselnetzes Ostwestfalen-Lippe“ zu denen RB 73 Bielefeld – Lemgo und RE 82 Bielefeld – Detmold – Altenbeken erfordern aber sehr viel weitergehende Maßnahmen.
Die Gründe:
• Die Dieselfahrzeuge sollen durch Batterie-elektrische Fahrzeuge abgelöst werden.
• Die neue Fahrzeuggeneration wird nicht mehr von der Eurobahn gewartet, sondern von den Herstellern.
Daraus folgt:
• Da Lokführer für die neuen Fahrzeuge geschult werden müssen, kommt es zu einem weiteren Engpass beim Personal.
• Erfahrungsgemäß können Hersteller aufgrund des Personalmangels Lieferzeiten nicht einhalten.
• Personalmangel verzögert auch die Zulassung und Inbetriebnahme der Fahrzeuge.
• Es ist nicht gesichert, dass der Standort Bielefeld, wo die Fahrzeuge jetzt gewartet werden, erhalten bleibt bzw. wo die Werkstatt für die nächste Fahrzeuggeneration stehen wird. Die Anzahl der Fahrzeuge wird weitaus größer sein als heute.

 

Nach bisherigen Erfahrungen kann nicht damit gerechnet werden, dass dieser Übergang reibungslos erfolgt. Alles, was nicht wie geplant läuft, führt dazu, dass Züge im Kreis Lippe wegen Mangel an betriebsfähigen Fahrzeugen und Personal nicht fahren. Der Übergang auf solche Fahrzeuge muss mit besonderen Maßnahmen gesichert werden, indem bisher eingesetzte Dieselfahrzeuge weiterhin als Reserve zur Verfügung stehen und der Übergang nicht auf einen Schlag an einem festen Stichtag geplant ist, sondern kontinuierlich nach Maßgabe der verfügbaren Ressourcen erfolgt.
Wo diese Vorsorge nicht getroffen wurde, hat es bereits Fälle gegeben, in denen bei derartigen Übergängen das Personal vorzeitig zu einem anderen Unternehmen gewechselt hat bzw. in der Ausbildung war, sodass der bisherige Betreiber nur noch einen Rumpfbetrieb sicherstellen konnte. Nach der Übernahme durch den neuen Betreiber hat es massive Zugausfälle gegeben, weil technische Probleme auftraten oder noch nicht genügend ausgebildetes Personal vorhanden war.

Es ist uns nicht bekannt, welche Maßnahmen der NWL getroffen hat, um eine solche Entwicklung zu verhindern. Das, was uns bekannt ist, ist ein Übergang an einem festen Stichtag, der, wie vorstehend erläutert, äußerst riskant ist.

Weitere Entwicklung 2024: Immer weniger Anschluss in Herford, Streckensperrungen Richtung Herford

Die Notwendigkeit einer schnellen Direktverbindung nach Bielefeld wird sich im Laufe des Jahres 2024 weiter verschärfen.

Entwicklung des Fernverkehrs in Herford

Die weitere Entwicklung des Fernverkehrs erfordert, dass das Angebot des RE 82 so schnell wie möglich wieder hergestellt wird.
Derzeit können Fahrgäste Fernverkehrszüge noch in Herford mit der Regionalbahn 72 erreichen. Jedoch wird die DB im Fernverkehr auf Personalmangel reagieren müssen. Daher ist – wie inoffiziell bekannt wurde – mit der Streichung der ICE Ruhrgebiet – Berlin mit Halt in Herford für Mitte Juli 2024 zu rechnen, wenn mehr Personal anlässlich der Streckensperrung Frankfurt – Mannheim benötigt wird. In den Fahrplänen ist dies noch nicht verzeichnet. Es fällt aber bereits auf, dass diese Züge recht oft wegen Personalmangel schon heute ausfallen, wobei dies erst am Verkehrstag selbst mitgeteilt wird.
Ab Mitte Oktober werden auch in Herford noch weniger Fernzüge halten. Wegen Brückenbauarbeiten steht für Züge Richtung Hannover nur noch Gleis 7 zur Verfügung. Das zeigen die bereits veröffentlichen Fernfahrpläne (zwar wird noch Gleis 4 angegeben, aber insoweit sind die Fahrpläne noch nicht korrigiert), während die Fahrpläne für den Nahverkehr noch nicht auf diese Bauarbeitern angepasst sind. Alle durchgehenden Züge der Richtung Hannover – Düsseldorf / Köln werden über die Gütergleise ohne Bahnsteig umgeleitet. Züge nach Osnabrück werden durch Busse ersetzt werden müssen, da sich die maßgebliche Baustelle an der Sofienstraße in Herford befindet und das benötigte Gleis nicht zur Verfügung steht.
Konkret reduzieren sich die Abfahrten von Fernverkehrszügen in Herford auf Ankünfte von Köln mit extrem knapper Umsteigezeit Richtung Lippe und Abfahrten in Richtung Hannover – Dresden mit einer Wartezeit von 62 Minuten aus Richtung Lippe. Außerdem werden zwei Flixtrain-Züge in dieser Richtung halten. Aus Richtung Berlin und in Richtung Ruhrgebiet bestehen keine Verbindungen. Für diese Reisenden ist der Umweg über Bielefeld zwingend.

Vollständige Sperrung der Strecke von Lippe nach Herford

Weiter ist damit zu rechnen, dass im Zuge dieser Bauarbeiten die Bahnverbindung von Detmold und Lage nach Herford ganz gesperrt wird. Für mindestens eine Woche ist dies bereits ausweislich einer Vorlage des NWL angekündigt. Personal kann die Eurobahn dadurch aber nicht einsparen.

„Schnellbus“ als Dauer-Notlösung für viele Jahre?

Den Schluss, dass sich der Einsatz von „Notfahrplänen“, wie sie am 8. April in Kraft gesetzt wurden, noch auf Jahre hinaus wiederholen wird (also nicht nur wiederholen kann), wenn nicht gezielt weitergehende Maßnahmen ergriffen werden, drängt sich aus bundesweiten Erfahrungen auf.
Die einfache Hoffnung, dass sich das gegenwärtige Personalproblem mit den heute laufenden Ausbildungsmaßnahmen lösen lässt, halten wir für nicht realistisch. Bundesweit sind die Personalprobleme gegeben. Die besonderen Bedingungen des „Dieselnetzes Ostwestfalen-Lippe“ zu denen RB 73 Bielefeld – Lemgo und RE 82 Bielefeld – Detmold – Altenbeken erfordern aber sehr viel weitergehende Maßnahmen.
Die Gründe:
• Die Dieselfahrzeuge sollen durch Batterie-elektrische Fahrzeuge abgelöst werden.
• Die neue Fahrzeuggeneration wird nicht mehr von der Eurobahn gewartet, sondern von den Herstellern.
Daraus folgt:
• Da Lokführer für die neuen Fahrzeuge geschult werden müssen, kommt es zu einem weiteren Engpass beim Personal.
• Erfahrungsgemäß können Hersteller aufgrund des Personalmangels Lieferzeiten nicht einhalten.
• Personalmangel verzögert auch die Zulassung und Inbetriebnahme der Fahrzeuge.
• Es ist nicht gesichert, dass der Standort Bielefeld, wo die Fahrzeuge jetzt gewartet werden, erhalten bleibt bzw. wo die Werkstatt für die nächste Fahrzeuggeneration stehen wird. Die Anzahl der Fahrzeuge wird weitaus größer sein als heute.

Nach bisherigen Erfahrungen kann nicht damit gerechnet werden, dass dieser Übergang reibungslos erfolgt. Alles, was nicht wie geplant läuft, führt dazu, dass Züge im Kreis Lippe wegen Mangel an betriebsfähigen Fahrzeugen und Personal nicht fahren. Der Übergang auf solche Fahrzeuge muss mit besonderen Maßnahmen gesichert werden, indem bisher eingesetzte Dieselfahrzeuge weiterhin als Reserve zur Verfügung stehen und der Übergang nicht auf einen Schlag an einem festen Stichtag geplant ist, sondern kontinuierlich nach Maßgabe der verfügbaren Ressourcen erfolgt.
Wo diese Vorsorge nicht getroffen wurde, hat es bereits Fälle gegeben, in denen bei derartigen Übergängen das Personal vorzeitig zu einem anderen Unternehmen gewechselt hat bzw. in der Ausbildung war, sodass der bisherige Betreiber nur noch einen Rumpfbetrieb sicherstellen konnte. Nach der Übernahme durch den neuen Betreiber hat es massive Zugausfälle gegeben, weil technische Probleme auftraten oder noch nicht genügend ausgebildetes Personal vorhanden war.

Es ist uns nicht bekannt, welche Maßnahmen der NWL getroffen hat, um eine solche Entwicklung zu verhindern. Das, was uns bekannt ist, ist ein Übergang an einem festen Stichtag, der, wie vorstehend erläutert, äußerst riskant ist.

Übernahme der Eurobahn in öffentliche Hand

Die vorgenannten Kapitel zeigen: Mit der bisherigen Methode der Ausschreibung an Dienstleister sind die Probleme nicht bzw. nur auf dem Rücken der Fahrgäste und ganz besonders zulasten des Kreises Lippe zu bewältigen. Beispiele aus den Bundesländern Hessen und Baden-Württemberg zeigen, dass die dort landeseigenen Eisenbahnen als gute Puffer für Krisen wirken. So konnte das Land Baden-Württemberg die notleidend gewordene Abellio-Tochter übernehmen, ohne dass das Verkehrsangebot darunter gelitten hat. Genauso konnte aktuell ein gravierender Fahrzeugmangel im Raum Freiburg sehr schnell gelindert werden, indem die landeseigene SWEG Fahrzeuge abgeben konnte, die durch Anlieferung von Batterietriebwagen abgelöst wurden. Ähnliches kennen wir von Unternehmen, die der öffentlichen Hand gehören, wie AKN, EVB, Erfurter Bahn, Regiobahn und insbesondere den städtischen Verkehrsbetrieben mit Stadtbahnen wie AVG und Regiotram.
Die Übernahme des Eurobahn-Netzes ist nach EU-Recht zulässig und auch kein Abschied vom Wettbewerb an sich. Das EU-Recht sichert auch, dass bei einer sogenannten „Inhouse-Vergabe“ keine versteckten Subventionen durch überhöhte Preise möglich sind.

Wechsel des Betreibers für den Regionalexpress 82

Auch diese Variante wird vom NWLK geprüft. Aussichtsreich erscheint diese Möglichkeit nicht, denn auch andere Unternehmen leiden unter Personalmangel. Bei den in der Nähe aktiven Unternehmen Nordwestbazhn und National Expres sowie bei der DB-Tochter „Start“ kommt es immer wieder zu Zugausfällen infolge kurzfristigen Personalmangels.

Mangelhafte Zusammenarbeit mit dem NWL

Entscheidungen werden vom NWL hinter verschlossenen Türen vorbereitet. Vollendete Tatsachen erfahren wir – und auch Sie – aus der Presse. Selbst den Mitgliedern der Zweckverbandsversammlung, die aus ihrer Mitte dorthin entsandt worden sind, werden so informiert. Viele dieser Mitglieder haben der Qualität der Arbeit des NWL vertraut, weil ihnen alternative Handlungsmöglichkeiten nicht bekannt sind. Die Führung des NWL nutzt ihren Wissensvorsprung gegenüber den Mitgliedern der Zweckverbansversammlung, um kritische Fragen von außen abzuwehren.
Weiter hat PRO BAHN den Eindruck, dass der NWL an einer institutionalisierten Zusammenarbeit mit Institutionen, die Fahrgastinteressen und regionale Wirtschaftsinteressen vertreten, nicht interessiert ist.
Dies war grundlegend anders, solange der Verkehrsverbund Ostwestfalen Lippe (VVOWL) selbstständiger Aufgabenträger bzw. Teilorganisation des NWL war.
Seit 1997 arbeitet PRO BAHN im Fahrgastbeirat des VVOWL, und dort haben wir konstruktiv und engagiert zusammen mit der Geschäftsleitung Probleme offen diskutiert und Lösungen erarbeitet. Das tun wir auch heute noch in diesem Beirat – nur ist der VVOWL nicht mehr SPNV-Aufgabenträger, sondern inzwischen hilfloser Zuschauer einer verhängnisvollen Entwicklung.
Erst der massive Protest von PRO BAHN hat eine informelle Gesprächsebene hergestellt. Wir werden diese Möglichkeiten nutzen, um die Interessen der Fahrgäste deutlich zu machen.

Foto oben: Auch die Fahrzeuge des Dieselnetzes der Eurobahn befinden sich in der Krise. Um genügend Fahrzeuge zur Verfügung zu haben, sind bereits gleichartige Fahrzeuge der ersten Serie „Talent“ im Einsatz, die bei anderen Unternehmen Dienst getan haben. Einer der Gründe dafür: Ersatzteile sind für die im Jahr 2000 in Betrieb gegangenen Fahrzeuge nicht mehr anders verfügbar. Das Foto entstand in Gütersloh Hauptbahnhof, Linie RB 67, im März 2024.

Hintergrundinformationen zu Zugstreichungen im Kreis Lippe

Strukturelle Probleme, die der Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) nicht beachtet haben, sind die tiefere Ursache der Zugstreichungen im Kreis Lippe. Hier erfahren Sie umfassend Zusammenhänge und Hintergründe.

Zusammengefasst:

  • • Personalmangel ist vorhanden, rechtfertigt aber nicht das Ausmaß der Zugstreichungen im Kreis Lippe.
  • • Der Kreis Lippe wird weit überproportional von der Reduzierung des Fahrplans getroffen.
  • • Schon bisher wird der Kreis Lippe durch den NWL benachteiligt, insbesondere bei der Erreichbarkeit am frühen Morgen und am späten Abend.
  • • Darüber hinaus drohen konkret wiederholte Einstellungen nicht nur des RE 82 Detmold – Bielefeld, sondern auch der RB 73 Lemgo – Bielefeld auf Sicht von etwa 5 Jahren. Hintergrund dafür sind die besonderen Verhältnisse des Dieselnetzes mit Standort Bielefeld und des Unternehmens Eurobahn.
  • • Wesentlich verantwortlich ist der Zweckverband SPNV Westfalen-Lippe (NWL). Ursachen der Misere sind mangelnde Voraussicht und mangelndes Problembewusstsein.
  • • Bisher – Stand 25.4.2024 – ist nicht erkennbar, dass der NWL die Wahrnehmung von Fahrgastinteressen zuzulassen bereit ist. Eine ganze Reihe von Institutionen ist daran interessiert, solche Interessen frühzeitig und konstruktiv geltend zu machen. Der NWL bietet keine Gelegenheit dazu und stellt Interessenvertreter und Fahrgäste vor vollendete Tatsachen.

Ausgangslage: ÖPNV-Modell Kreis Lippe

Von 1989 bis 1994 wurde der öffentliche Verkehr im Kreis Lippe umfassend erneuer, mit Taktverkehr bei Bahn und Bus, drei neuen Stadtbusbetrieben, einem Verbundtarif, dem Ausbau der Bahnlinie Lemgo – Bielefeld und der Verlängerung bis Lemgo-Lüttfeld und der Einrichtung eines koordinierten. Die Einführung der schnellen Verbindung RE 82 Altenbeken – Detmold – Bielefeld war die Reaktion auf die rasch ansteigenden Fahrgastzahlen.
Hinter diesem Erfolg steht das andauernde Engagement der Städte und Gemeinden im Kreis Lippe, die mit dem Kauf von Bahnhöfen, der Umgestaltung von Bahnhofsumfeldern und vielen weiteren Maßnahmen die Nutzung von Bahn und Bus attraktiv gemacht haben. Der Fahrgastverband PRO BAHN hatte mit Informationen, Mitwirkung in Gremien, Bahnhofsfesten und Öffentlichkeitsarbeit einen erheblichen Anteil an diesem Erfolg
Mit der Streichung des RE 82 ist ein Kernstück dieses Erfolgens aus dem Gesamtkonzept herausgebrochen worden.

Schon bisher: Strukturelle Benachteiligung des Kreises Lippe

Schon bisher ist der Kreis Lippe ab Bielefeld an Morgen und Abend schlecht erreichbar:
Die letzte Verbindung ab Bielefeld besteht um 22.15 Uhr, während alle anderen, oft sehr viel kleineren Städte in Ostwestfalen mit Abfahrten noch nach 23 Uhr erreichbar sind. Bildungsangebote und kulturelle Veranstaltungen am Abend in Bielefeld sind für Fahrgäste aus dem Kreis Lippe nicht erreichbar. Nur in den Nächten Freitag auf Samstag und Samstag auf Sonntag besteht ein späteres Angebot.
Fahrgäste aus dem Fernverkehr können Lippe nur sehr schlecht erreichen. Von Berlin muss man zwei Stunden früher abfahren (letzte Abfahrt 17.45 Uhr) als nach allen anderen Regionen in Westfalen, um noch einen angemessenen Anschluss zu erreichen. Eine neu eingerichtete Spätverbindung des Fernverkehrs ab Berlin mit Ankunft 22.30 Uhr in Herford ist nicht nutzbar, weil der Anschlusszug nach Lippe schon um 22.33 Uhr abfährt: 3 Minuten genügen nicht zum Umsteigen. Die Städte Minden, Bad Oeynhausen, Herford, Gütersloh und Paderborn sind hingegen spät erreichbar.
Der Zugverkehr vom Kreis Lippe direkt nach Bielefeld wird erst gegen 6 Uhr aufgenommen, sonntags erst nach 8.30 Uhr, während andere Städte bereits ab 4.30 Uhr bedient werden.
Der erste schnelle Zug ab Bielefeld nach Detmold verkehrt erst um 7.49 Uhr – und ist jetzt durch die Eurobahn gestrichen worden. Auf anderen Expresslinien wird der Verkehr zwei Stunden früher aufgenommen.

Personalmangel in der Eisenbahnbranche

Der Personalmangel beschränkt sich nicht auf Lokführer, sondern betrifft auch Zugbegleiter, Werkstätten und Management. Es ist auch kein spezifisches Problem der Eurobahn. Bei den Lokführern wird der Mangel schonungslos sichtbar: Ohne Lokführer fährt kein Zug.
Aus unserer Sicht tun Unternehmen – auch die Eurobahn – sehr viel, um Personal auszubilden. Bei einer Durchfallquote von 50 % (bundesweiter Durchschnitt) kann aber der natürliche Abgang (Alter und Krankheit, Fluktuation) nur knapp ersetzt werden. Es kommen aber jetzt besondere Probleme hinzu: Krankheitswellen, Abwerbung durch Leiharbeitsfirmen, Abwerbung durch Fern- und Güterverkehrsunternehmen, Wechsel des Personals zu anderen Unternehmen mit besseren Arbeitsbedingungen, neueren Fahrzeugen und viele andere Gründe, die viele Jahre nicht bestanden.
Das Problem wird seit etwa 3 Jahren sichtbar, verschärft sich aber zunehmend. Landesregierung und Besteller des Nahverkehrs, auch der NWL, steuern zwar gegen, und die Abwerbung innerhalb des Regional- und Nahverkehrs kann als gestoppt angesehen werden. Damit ist das Problem aber nicht beherrschbar.
Um ein zuverlässiges Angebot sicherzustellen, müsste das Verkehrsangebot um 10 bis 15 Prozent reduziert werden.

Der Aufgabe, diese Reduzierung geordnet und sachgerecht vorzubereiten, hat sich der NWL nicht rechtzeitig gestellt. Bereits seit Ende 2022 kennen wir in anderen Regionen Notfahrpläne, die eingerichtet wurden, ohne dass Fahrgäste monatelang durch unberechenbare Zugausfälle gequält wurden.

Die Notmaßnahmen der Eurobahn und die spezifischen Bedürfnisse des Kreises Lippe

Für den Kreis Lippe ist die vollständige Einstellung des RE 82 ab morgens 9 Uhr nicht hinnehmbar.
Die spezifischen Bedingungen des Kreises Lippe sind auch nicht ansatzweise beachtet worden. Dies zu beachten, wäre in erster Linie Sache des NWL gewesen:

  • • Der Regionalexpress RE 82 dient nicht nur der örtlichen Erschließung, sondern ganz besonders der Anbindung an den überregionalen Fernverkehr mit den ICE-/IC-Halten Bielefeld, Altenbeken und Kassel-Wilhelmshöhe.
  • • Es besteht keine Alternative durch parallelen Fernverkehr.
  • • Für keine andere Stadt der Größe wie Detmold ist der direkte ICE-Anschluss gestrichen worden. Das Städtedreieck Lage – Lemgo – Detmold hat zusammen die Einwohnerzahl einer Großstadt und wird behandelt wie eine dünn besiedelte Provinz.
  • • Das Risiko, dass der Anschluss in Lage verpasst wird, ist real und hat sich seit dem 8. April bereits mehrfach realisiert. Die Wartezeit beträgt dann eine Stunde – 7 Kilometer vor dem Ziel. In anderen Fällen mussten Fahrgäste durch die Unterführung hetzen, verbunden mit entsprechender Unfallgefahr. Mobilitätseingeschränkte Fahrgäste durch Rollstuhl. Kinderwagen, Gepäck, Musikinstrumente, die auf die Aufzüge angewiesen sind, können den Anschluss bei Verspätungen nicht erreichen.
  • • Kein Hochschulstandort in ganz NRW ist derart abgehängt worden.
  • • Die Verlängerung der Warte- und Fahrzeit, bezogen auf die bisherige planmäßige Abfahrt, beträgt zwischen Detmold und Bielefeld 40 Minuten, von Lippe in weiter entfernte Ziele ebenfalls 40 Minuten. Alle anderen Streichungen verlängern die Fahrzeiten um maximal 30 Minuten.

• Am Bahnhof Oerlinghausen-Leopoldshöhe besteht ein eng koordiniertes Bahn-Bus-Angebot, wie es an keiner anderen betroffenen Linie besteht, das ohne Zuganschluss weitgehend sinnfrei ist.

Dieser markante Unterschied zu den übrigen Streichungen wird beim Vergleich sichtbar:

  • Im Dieselnetz:
  • • RB 67 Münster – Warendorf – Rheda – Bielefeld wird im Abschnitt Rheda – Bielefeld gestrichen. Anschluss von / nach Gütersloh Hbf und Bielefeld Hbf besteht mit einer Fahrzeitverlängerung von weniger als 15 Minuten. Zwischen Bielefeld und Münster bestehen weitere Verbindungen über Hamm.
  • Im elektrischen Netz:
  • • RB 63 Münster – Rheine: Von 4 Zügen je Stunden wird einer gestrichen, das ist eine Reduzierung um 25 %. Dies gilt nur Montag bis Freitag. Für die Städte Emsdetten und Greven steht weiterhin ein Halbstundentakt mit schnellen Zügen zur Verfügung. Lediglich für die kleinen Stationen – u. a. Ortsteile von Münster und Rheine – wird das Angebot um 50 % reduziert.
  • • RB 66 Münster – Osnabrück: Das Angebot wird um 25 % reduziert, da parallel weiterhin RE 2 verkehrt: Es fahren je Richtung in 2 Stunden 3 statt bisher 4 Züge. Zusätzlich verkehren stündlich ICE/IC.
  • • RB 67 Münster – Warendorf – Rheda – Bielefeld wird im Abschnitt Rheda – Bielefeld gestrichen. Anschluss von / nach Gütersloh Hbf und Bielefeld Hbf besteht mit einer Fahrzeitverlängerung von weniger als 15 Minuten. Zwischen Bielefeld und Münster bestehen weitere Verbindungen über Hamm.

Damit ist die Reduzierung des Angebots von 45 % für Detmold und Lage unangemessen.

Alternativen

Vorausschauend hätte dafür gesorgt werden müssen, dass der RE 82 Bielefeld -Detmold – Altenbeken weitgehend im Angebot bleibt. Das notwendige Personal hätte durch Reduzierung des Angebots auf anderen Linien gewonnen werden können. Nach wie vor wird beispielsweise das Hellweg-Netz (Paderborn – Hamm) ganztägig und auch am Wochenende halbstündlich zusätzlich zum Regionalexpress bedient. Weiter wird der RE 78Minden – Bielefeld ganztags und auch am Wochenende zeitlich unmittelbar parallel zum RE 60 Minden -. Löhne / RB 77 Löhne – Herford / RB 61 Herford – Bielefeld gefahren, und dies parallel zu dem stündlichen RRX 6 Minden – Köln und RE 70 Braunschweig -Bielefeld. Die Verschlechterung der Qualität wäre dort viel geringer als im Kreis Lippe.
Eine Schwierigkeit besteht darin, dass Personale dieser Linien in der Regel weder Streckenkunde haben noch das Fahrzeug kennen, sodass eine geordnete Vorbereitung durch Ausbildung und gegebenenfalls entsprechenden Finanzausgleich für längere Anfahrten erfolgen müssen. Das zeigt, dass die Eurobahn aus eigener Kompetenz das Problem nicht lösen könnte, dass aber der NWL seiner Verantwortung nicht gerecht geworden ist.
Schließlich muss auch hinterfragt werden, inwieweit der erweiterte Nachtverkehr aufrechterhalten werden muss oder auf Bus umgestellt werden kann. Trotz Personalmangels werden weiterhin angeboten:
Nächte Freitag auf Samstag und Samstag auf Sonntag: 0.15 Uhr und nach Lemgo.
Bielefeld ab 23.00 Uhr, 23.27 Uhr, 0.29 Uhr und 2.00 Uhr nach Minden.
Zusätzlich Bielefeld ab 23.12 Uhr und 0.12 Uhr bis Herford,
Bielefeld ab 0.07 Uhr und 1.15 Uhr nach Hamm.
Es kann nicht richtig sein, dass Schüler, Studenten und Arbeitnehmer lange Wartezeiten hinnehmen müssen, während Besucher von Discos weiterhin uneingeschränkt bedient werden.
Wir haben den Eindruck, dass der NWL den bequemen Weg gewählt hat, das Problem allein auf dem Rücken des Kreises Lippe zu lösen.

Weitere Entwicklung 2024: Weniger Fernverkehrs-Anschlüsse in Herford

Die weitere Entwicklung des Fernverkehrs erfordert, dass das Angebot des RE 82 so schnell wie möglich wieder hergestellt wird.
Derzeit können Fahrgäste Fernverkehrszüge noch in Herford mit der Regionalbahn 72 erreichen. Jedoch wird die DB im Fernverkehr auf Personalmangel reagieren müssen. Daher ist – wie inoffiziell bekannt wurde – mit der Streichung der ICE Ruhrgebiet – Berlin mit Halt in Herford für Mitte Juli 2024 zu rechnen, wenn mehr Personal anlässlich der Streckensperrung Frankfurt – Mannheim benötigt wird. In den Fahrplänen ist dies noch nicht verzeichnet.
Zu Mitte Oktober werden die Fernverkehrs-Anschlüsse in Herford weiter reduziert. Grund sind Bauarbeiten im Raum Herford. Diese Streichungen sind bereits aus dem Fahrplan ersichtlich. Dann sind Fernverkehrszüge nur noch in Bielefeld erreichbar.

Weitere Entwicklung ab 2025: Verschärfte Dieselnetz-Probleme

Notfahrpläne werden sich gerade zulasten des Kreises Lippe auf Jahre hinaus wiederholen, wenn der NWL keine wirksamen Maßnahmen ergreift. Diesen Schluss lässt die Beobachtung der bundesweiten Entwicklung zu:
Die heute vom Standort Bielefeld aus eingesetztem Fahrzeuge für RB 73 und RE 82 werden noch mit Diesel betrieben. Diese sollen durch elektrische Fahrzeuge (Fachbegriff BEMU) ersetzt werden, die ihren Strom aus Batterien erhalten, wenn sie nicht unter einer Oberleitung fahren. Dies war zunächst für Ende 2025 vorgesehen, da die Fahrzeuge aber so schnell nicht zur Verfügung stehen, wurde der Vertrag mit der Eurobahn um 3 Jahre verlängert.
Die Strukturveränderungen:

  • • Lokführer müssen umfassen auf ein ganz anders zu bedienendes Fahrzeug umgeschult werden.
  • • Während der Umschulung entsteht ein stark erhöhter Personalbedarf.
  • • Da auch das Unternehmen wechselt, entsteht eine Konkurrenz um das knappe Personal.
  • • Die Werkstatt wird nicht mehr durch die Eurobahn betrieben, sondern durch den Hersteller der Fahrzeuge.
  • • Das Werkstattpersonal muss grundlegend umgeschult werden.
  • • Der Hersteller der Fahrzeuge entscheidet frei, ob er den Betrieb Bielefeld-Meisenstraße übernimmt oder einen anderen Standort wählt.
  • • Die Anzahl der neuen Fahrzeuge ist weitaus größer als die der heutigen Dieselfahrzeuge. Der Standort Bielefeld-Meisenstraße reicht ohne erheblichen Ausbau nicht aus.

Die bisherigen Erfahrungen mit solchen Veränderungen zeigen:

  • • Lokführer wechseln vorzeitig zum neuen Betreiber. Der alte Betreiber muss seinen Betrieb drastisch reduzieren.
  • • Das Personal der Werkstatt sucht sich rechtzeitig einen neuen Arbeitsplatz. Die Anzahl der einsetzbaren Fahrzeuge schrumpft vor Ende des Betriebes.
  • • Die neuen Fahrzeuge stehen nicht oder nicht vollständig zum Zeitpunkt des vorgesehenen Einsatzbeginns zur Verfügung.
  • • Personalmangel bei Unternehmen und Aufsichtsbehörden führen zu diesen Problemen. Diese verschärfen sich zunehmend.
  • • Neue Fahrzeuge funktionieren oft nicht problemlos. Da die alten Fahrzeuge nicht mehr zur Verfügung stehen, fallen Züge aus.

Aus guten Gründen hat das Land Schleswig-Holstein den Übergang auf solche BEMU-Fahrzeuge mit besonderen Maßnahmen gesichert, in dem bisher eingesetzte Dieselfahrzeuge weiterhin als Reserve zur Verfügung stehen und der Druck genommen wurde, das zum Tag X alle Fahrzeuge und Lokführer dafür zur Verfügung stehen.
Ob der NWL ähnlich geeignete Vorsorge getroffen hat, ist nicht bekannt. Wir müssen davon ausgehen, dass in den Ausschreibungen keine Vorsorge getroffen wurde, weil dies erhebliche Finanzaufwendungen erfordert.
Es ist unter den derzeitigen Bedingungen der Personalknappheit, die noch auf Jahre hinaus bestehen wird, nicht akzeptabel, wenn sich ein Besteller darauf verlässt, dass Zusagen eingehalten werden.

Die besondere Situation der Eurobahn und des Standorts Bielefeld

Genauso wenig ist bekannt, wie es mit dem Unternehmen Eurobahn weitergeht. Die Eurobahn, ursprünglich eine Tochtergesellschaft der französischen Staatsbahn, steht heute im Besitz eines Investors, der an sich keine Eisenbahnen betreibt. Soweit bekannt, wird seit zwei Jahren versucht, das Unternehmen Eurobahn an einen neuen Eigentümer in der Branche zu verkaufen. Etwaige Verhandlungen finden hinter geschlossenen Türen statt, was an sich verständlich ist, aber: Auch ein neues Unternehmen kann die Strukturprobleme nicht lösen, die durch das Dieselnetz und dem Standort Bielefeld-Meisenstraße bestehen. Dies muss der NWL tun,
Zwar haben in jüngster Zeit einige Unternehmen an neue Eigentümer verkauft werden können, so GoAhead Bayern an die Österreichische Bundesbahn und vor wenigen Tagen ehemalige Abellio-Unternehmen, unter anderem die Westfalenbahn, an die Benex-Gruppe. Diese Verkäufe unterscheiden sich aber wesentlich von dem Fall „Eurobahn“: Die verkauften Unternehmen sind reine Elektro-Netze. Für die Eurobahn ist das Dieselnetz, zu dem der RE 82 Bielefeld – Detmold – Altenbeken gehört, und die vorstehend genannten Veränderungen der Struktur das eigentliche Problem.
Wir sind zwar der Überzeugung, dass auf der Seite der Eurobahn mit Engagement daran gearbeitet wird, die Probleme zu lösen, aber die Lösung liegt weitgehend nicht in der Hand der Eurobahn.

Mögliche Lösungen des Eurobahn-Problems

Da das Unternehmen Eurobahn unter den gegebenen Bedingungen nicht verkäuflich erscheint, ist die Übernahme in Eigenregie durch den NWL die wichtigste Alternative.
Dabei muss der NWL Verantwortung über das bisherige Maß hinaus übernehmen. Es ist aber zu beachten, dass der NWL die zu übernehmende Verantwortung bereits indirekt trägt:

  • Anders als in der Phase von 1997 bis 2017 trägt der NWL ein erheblich gesteigertes Risiko und kann sich im Ergebnis nicht auf Verträge berufen, weil Ansprüche aus Verträgen gar nicht oder nur zulasten der Fahrgäste und zulasten der Erreichbarkeit der Regionen durchgesetzt werden können.
  • Durch Ausschreibungen wird kein Personal generiert. Verträge verhindern vielmehr, dass Mängel gerecht und sachgerecht verteilt werden können. Das realisiert sich gerade durch die Fahrplankürzungen der Eurobahn und trifft exemplarisch den Kreis Lippe in aller Härte.
  • Eine durchaus reale Möglichkeit ist ein Konkurs des Unternehmens mit anschließender Liquidation. Im Fall Abellio war diese Entwicklung gerade noch abgewendet worden. Andere Unternehmen sind bereits tatsächlich insolvent geworden, sodass der Betrieb nur durch wesentliche zusätzliche Gelder der Besteller aufrechterhalten werden konnte.
  • In einem Eigenbetrieb könnten Probleme sehr viel einfacher gelöst werden. Bleibt es bei der derzeitigen Situation, so werden Problemlösungen immer durch die gegenläufigen Interessen schwierig, wenn nicht unmöglich.
  • Die Beispiele anderer Bundesländer, die über eigene Landesbahnen in öffentlicher Trägerschaft verfügen (Hessen, Baden-Württemberg, Thüringen) zeigen, dass die Aufgabenträger über bessere Informationen über interne Vorgänge in den Unternehmen verfügen.

Mangelhafte Zusammenarbeit mit dem NWL: Bürgerbeteiling nicht gefragt

Die geordnete Zusammenarbeit des NWL mit Vertretern von Fahrgast- und Wirtschaftsinteressen hätte die Erörterung und Lösung der Probleme sehr viel früher möglich gemacht. Bürgerbeteiligung scheint für den NWL zunehmend zu einem Fremdwort zu werden.
Leider mussten wir den Eindruck gewinnen, dass der NWL an einer Zusammenarbeit mit Institutionen, die Fahrgastinteressen und regionale Wirtschaftsinteressen vertreten, nicht interessiert ist.
Dies war grundlegend anders, solange der Verkehrsverbund Ostwestfalen Lippe (VVOWL) selbstständiger Aufgabenträger bzw. Teilorganisation des NWL war.
Seit 1997 sind der Fahrgastverband PRO BAHN und der VCD im Fahrgastbeirat des VVOWL vertreten. Dort wurde konstruktiv und engagiert mit zusammen mit der Geschäftsleitung Probleme offen diskutiert und Lösungen erarbeitet. Das geschieht auch heute noch in diesem Beirat – nur ist der VVOWL nicht mehr SPNV-Aufgabenträger, sondern inzwischen hilfloser Zuschauer einer verhängnisvollen Entwicklung.
Es war in der Vergangenheit nicht notwendig, die Arbeit des VVOWL bzw. des NWL öffentlich zu kritisieren, da die Bereitschaft bestand, anstehende Probleme früh zu diskutieren und Einwände ernst zu nehmen.
Besonders ist hervorzuheben, dass für die lang dauernden Streckensperrungen am Rehbergtunnel (Altenbeken), im Bielefelder Stadtgebiet und in Lage sehr gute Lösungen für den Ersatzbus-Verkehr gefunden und realisiert werden konnten, die trotz aller Probleme nicht das Gefühl aufkommen ließen, der Kreis Lippe werde abgehängt.
Das ist jetzt anders, seitdem der VVOWL nicht mehr Teil des NWL ist: Vollendete Tatsachen erfahren wir – und auch Sie – aus der Presse.