Kaum Zugausfälle bei Bahn-Streik: In OWL

In Ostwestfalen-Lippe fahren während der angekündigten Streiks der GDL fast alle Regionalzüge nach Plan, nur sehr wenige Züge werden ausfallen. Im Fernverkehr fahren Züge nur ab/nach Bielefeld.

Betroffen sind nur der Fernverkehr und die Regionalbahn-Linie Löhne – Hameln. Zwischen Rheine und Löhne wird jeder vierte Zug ausfallen. Unabhängig davon wird es durch Personalmangel Ausfälle bei der Eurobahn geben, wobei die Kreise Lippe und Warendorf massiv betroffen sind.

Die Bilder von leeren Bahnhöfen und massiven Zugausfällen werden für Ostwestfalen-Lippe nicht zutreffen und auch in das Umland bis Hannover, Kassel und Köln wird es gute Verbindungen geben.

Rat für Fahrgäste für den nächsten Streik: Glauben Sie nicht, was Pressemeldungen sagen, wenn sich diese nicht speziell auf unsere Region beziehen – recherchieren Sie selbst!

Details:

Kaum Ausfälle bei Stellwerken

In Ostwestfalen-Lippe wurden Ausfälle von Stellwerken wegen des Streiks der GDL nicht beobachtet. Eine bestreikte Schicht am Sonntagmorgen betraf die Verbindung Dortmund – Hamm, sodass alle Züge über Lünen umgeleitet werden mussten. Auf der Strecke Hagen – Siegen war der Verkehr zeitweise eingestellt. In den neuen Bundesländern kam es fallweise zu größeren Störungen.

 

ICE-Fernverkehr im Notfahrplan

Während des Streiks wird die Deutsche Bahn einen Notfahrplan für den Fernverkehr aufrechterhalten, der ungefähr jede zweite Stunde einen ICE-Zug in Bielefeld Richtung Berlin und Rhein/Ruhr halten lässt. Die Züge werden meistens pünktlicher als gewohnt sein und in der Regel nicht überlastet sein. Der Notfahrplan ist seit Montagabend in der Fahrplanauskunft abrufbar.

Intercity fallen aus

Die Intercity-Verbindungen nach Dresden, Amsterdam und Gera fallen voraussichtlich vollständig aus, sodass in Bünde, Gütersloh, Herford, Bad Oeynhausen, Paderborn, Altenbeken und Warburg ohne Fernverkehrszüge sind.

Flixtrain nach Plan

Die wenigen Flixtrain-Züge werden unterwegs sein, aber meist überlastet sein.

Regionalverkehr: Die allermeisten Linien fahren!

Die Züge der Deutschen Bahn AG, die bestreikt werden, bedienen in Ostwestfalen-Lippe nur noch zwei Linien.
Die RB 77 „Weserbahn“ Hameln – Herford wird ersatzlos ausfallen.
Die Linie RE 62, die zweistündlich von Löhne nach Rheine fährt, wird ausfallen.  Die Westfalenbahn RE 60 Rheine – Hannover und Eurobahn RB 69 Hengelo – Bielefeld werden zur Verfügung stehen, sofern nicht Personalmangel den Fahrplan stört.
Alle anderen Linien bleiben in Betrieb!

Verkehr über Ostwestfalen-Lippe hinaus

Nordrhein-Westfalen: Rhein-Ruhr-Express und andere fahren planmäßig

Rhein-Ruhr-Express (National Express), Eurobahn, Westfalenbahn und Nordwestbahn, die in Nordrhein-Westfalen einen großen Anteil des Regionalverkehrs leisten, werden planmäßig unterwegs sein. Damit werden die meisten Verkehrsverbindungen in weite Teile von Nordrhein-Westfalen zur Verfügung stehen. Damit bleiben Bonn, Köln, Düsseldorf und Aachen erreichbar. S-Bahnen im Ruhrgebiet und im Raum Köln werden weitgehend ausfallen.

Richtung Hannover und Umland
Alle Regionalzüge und S-Bahnen werden im Einsatz sein. Ausgenommen ist die Linie Hannover – Soltau, die bestreikt werden wird.

 

Hamburg und Schleswig-Holstein
Hamburg und der Osten von Schleswig-Holstein bleiben mit langer Fahrzeit über Hannover – Lüneburg erreichbar.

Richtung Bremen
Bremen bleibt ab Osnabrück mit Fahrzeitverlängerung von einer Stunde mit der Nordwestbahn über Wildeshausen erreichbar.

 Mecklenburg-Vorpommern

ist so gut wie nicht erreichbar.

Berlin, Sachsen-Anhalt, Sachsen
Die Routen Wolfsburg – Magdeburg, Goslar – Magdeburg, Magdeburg – Berlin, Goslar – Halle und Kassel – Halle werden vom Streik nicht betroffen sein, soweit nicht einzelne bestreikte Stellwerke Probleme verursachen. Sachsen ist so gut wie nicht erreichbar.
Bayern, Baden-Württemberg, Südhessen
sind ab Köln und Kassel mit sehr wenigen ICE erreichbar (Notfahrplan).

Richtung Oldenburg / Emden / Ostfriesische Inseln
Die Westfalenbahn wird Richtung Emden und die Nordwestbahn Richtung Oldenburg planmäßig fahren. Im Anschluss daran verkehren Busse bis Norddeich, über Aurich auch nach Bensersiel, aber nur mit mehrfachem Umsteigen.

Richtung Münster
Münster bleibt über Warendorf und Hamm erreichbar. Über Münster hinaus fallen aber viele Verbindungen aus.

Richtung Niederlande
Die Niederlande bleiben über Bad Bentheim und Venlo erreichbar.

Hessen, Rheinland-Pfalz

Bis Kassel werden alle Züge des Rhein-Ruhr-Express zur Verfügung stehen.
Ab Kassel werden einige ICE im Notfahrplan unterwegs sein. Daneben stehen bis Frankfurt zweistündlich Züge der Hessischen Landesbahn und bis Fulda und Eisenach Züge des Unternehmens cantus zur Verfügung. Über Bonn bleibt Koblenz erreichbar, mit langer Fahrzeit sind auch Wiesbaden, Mainz und Saarbrücken über Idar-Oberstein erreichbar.

 

Zugausfälle der Eurobahn

Bei der Eurobahn fallen Züge wegen Personalmangel häufiger aus. Massiv betroffen davon sind der Kreis Lippe und der Kreis Warendorf. Hier sind für den 7. März bereits der Ausfall des Regionalexpress RE 82 Bielefeld – Altenbeken angekündigt. Diese Ausfälle sind nicht durch den Streik bedingt.

Mehr zu Zugausfällen bei der Eurobahn hier.

Wie plant man für einen Streiktag?

Fahrplanauskünfte für Umsteigeverbindungen sind meist nutzlos. Direktverbindungen werden korrekt angezeigt.

Wer unbedingt reisen oder pendeln muss, nutzt die „Abfahrten und Ankünfte“ im DB Navigator.

Wichtig ist: Welches Unternehmen fährt den Zug, den ich benutzen will? Dies ist unter jeden Zuglauf unter dem Stichwort „Beförderer“ vermerkt. Den Zuglauf findet man über die Funktion „Abfahrten und Ankünfte“ im DB Navigator. Klickt man auf den Zug, der dort verzeichnet ist, wird der Fahrtverlauf angezeigt und darunter „Beförderer“ steht der Name des Unternehmens. Züge von „DB Fernverkehr“, „DB Regio“ und „Start“ gehören zur Deutschen Bahn und werden bestreikt, Unternehmen wie „National Express“, „Westfalenbahn“ und andere sind unabhängig und werden nicht bestreikt. Auch die Bezeichnungen „ICE“, „IC“, „RE“ und „RB“ weisen in der Regel auf Züge der Deutschen Bahn hin, während Bezeichnungen wie „RRX“, „wFB“, „ERB“ und „NWB“ auf andere Unternehmen hindeuten. Die Bezeichnung „S-Bahn“ sagt nichts über den Betreiber, hier muss man immer nachschauen.
Am Streiktag selbst werden die Abfahrtstafeln recht zuverlässig Auskunft geben, ob ein Zug fährt oder nicht.

Die Suche nach Verbindungen ist meistens wenig hilfreich, da oft nur Verbindungen angezeigt werden, die auf einem Teilstück ausfallen. Die Fahrplanauskünfte finden am auch am Streiktag nicht heraus, was fährt. Man muss die Verbindungen einzeln abfragen.

Die Abfahrtstafeln im Internet findet man mit dem Link
https://reiseauskunft.bahn.de/bin/bhftafel.exe/dn?

 

Kulanz, Fahrgastrechte, Stornierungen

Die Zugbindung für Fernverkehrs-Fahrkarten der Deutschen Bahn ist aufgehoben (Kulanz).
Wer seine Fahrkarte kostenfrei stornieren will, muss das über das Fahrgastrechte-Formular tun, da nur auf diesem Weg die volle Erstattung sichergestellt ist. Wer Verspätungen erleidet, kann einen Teil des Ticketpreises über das Fahrgastrechte-Formular zurückerhalten. Verspätung in diesem Sinne ist der Unterschied in der Ankunft gemäß gebuchter Reise und der tatsächlichen Ankunft.
Wem die Erstattung nicht wunschgemäß ausgezahlt wird, kann sich an die Schlichtungsstelle SÖP in Berlin wenden.

 

Streik-Bilanz: Viele Züge fahren trotzdem

Während der GDL-Streiks im Januar 2024 dennoch unterwegs. Die Bilder von leeren Bahnhöfen und die Angabe, dass der Streik massive Auswirkungen hatte, traf für Ostwestfalen-Lippe nur in Einzelfällen zu.

Rat für Fahrgäste für den nächsten Streik: Glauben Sie nicht, was die Presse schreibt – recherchieren Sie selbst!

Erfahrungen mit Streik der GDL im Januar 2024

Fernverkehr im Notfahrplan

Während des Streiks konnte die Deutsche Bahn einen Notfahrplan für den Fernverkehr aufrechterhalten, der ungefähr jede zweite Stunde einen ICE-Zug in Bielefeld Richtung Berlin und Rhein/Ruhr halten ließ. Die Züge waren meistens pünktlicher als gewohnt und in der Regel nicht überlastet. Die Intercity-Verbindungen nach Dresden und Amsterdam fielen vollständig aus, sodass in Bünde, Gütersloh, Herford, Bad Oeynhausen, Paderborn, Altenbeken und Warburg ohne Verkehrsangebot war. Die wenigen Flixtrain-Züge waren unterwegs, aber meist überlastet.

Regionalverkehr: Wenige Linien fielen ganz aus

Die Deutsche Bahn AG verantwortet in Ostwestfalen-Lippe nur noch zwei Linien.
Die RB 77 Hameln – Herford fiel ersatzlos aus.  Die Linie RE 62 Löhne – Rheine fiel aus, Westfalenbahn und Eurobahn betreiben aber drei Viertel der Verbindungen auf dieser Linie.

Transdev (Nordwestbahn, S-Bahn Hannover) nur in den ersten Streiktagen betroffen

Anfangs war auch der Betrieb auf den Linien
* Bielefeld – Halle – Osnabrück
* Bielefeld – Paderborn
* Paderborn – Höxter – Kreiensen / Göttingen
* Minden – Hannover
* Paderborn – Hannover
betroffen. Die GDL beendete den Streik gegen Transdev vorzeitig.

Rhein-Ruhr-Express, Eurobahn, Westfalenbahn fuhren planmäßig

Rhein-Ruhr-Express (National Express), Eurobahn und Westfalenbahn, die in Nordrhein-Westfalen einen großen Anteil des Regionalverkehrs leisten, waren planmäßig unterwegs. Damit waren die meisten Verkehrsverbindungen in Ostwestfalen-Lippe und in weite Teile von Nordrhein-Westfalen sowie bis Kassel und Hannover in Betrieb.

Kaum Ausfälle bei Stellwerken

In Ostwestfalen-Lippe wurden Ausfälle von Stellwerken wegen des Streiks nicht beobachtet. Eine Schicht am Sonntagmorgen traf die Verbindung Dortmund – Hamm, sodass alle Züge über Lünen umgeleitet werden mussten. Auf der Strecke Hagen – Siegen war der Verkehr zeitweise eingestellt.

Stark betroffen: S-Bahn in NRW, Münsterland, Sauerland, Raum Köln

Nicht gefahren sind vor allem die S-Bahnen in NRW und im Raum Hannover. Eine Ausnahme ist die S 28 Regiobahn Kaarst – Düsseldorf – Wuppertal, die nicht von der DB betrieben wird.
Besonders betroffen vom Streik waren das Sauerland und die Eifel und das Rhein- und Siegtal südlich von Köln. Hier sind nur Züge gefahren, soweit das Personal der konkurrierende Gewerkschaft EVG angehört. So hat die DB Regio zwischen Köln und Koblenz über die rechte Rheinstrecke alle 2 Stunden mit der RB 27 eine Fahrmöglichkeit aufrechterhalten. Im Sauerland ist der Express Hagen – Warburg weiter in Betrieb geblieben.

Viele entferntere Ziele blieben erreichbar – mit mehr Zeitaufwand

Entferntere Ziele blieben erreichbar, auch mit dem Deutschlandticket, soweit nicht Baustellen die Linien beeinträchtigten:
* Emden über Münster, Ostfriesische Inseln mit Bussen
* Hamburg über Hannover – Uelzen,
* Berlin über Wolfsburg – Magdeburg – Potsdam,
* Halle (Saale) über Goslar – Halberstadt und Kassel – Nordhausen,
* Fulda und Eisenach über Kassel – Bebra,
* Marburg, Gießen und Frankfurt über Kassel,
* Koblenz, Mainz und Darmstadt.

Einige Ziele kaum erreichbar

Ziele in Bremen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern, Saarland, nach Bayern und Baden-Württemberg waren nur mit den wenigen Fernzügen des Fernverkehrs oder auf weiten Umwegen erreichbar.

Fazit und Konsequenzen

Das Streikrecht ist im Grundgesetz abgesichert und daher als solches nicht infrage zu stellen.

Der Streik traf vor allem Pendler und Fernreisende, in einigen Regionen war jenseits etwa vorhandener Regionalbusse nichts möglich. Der Streik traf aber Menschen, die aus körperlichen oder wirtschaftlichen Gründen auf den öffentlichen Verkehr angewiesen sind, überdurchschnittlich hart. Man kann, da die streikende Gewerkschaft weder bereit noch verpflichtet war, einen Notdienst aufrechtzuerhalten, von Diskriminierung und von einer unangemessenen Benachteiligung sprechen, die nicht mehr unbedingt mit dem Streikrecht in Einklang gebracht werden kann. Öffentlicher Verkehr ist ein Teil der Daseinsvorsorge, wie beispielsweise Krankenversorgung und Pflege. Auch wenn ein fehlendes Angebot nicht gleich lebensbedrohlich ist – auch Mobilität ist ein Grundrecht.

Andere Länder wie etwa Italien kennen Garantie-Fahrpläne. Auch in Deutschland muss über einen solchen Garantiefahrplan nachgedacht werden.