Eurobahn-Krise Analyse und Handlungsbedarf

Zur aktuellen Lage des Schienenverkehrs der Eurobahn informiert der Fahrgastverband PRO BAHN Entscheidungsträger im Kreis Lippe über Zusammenhänge, Verantwortlichkeiten, Bewertung der Zugstreichungen und der Ersatzmaßnahmen, insbesondere den „Schnellbus“ Bielefeld – Detmold.

Zusammengefasst:

• Personalmangel ist in der gesamten Eisenbahnbranche vorhanden. Vorwürfe an einzelne Unternehmen sind nicht gerechtfertigt.

• Personalmangel rechtfertigt aber allein nicht das Ausmaß der Zugstreichungen im Kreis Lippe. Der Aufgabenträger Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) ist den Bürgern und Steuerzahlern verantwortlich, das Angebot besser zu gestalten.

• Der Kreis Lippe wird hinsichtoich der Erreichbarkeit durch die Zugstreichungen überproportional benachteiligt. Schon bisher wird der Kreis Lippe durch den NWL strukturell beim Abendverkehr benachteiligt.

• Auf Kritik hat die Eurobahn mit dem Einsatz eines „Schnellbusses“ Bielefeld – Detmold reagiert. Dies kann nur eine Übergangslösung sein, droht aber ein Dauerzustand zu werden, wenn nicht massiv Druck aufgebaut wird.

• Wegen Bauarbeiten werden die Bahnstrecken Lage – Detmold und Lage – Lemgo vom 5. Bis 28. Juli gesperrt. Dieses erfordert eine angepasste Beurteilung der aktuellen Lage.

• Noch vorhandene Anschlüsse zum Fernverkehr aus dem Kreis Lippe in Herford werden Mitte Juli 2024 stark reduziert und werden ab Mitte Oktober 2024 weiter drastisch reduziert.

• Darüber hinaus drohen konkret wiederholte Einstellungen nicht nur des RE 82 Detmold – Bielefeld, sondern auch der RB 73 Lemgo – Bielefeld auf Sicht von etwa 5 Jahren. Hintergrund dafür sind die besonderen Verhältnisse des Dieselnetzes mit Standort Bielefeld und des Unternehmens Eurobahn.

• Wesentlich verantwortlich ist der Zweckverband NWL. Ursachen der Misere sind mangelnde Voraussicht und mangelndes Problembewusstsein.

• Weiter blockiert der NWL die Wahrnehmung von Fahrgastinteressen durch alle Institutionen, die Fahrgastinteressen wahrnehmen.

• Erweiterte Handlungsmöglichkeiten bekommt der NWL nur, wenn die Eurobahn durch die öffentliche Hand übernommen wird. Wir halten eine solche Übernahme daher für richtig und zukunftsweisend.

Konkreten Forderungen:

• Wegen Bauarbeiten muss der „Schnellbus“ Bielefeld – Detmold bis Ende Juli erhalten bleiben.

• Nach dem 28. Juli muss der RE 82 Bielefeld – Detmold – Horn-Bad Meinberg wieder auf der Schiene verkehren. Dies erwarten wir zumindest für die nachfragestärkeren Zeiten an Nachmittagen von Montag bis Freitag und am Sonntag.

• Dafür muss der NWL gegebenenfalls Angebote an anderer Stelle streichen, damit Personal freigemacht werden kann. Bei einem Vorlauf bis Ende Juli ist das möglich.

• Darüber hinaus ist eine Spätverbindung in den Kreis Lippe mit Abfahrt Bielefeld um 22.51 Uhr nach Detmold mit Anschluss nach Lemgo einzurichten. Dies ist im Rahmen einer Revision des Gesamtfahrplans mit Wirksamkeit zu Ende 2025 zu leisten, muss aber bis Ende 2024 festgelegt werden.

• Der NWL muss die Eurobahn in öffentliche Hand überführen. Nur so lässt sich ein geordneter Übergang des Dieselnetzes auf elektrischen (Batterie-)Betrieb und eine schnellere Reaktion auf Notlagen organisieren.

Die Details:

Personalmangel in der Eisenbahnbranche

Der Personalmangel trifft die gesamte Eisenbahnbranche und beschränkt sich nicht auf Lokführer, sondern betrifft auch Zugbegleiter, Werkstätten und Management. Es ist auch kein spezifisches Problem der Eurobahn. Bei den Lokführern wird der Mangel schonungslos sichtbar: Ohne Lokführer fährt kein Zug.
Aus unserer Sicht tun Unternehmen – auch die Eurobahn – sehr viel, um Personal auszubilden. Bei einer Durchfallquote von 50 % (bundesweiter Durchschnitt, die Eurobahn nennt bessere Zahlen) kann aber der natürliche Abgang (Alter und Krankheit, Fluktuation) nur knapp ersetzt werden. Es kommen aber jetzt besondere Probleme hinzu: Krankheitswellen, Abwerbung durch Leiharbeitsfirmen, Abwerbung durch Fern- und Güterverkehrsunternehmen, Wechsel des Personals zu anderen Unternehmen mit besseren Arbeitsbedingungen, neueren Fahrzeugen und viele andere Gründe, die viele Jahre nicht bestanden.
Das Problem wird seit etwa 3 Jahren sichtbar, verschärft sich aber zunehmend. Landesregierung und Besteller des Nahverkehrs, auch der NWL, steuern zwar gegen, und die Abwerbung innerhalb des Regional- und Nahverkehrs kann als gestoppt angesehen werden. Damit ist das Problem aber nicht beherrschbar.
Um ein zuverlässiges Angebot sicherzustellen, müsste das Verkehrsangebot um 10 bis 15 Prozent reduziert werden.
Der Aufgabe, diese Reduzierung geordnet und sachgerecht vorzubereiten, hat sich der NWL nicht rechtzeitig gestellt. Bereits seit Ende 2022 kennen wir in anderen Regionen Notfahrpläne, die eingerichtet wurden, ohne dass Fahrgäste monatelang durch unberechenbare Zugausfälle gequält wurden.

Die Notmaßnahmen der Eurobahn und die spezifischen Bedürfnisse des Kreises Lippe

Für den Kreis Lippe ist die vollständige Einstellung des RE 82 ab morgens 9 Uhr nicht hinnehmbar.
Die spezifischen Bedingungen des Kreises Lippe sind auch nicht ansatzweise beachtet worden. Dies zu beachten, wäre in erster Linie Sache des NWL gewesen:
• Der Regionalexpress RE 82 dient nicht nur der örtlichen Erschließung, sondern ganz besonders der Anbindung an den überregionalen Fernverkehr mit den ICE-/IC-Halten Bielefeld und Altenbeken.
• Es besteht keine Alternative durch parallelen Fernverkehr.
• Für keine andere Stadt der Größe wie Detmold ist der direkte ICE-Anschluss gestrichen worden. Das Städtedreieck Lage – Lemgo – Detmold hat zusammen die Einwohnerzahl einer Großstadt, wird aber behandelt, als sei es der „ländliche Raum“ mit dünner Besiedlung!
• Kein Hochschulstandort ist derart abgehängt worden.
• Die Verlängerung der Fahrzeit beträgt von Lippe in weiter entfernte Ziele 40 Minuten – das wird auch durch den „Schnellbus“ nicht kompensiert. Streichungen an anderen Strecken verlängern die Fahrzeiten um maximal 30 Minuten.
• Am Bahnhof Oerlinghausen besteht ein eng koordiniertes Bahn-Bus-Angebot, wie es an keiner anderen betroffenen Linie besteht, das ohne Zuganschluss weitgehend sinnfrei ist.
Dieser markante Unterschied zu den übrigen Streichungen wird beim Vergleich sichtbar:
• RB 63 Münster – Rheine: Von 6 Zügen in 2 Stunden wird einer gestrichen, das ist eine Reduzierung um 16 %. Lediglich für die kleinen Stationen – u. a. Ortsteile von Münster und Rheine – wird das Angebot um 50 % reduziert.
• RB 66 Münster – Osnabrück: Das Angebot wird um 25 % reduziert, da parallel weiterhin RE 2 verkehrt: Es fahren je Richtung in 2 Stunden 3 statt bisher 4 Züge. Zusätzlich verkehren stündlich ICE/IC. Für Wochenenden wurde diese Streichung bereits wieder zurückgenommen.
• RB 67 Münster – Warendorf – Rheda – Bielefeld wird im Abschnitt Rheda – Bielefeld gestrichen. Anschluss von / nach Gütersloh Hbf und Bielefeld Hbf besteht mit einer Fahrzeitverlängerung von weniger als 15 Minuten. Zwischen Bielefeld und Münster bestehen weitere Verbindungen über Hamm. Zustzlich zu den Bahnverbindungen wurde nachträglich ein Busverkehr eingerichtet.
• RB 78 Bielefeld – Nienburg wird im Abschnitt Minden – Nienburg durch Bus ersetzt. Die Fahrgastnachfrage ist in diesem Abschnitt sehr gering, die Fahrzeitverlängerung beträgt 30 Minuten. Im überregionalen Verkehr bestehen weitere Fahrmöglichkeiten über Wunstorf und Osnabrück.

Erst aufgrund der massiven Proteste aus dem Kreis Lippe wurde die Plaztkapazität der RB 72 Herford – Paderborn heraufgesetzt, indem Fahrzeuge aus anderen Verkehrsverträgen umgesetzt wurden. Dass dies nicht sofort geschehen ist, zeigt, dassder NWL Bedürfnisse im Kreis Lippe nicht beachtet hat.

Damit ist die Reduzierung des Angebots von 45 % für Detmold, Lage und Lemgo unangemessen.

Strukturelle Benachteiligung des Kreises Lippe im Abendverkehr

Der letzte Zug in den Kreis Lippe fährt von Berlin fast eine Stunde früher, von Bielefeld mindestens eine Stunde früher und von Düsseldorf fast 2 Stunden früher als in alle anderen Städte Ostwestfalens.
Damit ist schon bisher der Kreis Lippe im Verhältnis zu anderen Kreisen mit gleich großer Bevölkerung im Schienenverkehr benachteiligt. Auf diese Benachteiligung kommt nun auch noch der Verlust der einzigen schnellen Verbindung zum Fernverkehr im Tagesverkehr “obendrauf”.

  • Die Städte des Kreises Lippe werden im Unterschied zu allen anderen größeren Städten in OWL nicht vom Fernverkehr bedient.
  • Die letzte Abfahrt in Bielefeld um 22.15 Uh lässt es nicht zu, Abendveranstaltungen zu besuchen, dies gilt auch für alle anderen Veranstaltungen. außerhalb des Kreises Lippe (ausgenommen am Freitagabend und Samstagabend).
  • Tagesreisen in relevante Städte wie Berlin oder Düsseldorf sind nur mit einem sehr viel kleineren Zeitfenster möglich.

Dies wird deutlich beim Vergleich der letzten Fahrmöglichkeit von Bielefeld, Düsseldorf und Berlin:
Letzte Abfahrt von Bielefeld
nach

Lage / Detmold, Lemgo 22.15 Uhr – mindestens 1 Stunde früher als nach
Gütersloh 0.07 Uhr
Herford 23.27 Uhr
Minden 23.27 Uhr
Bünde 23.12 Uhr
Paderborn 23.43 Uhr

Letzte Abfahrt von Berlin Hbf
nach

Lage / Detmold, Lemgo 18.56 – fast eine Stunde früher als nach
Gütersloh 19.45 Uhr
Herford 20.46 Uhr
Minden 19.45 Uhr
Bünde 20.46 Uhr
Paderborn 19.45 Uhr

Letzte Abfahrt von Düsseldorf
nach
Lage / Detmold, Lemgo 19.14 Uhr – fast 2 Stunden früher als nach
Gütersloh 21.27 Uhr
Herford 21.27 Uhr
Minden 21.27 Uhr
Bünde 20.43 Uhr
Paderborn 21.27 Uhr
(Alle Fahrpläne Montag bis Donnerstag, Ankunft bis kurz nach Mitternacht)

Der Kreis Lippe wird vom NWL schlechter behandelt als der Kreis Warendorf!

Hinzuweisen ist auch darauf, dass der Kreis Warendorf von Münster aus noch mit einer Abfahrt um 23.30 Uhr erreichbar ist. Es handelt sich um einen Zug der Eurobahn mit den gleichen Fahrzeugen und dem gleichen Personalmangel wie auf der Verbindung von Bielefeld in den Kreis Lippe.

Bewertung des „Schnellbusses“ Bielefeld – Detmold

Der „Schnellbus“ kann nur ein vorübergehender Zustand sein.
Zunächst ist die Umsetzung eine beachtliche Leistung angesichts der auch im Busverkehr bestehenden Personalknappheit.
Der Bus kann aber den Regionalexpress 82 auf der Schiene nicht ersetzen:
• Ausschließlich der Fernverkehrsanschluss von und nach Berlin ist mit dem Bus
• sichergestellt. Alle anderen Anschlüsse in Bielefeld werden verpasst.
• Die Fahrzeit ist gefühlt doppelt so lang wie mit dem Zug.
• Ein Zwischenhalt in Oerlinghausen-Leopoldshöhe mit
den wichtigen Anschlüssen in den Busverkehr ist nicht gegeben.
• Ein Zwischenhalt in Lage mit Anschluss von Lemgo ist nicht möglich.
Nur, weil aufgrund einer Streckensperrung vom 5. bis 28. Juli der RE 82 Detmold nicht erreichen kann, ist die Aufrechterhaltung dieses Angebots bis zum 28. Juli vertretbar. Die DB hat angekündigt, dass im Juli Weichen und Bahnübergänge im Abschnitt Lage – Detmold und Lage – Lemgo erneuert werden. Nach dem 28. Juli muss aber der RE 82 wieder auf der Schiene verkehren.

Dies muss selbst dann möglich gemacht werden, wenn ein Personalzuwachs nicht möglich ist:

Das Ungleichgewicht der Belastung mit den reduzierten Fahrplänen und die strukturelle Bedeutung des ICE-Anschlusses für den Kreis Lippe rechtfertigt weitergehende Eingriffe in die Fahrpläne an anderer Stelle des weiträumigen Netzes der Eurobahn:
• Der Nahverkehr im Hellweg-Netz (Paderborn – Hamm) wird ganztägig und auch am Wochenende halbstündlich zusätzlich zum Regionalexpress bedient.
• Weiter wird der RE 78 ganztags und auch am Wochenende zeitlich unmittelbar parallel zum RE 60 / RB 77 / RB 61 gefahren. Zusätzlich verkehrt der RRX 6 zwischen Bielefeld und Minden. Damit bestehen zwischen Bielefeld und Minden 3 Verbindungen, zwischen Bielefeld und Herford 4 Verbindungen in der Stunde.

Der NWL darf sich nicht – wie bisher – darauf beschränken, Verkehrsunternehmen innerhalb eines bestimmten Verkehrsangebotes sich selbst überlassen, sondern hat im Interesse der Gesamtheit der Fahrgäste das verantwortete Verkehrsangebot als Ganzes zu betrachten.

Eine Schwierigkeit besteht darin, dass Personale dieser Linien in der Regel weder Streckenkunde haben noch das Fahrzeug kennen, sodass eine geordnete Vorbereitung durch Ausbildung und gegebenenfalls entsprechenden Finanzausgleich für längere Anfahrten erfolgen muss. Das zeigt, dass die Eurobahn aus eigener Kompetenz das Problem nicht lösen kann, dass aber der NWL seiner Verantwortung nicht gerecht geworden ist.

Schließlich muss auch hinterfragt werden, inwieweit der erweiterte Nachtverkehr aufrechterhalten werden muss oder auf Bus umgestellt werden kann. Es kann nicht richtig sein, dass Schüler, Studenten, Geschäftsreisende und Arbeitnehmer von und zum Kreis Lippe lange Wartezeiten hinnehmen müssen, während Besucher von Discos auch nach Mitternacht weiterhin uneingeschränkt bedient werden.

Weitere Entwicklung 2024: Immer weniger Anschluss in Herford, Streckensperrungen Richtung Herford

Die Notwendigkeit einer schnellen Direktverbindung nach Bielefeld wird sich im Laufe des Jahres 2024 weiter verschärfen.

Entwicklung des Fernverkehrs in Herford

Die weitere Entwicklung des Fernverkehrs erfordert, dass das Angebot des RE 82 so schnell wie möglich wieder hergestellt wird.
Derzeit können Fahrgäste Fernverkehrszüge noch in Herford mit der Regionalbahn 72 erreichen. Jedoch wird die DB im Fernverkehr auf Personalmangel reagieren müssen. Daher ist – wie inoffiziell bekannt wurde – mit der Streichung der ICE Ruhrgebiet – Berlin mit Halt in Herford für Mitte Juli 2024 zu rechnen, wenn mehr Personal anlässlich der Streckensperrung Frankfurt – Mannheim benötigt wird. In den Fahrplänen ist dies noch nicht verzeichnet. Es fällt aber bereits auf, dass diese Züge recht oft wegen Personalmangel schon heute ausfallen, wobei dies erst am Verkehrstag selbst mitgeteilt wird.
Ab Mitte Oktober werden auch in Herford noch weniger Fernzüge halten. Wegen Brückenbauarbeiten steht für Züge Richtung Hannover nur noch Gleis 7 zur Verfügung. Das zeigen die bereits veröffentlichen Fernfahrpläne (zwar wird noch Gleis 4 angegeben, aber insoweit sind die Fahrpläne noch nicht korrigiert), während die Fahrpläne für den Nahverkehr noch nicht auf diese Bauarbeitern angepasst sind. Alle durchgehenden Züge der Richtung Hannover – Düsseldorf / Köln werden über die Gütergleise ohne Bahnsteig umgeleitet. Züge nach Osnabrück werden durch Busse ersetzt werden müssen, da sich die maßgebliche Baustelle an der Sofienstraße in Herford befindet und das benötigte Gleis nicht zur Verfügung steht.
Konkret reduzieren sich die Abfahrten von Fernverkehrszügen in Herford auf Ankünfte von Köln mit extrem knapper Umsteigezeit Richtung Lippe und Abfahrten in Richtung Hannover – Dresden mit einer Wartezeit von 62 Minuten aus Richtung Lippe. Außerdem werden zwei Flixtrain-Züge in dieser Richtung halten. Aus Richtung Berlin und in Richtung Ruhrgebiet bestehen keine Verbindungen. Für diese Reisenden ist der Umweg über Bielefeld zwingend.

Vollständige Sperrung der Strecke von Lippe nach Herford

Weiter ist damit zu rechnen, dass im Zuge dieser Bauarbeiten die Bahnverbindung von Detmold und Lage nach Herford ganz gesperrt wird. Für mindestens eine Woche ist dies bereits ausweislich einer Vorlage des NWL angekündigt. Personal kann die Eurobahn dadurch aber nicht einsparen.

„Schnellbus“ als Dauer-Notlösung für viele Jahre?

Den Schluss, dass sich der Einsatz von „Notfahrplänen“, wie sie am 8. April in Kraft gesetzt wurden, noch auf Jahre hinaus wiederholen wird (also nicht nur wiederholen kann), wenn nicht gezielt weitergehende Maßnahmen ergriffen werden, drängt sich aus bundesweiten Erfahrungen auf.
Die einfache Hoffnung, dass sich das gegenwärtige Personalproblem mit den heute laufenden Ausbildungsmaßnahmen lösen lässt, halten wir für nicht realistisch. Bundesweit sind die Personalprobleme gegeben. Die besonderen Bedingungen des „Dieselnetzes Ostwestfalen-Lippe“ zu denen RB 73 Bielefeld – Lemgo und RE 82 Bielefeld – Detmold – Altenbeken erfordern aber sehr viel weitergehende Maßnahmen.
Die Gründe:
• Die Dieselfahrzeuge sollen durch Batterie-elektrische Fahrzeuge abgelöst werden.
• Die neue Fahrzeuggeneration wird nicht mehr von der Eurobahn gewartet, sondern von den Herstellern.
Daraus folgt:
• Da Lokführer für die neuen Fahrzeuge geschult werden müssen, kommt es zu einem weiteren Engpass beim Personal.
• Erfahrungsgemäß können Hersteller aufgrund des Personalmangels Lieferzeiten nicht einhalten.
• Personalmangel verzögert auch die Zulassung und Inbetriebnahme der Fahrzeuge.
• Es ist nicht gesichert, dass der Standort Bielefeld, wo die Fahrzeuge jetzt gewartet werden, erhalten bleibt bzw. wo die Werkstatt für die nächste Fahrzeuggeneration stehen wird. Die Anzahl der Fahrzeuge wird weitaus größer sein als heute.

 

Nach bisherigen Erfahrungen kann nicht damit gerechnet werden, dass dieser Übergang reibungslos erfolgt. Alles, was nicht wie geplant läuft, führt dazu, dass Züge im Kreis Lippe wegen Mangel an betriebsfähigen Fahrzeugen und Personal nicht fahren. Der Übergang auf solche Fahrzeuge muss mit besonderen Maßnahmen gesichert werden, indem bisher eingesetzte Dieselfahrzeuge weiterhin als Reserve zur Verfügung stehen und der Übergang nicht auf einen Schlag an einem festen Stichtag geplant ist, sondern kontinuierlich nach Maßgabe der verfügbaren Ressourcen erfolgt.
Wo diese Vorsorge nicht getroffen wurde, hat es bereits Fälle gegeben, in denen bei derartigen Übergängen das Personal vorzeitig zu einem anderen Unternehmen gewechselt hat bzw. in der Ausbildung war, sodass der bisherige Betreiber nur noch einen Rumpfbetrieb sicherstellen konnte. Nach der Übernahme durch den neuen Betreiber hat es massive Zugausfälle gegeben, weil technische Probleme auftraten oder noch nicht genügend ausgebildetes Personal vorhanden war.

Es ist uns nicht bekannt, welche Maßnahmen der NWL getroffen hat, um eine solche Entwicklung zu verhindern. Das, was uns bekannt ist, ist ein Übergang an einem festen Stichtag, der, wie vorstehend erläutert, äußerst riskant ist.

Weitere Entwicklung 2024: Immer weniger Anschluss in Herford, Streckensperrungen Richtung Herford

Die Notwendigkeit einer schnellen Direktverbindung nach Bielefeld wird sich im Laufe des Jahres 2024 weiter verschärfen.

Entwicklung des Fernverkehrs in Herford

Die weitere Entwicklung des Fernverkehrs erfordert, dass das Angebot des RE 82 so schnell wie möglich wieder hergestellt wird.
Derzeit können Fahrgäste Fernverkehrszüge noch in Herford mit der Regionalbahn 72 erreichen. Jedoch wird die DB im Fernverkehr auf Personalmangel reagieren müssen. Daher ist – wie inoffiziell bekannt wurde – mit der Streichung der ICE Ruhrgebiet – Berlin mit Halt in Herford für Mitte Juli 2024 zu rechnen, wenn mehr Personal anlässlich der Streckensperrung Frankfurt – Mannheim benötigt wird. In den Fahrplänen ist dies noch nicht verzeichnet. Es fällt aber bereits auf, dass diese Züge recht oft wegen Personalmangel schon heute ausfallen, wobei dies erst am Verkehrstag selbst mitgeteilt wird.
Ab Mitte Oktober werden auch in Herford noch weniger Fernzüge halten. Wegen Brückenbauarbeiten steht für Züge Richtung Hannover nur noch Gleis 7 zur Verfügung. Das zeigen die bereits veröffentlichen Fernfahrpläne (zwar wird noch Gleis 4 angegeben, aber insoweit sind die Fahrpläne noch nicht korrigiert), während die Fahrpläne für den Nahverkehr noch nicht auf diese Bauarbeitern angepasst sind. Alle durchgehenden Züge der Richtung Hannover – Düsseldorf / Köln werden über die Gütergleise ohne Bahnsteig umgeleitet. Züge nach Osnabrück werden durch Busse ersetzt werden müssen, da sich die maßgebliche Baustelle an der Sofienstraße in Herford befindet und das benötigte Gleis nicht zur Verfügung steht.
Konkret reduzieren sich die Abfahrten von Fernverkehrszügen in Herford auf Ankünfte von Köln mit extrem knapper Umsteigezeit Richtung Lippe und Abfahrten in Richtung Hannover – Dresden mit einer Wartezeit von 62 Minuten aus Richtung Lippe. Außerdem werden zwei Flixtrain-Züge in dieser Richtung halten. Aus Richtung Berlin und in Richtung Ruhrgebiet bestehen keine Verbindungen. Für diese Reisenden ist der Umweg über Bielefeld zwingend.

Vollständige Sperrung der Strecke von Lippe nach Herford

Weiter ist damit zu rechnen, dass im Zuge dieser Bauarbeiten die Bahnverbindung von Detmold und Lage nach Herford ganz gesperrt wird. Für mindestens eine Woche ist dies bereits ausweislich einer Vorlage des NWL angekündigt. Personal kann die Eurobahn dadurch aber nicht einsparen.

„Schnellbus“ als Dauer-Notlösung für viele Jahre?

Den Schluss, dass sich der Einsatz von „Notfahrplänen“, wie sie am 8. April in Kraft gesetzt wurden, noch auf Jahre hinaus wiederholen wird (also nicht nur wiederholen kann), wenn nicht gezielt weitergehende Maßnahmen ergriffen werden, drängt sich aus bundesweiten Erfahrungen auf.
Die einfache Hoffnung, dass sich das gegenwärtige Personalproblem mit den heute laufenden Ausbildungsmaßnahmen lösen lässt, halten wir für nicht realistisch. Bundesweit sind die Personalprobleme gegeben. Die besonderen Bedingungen des „Dieselnetzes Ostwestfalen-Lippe“ zu denen RB 73 Bielefeld – Lemgo und RE 82 Bielefeld – Detmold – Altenbeken erfordern aber sehr viel weitergehende Maßnahmen.
Die Gründe:
• Die Dieselfahrzeuge sollen durch Batterie-elektrische Fahrzeuge abgelöst werden.
• Die neue Fahrzeuggeneration wird nicht mehr von der Eurobahn gewartet, sondern von den Herstellern.
Daraus folgt:
• Da Lokführer für die neuen Fahrzeuge geschult werden müssen, kommt es zu einem weiteren Engpass beim Personal.
• Erfahrungsgemäß können Hersteller aufgrund des Personalmangels Lieferzeiten nicht einhalten.
• Personalmangel verzögert auch die Zulassung und Inbetriebnahme der Fahrzeuge.
• Es ist nicht gesichert, dass der Standort Bielefeld, wo die Fahrzeuge jetzt gewartet werden, erhalten bleibt bzw. wo die Werkstatt für die nächste Fahrzeuggeneration stehen wird. Die Anzahl der Fahrzeuge wird weitaus größer sein als heute.

 

Nach bisherigen Erfahrungen kann nicht damit gerechnet werden, dass dieser Übergang reibungslos erfolgt. Alles, was nicht wie geplant läuft, führt dazu, dass Züge im Kreis Lippe wegen Mangel an betriebsfähigen Fahrzeugen und Personal nicht fahren. Der Übergang auf solche Fahrzeuge muss mit besonderen Maßnahmen gesichert werden, indem bisher eingesetzte Dieselfahrzeuge weiterhin als Reserve zur Verfügung stehen und der Übergang nicht auf einen Schlag an einem festen Stichtag geplant ist, sondern kontinuierlich nach Maßgabe der verfügbaren Ressourcen erfolgt.
Wo diese Vorsorge nicht getroffen wurde, hat es bereits Fälle gegeben, in denen bei derartigen Übergängen das Personal vorzeitig zu einem anderen Unternehmen gewechselt hat bzw. in der Ausbildung war, sodass der bisherige Betreiber nur noch einen Rumpfbetrieb sicherstellen konnte. Nach der Übernahme durch den neuen Betreiber hat es massive Zugausfälle gegeben, weil technische Probleme auftraten oder noch nicht genügend ausgebildetes Personal vorhanden war.

Es ist uns nicht bekannt, welche Maßnahmen der NWL getroffen hat, um eine solche Entwicklung zu verhindern. Das, was uns bekannt ist, ist ein Übergang an einem festen Stichtag, der, wie vorstehend erläutert, äußerst riskant ist.

Übernahme der Eurobahn in öffentliche Hand

Die vorgenannten Kapitel zeigen: Mit der bisherigen Methode der Ausschreibung an Dienstleister sind die Probleme nicht bzw. nur auf dem Rücken der Fahrgäste und ganz besonders zulasten des Kreises Lippe zu bewältigen. Beispiele aus den Bundesländern Hessen und Baden-Württemberg zeigen, dass die dort landeseigenen Eisenbahnen als gute Puffer für Krisen wirken. So konnte das Land Baden-Württemberg die notleidend gewordene Abellio-Tochter übernehmen, ohne dass das Verkehrsangebot darunter gelitten hat. Genauso konnte aktuell ein gravierender Fahrzeugmangel im Raum Freiburg sehr schnell gelindert werden, indem die landeseigene SWEG Fahrzeuge abgeben konnte, die durch Anlieferung von Batterietriebwagen abgelöst wurden. Ähnliches kennen wir von Unternehmen, die der öffentlichen Hand gehören, wie AKN, EVB, Erfurter Bahn, Regiobahn und insbesondere den städtischen Verkehrsbetrieben mit Stadtbahnen wie AVG und Regiotram.
Die Übernahme des Eurobahn-Netzes ist nach EU-Recht zulässig und auch kein Abschied vom Wettbewerb an sich. Das EU-Recht sichert auch, dass bei einer sogenannten „Inhouse-Vergabe“ keine versteckten Subventionen durch überhöhte Preise möglich sind.

Mangelhafte Zusammenarbeit mit dem NWL

Entscheidungen werden vom NWL hingegen hinter verschlossenen Türen vorbereitet. Vollendete Tatsachen erfahren wir – und auch Sie – aus der Presse. Selbst den Mitgliedern der Zweckverbandsversammlung, die aus ihrer Mitte dorthin entsandt worden sind, werden so informiert. Viele dieser Mitglieder haben auch der Qualität der Arbeit des NWL vertraut, weil ihnen alternative Handlungsmöglichkeiten nicht bekannt sind.
Leider hat PRO BAHN den Eindruck, dass der NWL an einer Zusammenarbeit mit Institutionen, die Fahrgastinteressen und regionale Wirtschaftsinteressen vertreten, nicht interessiert ist.
Dies war grundlegend anders, solange der Verkehrsverbund Ostwestfalen Lippe (VVOWL) selbstständiger Aufgabenträger bzw. Teilorganisation des in NWL war.
Seit 1997 arbeitet PRO BAHN im Fahrgastbeirat des VVOWL, und dort haben wir konstruktiv und engagiert zusammen mit der Geschäftsleitung Probleme offen diskutiert und Lösungen erarbeitet. Das tun wir auch heute noch in diesem Beirat – nur ist der VVOWL nicht mehr SPNV-Aufgabenträger, sondern inzwischen hilfloser Zuschauer einer verhängnisvollen Entwicklung.
Das hat sich in der Beiratssitzung vom 27.11.2023 gezeigt. Der Vortrag des Mitarbeiters des NWL, Herrn Bienek, zum Thema des Lokführermangels war zwar informativ, gab aber keine Gelegenheit zu einer wirklich vertieften Diskussion über Lösungsmöglichkeiten der anstehenden Problematik. Es blieb der Eindruck, dass der NWL das Prinzip „Hoffnung“ zu verfolgen scheint, so, wie es auch die späteren Reaktionen und Vorträge (zuletzt vor dem Gemeinderat Leopoldshöhe, wenige Tage vor der Veröffentlichung der einschneidenden Maßnahmen der Eurobahn) vermittelten. Und das zu einem Zeitpunkt, zu dem klar war: Das wird nicht genügen.
Es war über zwei Jahrzehnte nicht notwendig, die Arbeit des VVOWL bzw. des NWL öffentlich zu kritisieren, da die Bereitschaft bestand, anstehende Probleme früh zu diskutieren und Einwände ernst zu nehmen. Diese kamen unter anderem auch vom VCD und von der IHK Lippe, dem Einzelhandelsverband und dem Seniorenbeirat Bielefeld.
Besonders ist hervorzuheben, dass für die lang dauernden Streckensperrungen am Rehbergtunnel (Altenbeken), im Bielefelder Stadtgebiet und in Lage sehr gute Lösungen für den Ersatzbus-Verkehr gefunden und realisiert werden konnten, die trotz aller Probleme nicht das Gefühl aufkommen ließen, der Kreis Lippe werde abgehängt. Die jetzige Einrichtung des „Schnellbusses“ ist sogar eine späte Frucht dieser Arbeit, denn es wird die gleiche Route befahren, die sich damals bewährt hatte.

Weitere Mängel der Arbeit des NWL: Infrastruktur, Qualität

Auch den Einsatz des NWL für punktuelle Verbesserungen der Infrastruktur vermissen wir. Mit den vorhandenen Schienen kann Pünktlichkeit nur unter sehr günstigen Bedingungen gewährleistet werden. Für den NWL gilt aufgrund seiner formalen Arbeitsweise ein Zug auch dann als pünktlich, wenn den Fahrgästen alle Anschlüsse vor der Nase weggefahren sind: Siehe Qualitätsbericht des NWL: Bei 4 Minuten Verspätung wird ein Zug als pünktlich genannt. Aufgrund einer Umsteigezeit von planmäßig 5 Minuten in Herford fahren aber den Fahrgästen Anschlusszüge bereits bei einer Verspätung von mehr als 60 Sekunden vor der Nase weg. Gleiches gilt für Anschlüsse an Busse in Detmold und Lemgo.
Die Erarbeitung eines Konzepts „S-Bahn Ostwestfalen-Lippe“ halten wir zwar für richtig, aber das darf kein Grund sein, jetzt auf Forderungen nach Verbesserungen zu verzichten, die die Pünktlichkeit sichern können.

 

Foto oben: Auch die Fahrzeuge des Dieselnetzes der Eurobahn befinden sich in der Krise. Um genügend Fahrzeuge zur Verfügung zu haben, sind bereits gleichartige Fahrzeuge der ersten Serie “Talent” im Einsatz, die bei anderen Unternehmen Dienst getan haben. Einer der Gründe dafür: Ersatzteile sind für die im Jahr 2000 in Betrieb gegangenen Fahrzeuge nicht mehr anders verfügbar. Das Foto entstand in Gütersloh Hauptbahnhof, Linie RB 67, im März 2024.